Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432151--3071-4899358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 294 — mnß, weiß er nicht, wie er später sein Geschäft betreiben kann, um seine Frau und drei Kinder zu eruähren. Der Husar heißt Edel, liegt im Lazareth auf der Pfingstweide und liefert alle Beweisstücke zur Stelle. Es ist übrigens derselbe tapfere Husar, welcher __bie Uniform des Generals Douay erbeutete. Hochachtungsvoll Alexander Strauß, Firma: Siegmund Straß jr. In Frankfurt a. M.* — Die „Oftd. Ztg." berichtet: Der bei Wörth gefallene Landwrhr-LieUteyant Jaffe (ein Kaufmann unserer Provinz und einer der wenigen jüdischen Landwehr-Offiziere unserer Armee) hatte gleich im Anfänge deS Gefechts einen Streifschuß erhalten, nach dessen Besichtigung ihn der Arzt aufforderte, die Gefechtslinie zu verlassen. Cr leistete jedoch dieser Aufforderung keine Fvlne und fiel eine Stunde später im möderischen Granatseuer. Berlin. Tie fromme Partei hat sich ebenfalls mit der Einrichtung jüdischer Feld - Geistlichen getragen. Die Jdee'ist ihr gewiß etwas Fremdes und beruht nur auf blinder Nachahmung. Als etwas Neues und Unbekanntes unterließ man denn auch nicht eine Schaalath Chöchom über die rituelle Zulässigkeit zu machen. Bei Rabbi Hildesheimer sind auch in der That skrupulöse Zweifel entstanden. Denn ohne Zweifel führt das Feld und Kriegöleben dic Verletzung mancher "rituellen Vorschriften mit sich. Ein zum Krieg Befohlener darf als Onus (Gezwungener) sich darüber hinwegsetzen, aber wohl nicht ein freiwillig Mitziebender,wie in Aussicht genommene jüdische Feldgeistliche. Der König müffe also auch hier bestimmte Personen befehlen. Niemand dürfe sich freiwillig melden. Man wird hier unwillkürlich an jene Anektote erinnert, wonach ein Jude und Offizier im Eisenbahn-Coupe zusaminentrafen. Der Offizier frühstückte seine Wurst und bot freundlichst auch dem Juden an. Dieser lehnte traurig dankend ab — als nicht koscher. Der Offizier trank Wein und bot seinem jüdischen Nachbar wiederum an. Auch jetzt erfolgte Ablehnung — als nickt koscher. Der Offizier begriff dies nicht, der Jude erklärte, nur gezwungen (im Nothfalle) davon genießen zu dürfen. Der Offizier glaubte aber in dem „ gezwungen" eine andere Andeutung finden, zu müssen, und zog kavaliermäßig seinen Degen, um gegen den Juden den verlangten Zwang auszuüben. Der Jude trank. Inzwischen war das Reiseziel erreicht; man trennte sich, der Jude ernsten Blickes, der Offizier 'sich freundlichst entschuldigend, den Spaß nicht übel zu deuten. Der Jude blieb ernst und stumm, und als der Offizier nach dem Grunde frug, antwortete der ^ude: „Sie hätten mich doch auch schon, zu trr Wurst zwingen" können. So auch Herr Hildesheimer. Um die Trefa-Wurst dem jüdischen Feldgeistlichen zu erlauben, müsse der König zwingen. Wir möchten ftageu, um dem beliebten Systeme für einen Augenblick treu zu bleiben: Steht denn Patriotismus nicht im Religionöbuche dieser Herren? Habe Noch und Gefahr des Vaterslands und der Krieger nicht auch ihre zwingende Kraft (nnn ’Jeo nrj?)? — In Paris hat das Consistorium übrigens auch erst die Ernennung von Feldgeistlichen beantragen müffen; das Kriegsministerium hat diese Vorsorge nicht von selbst getroffen. Es hat auch nicht, befohlen, sondern freiwillige Meldungen entgegengenommen. Breslau Prof. Eduard Munk ist von Spanien aus um die Erlaubniß angegangen worden, seine Werke über die römische und griechische Literatur ins Spanische übertragen zu dürfen. Die Erlaubniß ist bereitwilligst gewährt worden. Auch ein Zeichen für die Wendung des Geschicks. Man haßt den Juden um der Ueberlegenbeit seines Geistes willen, und doch kann man die Kraft und die Schöpfungen seines Geistes nicht entbehren. Der Jude ward aus Spanien vertrieben, aber die ihn verdrängt, suchen ihn auch wieder auf. Pesth. Im Jahre 1839 entschwand ein jüdischer Juwelenhändler Hirsch. Jetzt hat sich ein Christ auf dem Todtenbette als deffen Mörder bekannt; er " ist Besitzer vieler Häuser geworden, nachdem er sich mit den Schätzen des Ermordeten bereichert. Welche Zeit hat solche Unthaten von dem rohesten und uugebildesten Juden aufzuweisen gehabt? Und doch rühmen sich die Christen eines geistigen und sittlichen Vorzugs vor den Juden, rühmt sich das Christenthum einer bessern Moral und Träger der Civilisation, wie die Religion allgemeiner Nächstenliebe zu sein. — Paris. Wie in Deutschland wird auch hier der >Lchlachte»gott angerufen: es werden dazu auch noch die Bibelsprüche des alten Testaments angeführt, wie wenn der alte Gott Zebaoth vorzüglich ein KriegSgott sei. Man wendet jüdischer Seits dagegen ein, daß mit dem Gott der „Schaaren" auf die EngelSschaaren hingedeutet sei; man vei steht auch wohl darunter die Schaaren von Sternen, Weltkörpern und ihren Geschöpfen. Aber läugnen läßt sich nicht, daß darunter auch die Kampfeöschaaren des Volkes Israel verstanden werden, welche daS Heer und die Kämpfer für die heilige Sache Gottes bilden, indeß diese Arbeit nicht mit den blutigen Waffen gewaltthätiger Hand, sondern mit der überzeugenden Kraft des Geistes und der gewinnenden Liebe des Herzens zu vollbringen haben.