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Der israelitische Lehrer · 1870-09-07 · 36 (7.9.1870) · p. Seite 293

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
36 (7.9.1870)
Date
1870-09-07
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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— 293 — reichen ist — und wahrscheinlich wird es jetzt nicht allenthalben zu erreichen sein — so weiß ich keinen andern Ausweg, der zu Frieden führen könnte, als die vollständige Ausschließung des Religionsunterrichts aus der Schule. Denn, m. H., der Konflikt hört sonst nicht auf, Unfrieden überall. Wie jetzt die die Dinge liegen, so, wie es jetzt ist, m. H., kann es nicht bleiben, das ist unmöglich. Denn allerwärtS schon hat der Zweifel und der Unglaube Fuß gefaßt, und der Lehrerstand ist hieran nicht schuld. Mögen die jetzigen Zustände in der Kirche und in der Schule hierfür verantwortlich gemacht werden, nicht der Lehrerstand; denn es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß in frühem Zeiten das ganze Bildungswesen abso'ut der Kirche überantwortet war. Sie also hat es verschuldet, wenn die Dinge so geworden sind, wie sie sind Ich muß aber noch einen zweiten Faktor als Urheber dieser trostlosen Zustände auf dem Gebiete der religiösen Volksbildung verantwortlich machen. Welch eine wicktige Aufgabe, welch eine großartige Bedeutung derselben, daö reine Christeuthum, die Religion der Gottesfurcht, der Tugend und der Menschenliebe zu lehren! Aber in der That, die Wirkung dieser Religion ist nahezu erloschen. Und ich muß dafür noch einen zweiten Faktor verantwortlich machen, dieser ist, m. H., der Staat! Der Staat ist, das beweist die Geschichte, immer und immer der Polizeiagent, der Zutreiber der Kirche gewesen! Mögen diese beiden Faktoren Jbie Verantwortlichkeit tragen, fea« Volk und der Lehrerstand sind hieran unschuldig. Leider hat dieses Derhältniß noch immer nicht aufgehört. Roch immer sind die Minister, die Ministerialrätbe die Schulräthe, die Landräthe, die Schreiber und Diener aller Art auch die Diener und Schleppenträger des Pfaffenthums. Ja, m. H., kaum erläßt man ein Gesetz, daS die vollständige Glaubens- und Gewissensfreiheit nach allen Richtungen hin garantirt, das die Schule und den Lehrerstand für unabhängig erklärt, so werden hinterher eine Menge konfuser Verordnungen erlassen; und wo ein freisinniger Satz im Gesetze steht, da kommt hinterher die Interpretation: Za, so sei es nickt gemeint. Damm komme ick wieder auf den Gedanken zurück, daß das Unterrichts- und Bildungswesen absolut vom Kirchenwesen getrennt werden müsse bis zur Spitze hinaus. Wenn dann, m. H., Männer Ihres Standes eine maßgebende Stimme dort haben, aber nicht eine bloS hedientenhafte Stellung, dann können Sie diese Männer verantwortlich machen für daö Gedeihen und das Wohl der Schule. Aber jetzt wisien Sie nicht, an wen Sie sich halten sollen. Und eö ist meine Erfahrung und meine festeste Ueberzeugung : das Kirchenwefen, wie es jetzt ist, bleibt immer dem Schulwesen feindlick gesinnt. Wenn etwas Gutes für das Schulwesen geschehen ist, so gehen sie hinterher zum Minister, belagern und bedrängen ihn, daß er wieder etwa« Anderes bestimme,, und wenn er nicht will, so wendet man sich an eine höhere Instanz, um von oben herab auf den Minister zu drücken. Das ist nicht eine bloße Bermuthung. Ich habe es erlebt; ich weiß es, daß es so ist. Und das ist keineswegs blo« in katholischen Ländern der Fall, sondern auch anderSwo, und gerade da, wo man sich sehr viel auf seine religiöse Fr-isinnigkeit zu gute thut. Wir können jetzt, wie die'Dinge stehen, mit der Kirche nicht paktiren. Es muß eine unbedingte Freistellung der Schule von allen kirchlichen Einflüsien herbeigeführt werden! (Langandauernder stürmischer Beifall.) So weit vr. Ditte«. Wir werden jetzt unsere -Schlüffe ziehen. (Schluß folgt-) Wochenbericht. Berlin, 18 August. Das „Berl. Fr.- und Anz. Bl." schreibt: Das von Herrn Martin PerelS hierselbst uns eingesandte Madrider LooS von 100 Fr. hat bereits durch nachfolgendes Schreiben seine Bestimmung erhalten, indem eS Herr PerelS dem Husar Edel zugesprochen hat, an den eS heute abgesandt ist. — Das Schreiben lautet: - . „Frankfurt a. M.. 12. August. Herr Martin Perels! Aus dem „Fremdenblatt" habe ich erfahren, daß Sie eine Belohnung für einen besonders tapferen und heldenmüthigen Soldaten der deutschen Armee, Mischen Glaubens, bestimmt. Ich erlaube mir Ihnen mitzutheilen, daß im hiesigen Lazareth auf der Pfingstweide ein Husar mosaischer Religion verwundet liegt, welcher sich durch seine Tapferkeit besonderausgezeichnet! Er ritt nämlich mit seinen Kameraden im Galopp durch ein Dorf in der Nähe von Wörth. Die Häuser waren von französischer Infanterie besetzt, welche auf die durchreitenden Husaren feuerten. Schon war er außerhalb des Dorfes und hatte keine Gefahr mehr zu fürchten, als er umblickte und seinen Lieutenant mitten im Dorfe unter dem Pferde, welches von einer französischen Kugel getroffen war, liegen sah. Die Franzosen waren gerade im Begriffe, sich de« Offiziers zu bemächtigen, als der Husar nochmals in den Kugelregen zurücktritt und seinen Dorgrsetzteu heraushieb. Leider erhielt er dabei einen Schuß in das Bein, wodurch er wohl zeitlebens gelähmt bleiben'wird, und da er Metzger ist, wobei er, um Vieh zu kaufen, viel unterwegs fein

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