Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 291 lehrt e sei darum auch Lehrer. Kein deutscher Pädagoge sagt daS bester als Inspektor Kehr *) auS Gotha, vielleicht einer der gediegensten, praktischen Schulmänner Deutschlands: „ES gibt," sagt er, „außerordentlich tüchtige Gelehrte, die herzlich schlechte Lehrer sind, «nd eS ' gibt umgekehrt sehr tüchtige Lehrer, die auf nicht« weniger als auf den Titel eine« Gelehrten Anspruch machen können. Große Gelehrte haben als Lehrer bei einem bedeutenden Reichthume gelehrten WistenS oft eine so miserable.Disciplin, und reden so hoch über di« Köpfe der Schüler hinweg , daß selbst aufmerksame Schüler am Ende der Stunde nicht den mindesten geistigen Gewir n haben. Die, praktischen Lehrer dagegen haben oft bei verhältnißig geringerem Wissen die Gabe, die Resultate einer Wissenschaft in einer so einfachen und interessanten Weise an den Mann zu bringet«, daß die Schüler noch in den spätesten Jahren das seltene Lehrgescbick bewundern und dem Manne, der sich um die methodische Ausbildung ihres Geistes so große Perdienste erworben hat, ihren Dank noch ins Grab hineinrusen. Zum Lehren gehört allerdings dieKenntniß und Beherrschung des Stoffes, allein es gehört dazu auch die Kenntniß der Art und Weise, wie man das Unterrichtsobjekt (den Lehrstoff) an daS Unterrichtssubjekt (an den Schüler) heranbringt, es gehört dazu vor Allem die Fähigkeit, den dem Schüler zunächst äußerlich als ein Fremdartiges entgegentretenden Unterrichtsgegenstand so zuzubereiten, daß derselbe.nach und noch von dem Schüler innerlich ausgenommen und zu besten völligem GeisteSrigenthum werden kann. Ter Gelehrte kümmert sich um diese methodische Zubereitung nicht. Er trägt seine Wissenschaft vor und überläßt den Schülern das Uebrige. Methode, fragende Entwicklung, Anschauung und Einübung, Wiederholung und Befestigung rc. rc. liegen ihm fern. Was würde aber bei einem so Ich e n Verfahren wohl ein gelehrter Professor der Theologie als RrligionSlehrer kleiner Torskinder ausrichten? Wahrscheinlich ebenso viel, wie ein Dorfschullehrer als Professor der Theologie: — Nichts." Wir empfehlen daS Nachdenken über diese Sähe — auch Seminar - Direktoren; es sei denn, daß ihnen die Schulpraxis genügend bekannt ist aus eigener Erfahrung; denn: erfahrene Weisheit ist besser als gelesene Weisheit, hier, wie überall. t (Forts, folgt.) *) Praxis der Volksschule. Der Morlrag des Dr. Dilles auf der allgemeinen deutschen ^etzrernerlammlung in Wien. (Fortsetzung statt Schluß ) Sehen wir uns nun, m. H., die Sache an, wie sie in den Schulen liegt. fWiy steht es denn mit dem Religionsunterrichte? Nun, er wird hier und da von den Lehrern ertheilt, aber unter geistlicher Aussicht. TaS ist im Allgemeinen daS P^rhältniß in der lutherischen Kirche, wenn auch nicht ausnahmslos. Er wird ferner von den Geistlichen ertheilt, aber auch in der Schule, und zwar nur von den Geistlichen ertheilt, aber unter Mithilfe der Lehrer, die dann nackbessern oder überhören müssen u. s. w. Man sagt aber, die Geistlichen haben nickt immer Zeit, weil sie nach ihrer Meinung viel mehr zn thnn haben, als die Lehrer. Mick nimmt es nur Wunder, daß diese Praxis immer noch besteht und selbst da besteht, wo die Geistlichen in ganzen Schaaren auf den Straßen und in den Klöstern vorhanden sind. Nun . märe noch eine Möglichkeit: man sondere den Religionsunterricht ganz aus der Schule aus, wovon auch schon die Rede gewesen ist. Und endlich wäre noch eine Möglichkeit: man übertrage ihn vollständig den Lehrern. Das Letztere, m. H., halte ich in jeder Weise für daS Richtige. Ich spreche natürlich bloS meine Meinung aus. Auf meine Praxis hat das ohnehin gar keinen Einfluß, denn ich bin in der glücklichen Lage, vollständig unabhängig die Pädagogik lehren und vertreten zu können. DaS ist auch, m. H., nebenbei gesagt, ein wesentliches'Moment der großen historischen Bedeutung deS Wiener Pädagogiums! Der-Gemeinderath von Wien bat das Verdienst, zum erstenmal«, so lange es eine deutsche Pädagogik gibt, derselben eine Stätte unbedingt freier Wirksamkeit bereitet zu haben. Also, was ich praktisch vorschlage, ist lediglich aus rein objectiven- Erwägungen entsprungen. Ich will, da ich anderweitig vielfach darüber gesprochen habe, daß es am zweckmäßigsten und heilsamsten für die Schule sei, wenn der Lehrer als solcher den Religionsunterricht hat, hier nicht weiter speciell darauf eingehen. Sie werden mich aber fragen: wie denkst du dir aber die Sache? Und allerdings, mit bloßen Redensarten ist nirgends etwas igethan. Es müßte also doch ein Verfahren möglich sein, dem sich die Katholiken, die Lutheraner, die Israeliten, Alle, die auf dem Standpunkte des Monotheismus und der Sittlichkeit stehen, anschließen können, und es müßte dies auch ein solches Verfahren sein, daS rein pädagogisch gelehrt und durchgeführt werden kann und daö auch vom theologischen Standi