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Der israelitische Lehrer · 1870-08-31 · 35 (31.8.1870) · p. Seite 286

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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— 266 — unb da« erste hebräische Druckwerk auS dem Jahre 4476 bei Abraham Konrad in Mantua erschienm ist. ElKraM Die kroatische Landesregierung hat kürzlich der Stadtbehörde von Wukowar besohlen, darüber zu wachen, daß christliche Kinder die- "jüdische Schule nicht besuchen. Die Regierung beruft sich hierbei auf ein Bachisches Gesetz vom Jahre 1850,-welche» eben ausdrücklich verbietet, daß christlich« Kinder den Unterricht jüdischer Lehrer gmießen. Die Bürger jüdischen Glaubens scheinen sich diesen Zwang nickt gefallen lasten-zu wollen, obwohl die Negierung mit Verhängung von Geldstrafen vorgeht. (Lemberger „Israelit".) Frankreich. Das französische Heer wird von drei jüdischen Feldpredigern begleitet. Im „gesetzgebenden Körper* ist beantragt worden, für den neuen Synagogenbau der Stadt 50,000 Fr. aus Staatsmitteln zu bewilligen. Im Heere befinden sich 3 jüdische Feldgeistliche. Derartige Beispiele der Gleichstellung fehlen noch in Deutschland. Wir sind aber dennoch nicht Willens, den Franzosen eine civilisatorische Aufgabe zuzusprechen. Das Prinrip der.Parität ist anerkannt; der bewegliche Franzose lebt sich schneller noch in neuen Principien ein, als der schwerfällige Deutsche, der vvn dem Gewohnten nicht schnell läßt, auch wenn er Besteres an die Stelle zu setzen hat. ES ist übrigens eine alte Erfahrung und historische Wahrheit, daß sich die Menschheit nur allmälig'die göttlichen Ideen der Wahrheit und Gerechtigkeit zu eigen macht; eS vergehen Jahrtausende, bis sie den Völkern zur Ueberzeugung geworden sind, derart, daß sie Denken und Leben danach umgestalten und davon nicht mehr lasten. Darum heißt eS: „ Tausend Jahre find bei Gott wie Ein Tag. Paris. Ihre Bemerkungen, Hr. Redacteur, stimmen mit meiner Erklärung d«S „Hep* überein, denn das deutsche „Heben* und chappen, wozu ich daS französischen öodupper verglich, entstammen wohl einer und derselben Wurzel. Ich komme hierauf zurück, um ihnen mitzutheileu, das nun auch die „israelitische Preste* eine, aber abweichende Erklärung bietet. Sie leitet daS Wort allen Ernstes von dem hebräischen 27i (Prov. 30, 1-5) ab. Die Unwahrscheinlichkeit dieser Abstammung liegt auf der Hand. Paris. Die Kaiserin hat dem israelitischen Zufluchtshause, welches sie jüngst mit ihrem Besuche beehrte, 500 Fr. geschenkt. -Rack der jüngsten Zählung wohnen in Frankreich unter circa 38 Millionen Seelen 90 Tausend Juden. Der Staat opfert für deren CultuS circa 162 Tausend Francs. Brüssel. Die 6 russischen Waisen, von denen eS anfänglich hieß, daß die Getneinde sie übernehme, werden von einem Ungenannten unterhalten, der dafür 60000 Fr. gespendet hat. Stockholm. Ein getaufter Jude, Lehmann, begehrte wieder in die Gemeinschaft JSrack» zurückzukehren. Da dies nach hiesigen Gesetzen nicht zulässig ist, veröffentlichte er eine Warnung vor dem falschen BekehrungSeifer der Missionäre. Ein auffälliger Gegensatz zu dem bekannten Auftreten der Gebrüder Lehmann in Rom. (Hamagid.) Afieu „Hamagid* veröffentlicht ein Schreiben über den Reisenden „Tscharni,* wonach derselbe sich bei seinen. Forschungen nach jüdischen Manuscriptrn und Alterthümrrn der Gunst der russischen Regierung wie der armenischen Christen erfteut. Er sucht gegenwärtig im Kloster zu Etschmiadzina. Die dortigen Schätze sind aber meistens in Folge kriegerischer Angriffe theils verbrannt, theils nach Persien verschleppt; dennoch hofft T. dort noch Ausbeute zu finden. Jerusalem. Das „Rothschild'sche Hospital* wurde in diesen Tagen auch von dem spanischen General-Konsul besucht. Er drückte seine Verwunderung über die Menschenfreundlichkeit wie die außerordentliche Fähigkeit aus, mit welcher diese Anstalt von Juden eingerichtet worden sei und geleitet werde, während man in Spanien durch die Geistlichkeit nur mit Verachtung und Geringschätzung über die Juden sprechen lerne. So ist eS immer gewesen: Wo man die Juden nicht kannte, hat man sie am meisten gehaßt und gefürchtet. Ignoranz ist für die inneren wie äußeren Verhältnisse unsere stärkste Feindin. Nicht umsonst hält unsere Lehre geistige Aufklärung so hoch; sie ist die Trägerin des LichtS. Upsala, vr. Robert Rubensohn ist zum außerordentlichen Profeffor für Metereologie an hiesiger Universität ernannt worden. Er erhielt auch für seine metereologischen Arbeiten die Hülfe deS byzantinischen Stipendiums. Dies ist die erste Frucht der Emancipation. Confesstonelle Blätter bedauern freilich vorläufig noch, daß der gelehrte Profeffor nicht vor seiner Berufung in den Schovß der protestantischen Kirche eingetreten ist. (Hamagid.) Eriwa«. Der bekannte Reisende Tscharni hat versucht, die Höhen des Ararat zu ersteigen, mußte

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