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Der israelitische Lehrer · 1870-09-14 · 37 (14.9.1870) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er IsrseUisrlie Aelirer. Wochenschrift für die allgemr i und insbesondere des nen Angelegenheiten des Judenthums israelitischen Lehrerft ander Organ snr den Verein „Achawa.' M 37. Den 14. September 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Stummer Bierteljährlicher LbonnementSpreii nehmen alle Post 4v lr. — iii/2 Sgr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen tmter und Buchhandlungen an. «Fehrplan der Elementar- »ad Eemioar-Ablheiluog der M Haiudorf'sche» Stift»og zn Münster in Westphal (Fortsetzung.) Wir kommen vom bebräischen Unterrichte, lirksm. dem wir absichtlich eine so ausführliche Besprechung gewidmet haben, zu einem anderen -Gegenstand, der nach anderer Richtung das unterscheidende Merkmal einer Lehrerbildungsanstalt ist. Auch hier müssen wir eine Bemerkung vorausschicken. Das israelitische Ile alt, amalö Lehrer-Seminar hat nur dann eine v Berechtigung, wenn 'S eine Musteranst eineSlätte freier pädagogischer Wirks keit ist. Wir wollen dies erläutern. Die jüdische Jugend- und Volksschule mag konfessionelle Schule, den bestebenden anderen coitfesfionellen Lehranstalten gegenüber, ihre volle Berechtigung in sich haben. Es ist hier der Ort nicht,! untersuchen, ob ibr diese Berechsigung bleiben wrrde, wenn der ConfessionaliSmns aus allen ^Volkssch ulen wirklich und gründlich verbannt würde. Gilt dieselbe Berechtigung auch dem Seminare gegenüber? meinen: reicht die konfessionelle Richtung des meinen, staatlichen, oder sagen wir gleich: chriffli» chen Seminars allein und für sich hin, uns als raeliten die Verpflichtung aufzulegen, für jüdische miuarien Sorge zu tragen, — vorausgesetzt, daß jüdische Zögling ein vollberechtigter Seminarist werden kann? In den bayr. katholischen und evangelischen Seminarien ist letzteres der Fall und wir wissen, daß aus diesen Anstalten viele vorzügliche Lehrer, gediegen im Wissen und Eharakter, hervorgegangen sind, die ihrer Aufgabe gewachsen waren und derselben ganz und voll genügten. In Baden und Württembeerg ist dasselbe der Fall. Wir allze- IS- Seder )vrt Der Seminarist ist kein Kind mehr. Er muß frei urtheilen können in religiösen Dingen, und die Gefahr, daß die Verführung in religiösen Dingen auf Nebenwegen an den erwachsenen Jüngling herantrete, ist nicht bedeutend. Es ist also nicht nur diese rein religiöse Anschauung, die das jüdische Seminar nothwendig macht. Es ist vielmehr vorzüglich der Umstand, daß in der Gegenwart die jüdischen Zöglinge nickt genügend im Hebräischen vorgebildct ins Seminar eintreten und der Seminärunterrickt Zeit und Kraft des Zögling« allzusehr beanspruckt, so daß für den bebräischen Unters richt zumeist wenig übrig bleibt; eSist aber auch für uns besonders noch ein anderer, hockst gewichtiger und nickt übersehbarer Umstand, der unsere volle Berücksichtigung verdient Das christliche Seminar, wie es jetzt zur Zeit gewöhnlich ist, geleitet von Tbeologen, ist nimmermehr eine Stättefreier Wirksamkeit der Pädagogik! In unseren christlichen Seminarien wird die freie Pädagogik, wie sie Pestalozzi, Diesterweg, DirteS und andere Heroen der Pädagogik lehrten, perhorrescirt. Die theologischen Seminar-Direktoren baben weder das Wissen, noch den Willen, aus den engen Geleisen der regnlativmäßigen Schulkunde hervorzutreten. Der Lehrer soll in Demuth geleitet werden zu den Wegen, auf welchen ein Abirren „nach Links" nicht möglich wäre. Er soll wissen, wieer unterrichtet, fest und unbeweglich soll er die festgetretenen Geleise gehen, nicht aufwärts, nicht jvorwärtS schauen. Darum bleibt auch das Wesen der Pädagogik aus diesen Seminarien ausgeschlossen; und darum — wird die Zahl freidenkender, vorwärtsstrebender, charaktervoller Lehrer aller Wege weniger. Wir glauben, daß unsere Leser diese traurige Erfahrung bestätigen. Nun denn, wir wünschten — und dieser Wunsch ist gewiß ein berechtigter, — daß das israelitische Seminar sich befreie und auch befreit bleibe von die-' sen beengenden Fesseln. Wir wünschten, daß das iS-

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