Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ — 285 — wird bann wieder ein Zusammenwirken des LehrerstandeS mit dem geistlichen Stande möglich sein, für jetzt aber nicht. (Schluß folgt) Wochenbericht. Berlin. Die „Zukunft" macht darauf aufmerksam, daß nun das neue Johannes - Gymnasialgebäude zu Breslau doch zur confesstonSlosen Anstalt werde: die Stadt richtet ein freiwilliges Lazareth darin ein. Oder wird Herr v. Mühler die jüdischen Soldaten dort vor der Thüre liegen lasten? Wir nehmen Veranlassung, noch auf andere schlagende Vorkommniste hinzuweisen und wollen hoffen, daß sie nach dem mit Gottes Hülfe bald und glücklich zu Ende geführten Kriege nicht vergesten werden. An den patriotischen Sammlungen haben sich die jüdischen Häuser überall, wie gebührend, mit reichen Gaben betheiligt; einzelne stehen an der Spitze mit Gaben von 10,000 und 5000 Thalern. Wenn man aber die Listen durchweht, so vermißt man mit Staunen den reichen, hohen Adel, die ritterlichen Gutsbesitzer und Junker, sie, die sich mit Worten stets als die Stützen des Thrones und des Staates, als die Generalpächter des Patriotismus geberden. Mit welcher Verachtung haben die reichen Peer'S stets vom Börsenjudenthum gesprochen! Berlin, 24. August. Am Sonntag wurde hier mit militärischen Ehren ein Soldat mosaischen Glaubens beerdigt, der wirklich den H e l d e n t o d gestorben ist. Er war bereits in der Schlacht verwundet w'ordm und ein Ofsizier rieth ihm, sofort auf den Verbandsplatz zu eilen. „Es geht noch eine Weile so fort," antwortete der Brave, „noch kann ich hier mehr nützen als auf dem Verbandsplätze". In der nächsten Minute streckte ihn eine zweite Kugel nieder. ES war rin geachteter junger Kaufmann, NamenS KönigSberger, dem heute viele feiner Freunde die letzte Ehre erwiesen. Soldaten vom zweiten Gardrregiment, bei dem er 1F66 sein Jahr abgedient hatte. gaben die üblichen Salven über dem Grabe. (Fr. I.) Berlin, 24. August. Das „Frankfurter Journal schreibt von hier: Einem Gerüchte zufolge soll vom betreffenden Ministerium bei dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde die Anfrage gestellt sein, ob man einige jüdische Geistliche in das KriegSlager abgeordnet zu sehen wünsche. Ein Theil der jüdischen Verwaltungs-Körperschaften soll sich denn auch bereitwilligst für Abordnung des Herrn Gemeinde- Rabbiners Dr. Geiger *) erklärt und den Wunsch ausgesprochen habm, auch den Rabbiner vr. Hildesheimer mit abgeordnet zu sehen. Man glaubt, daß dadurch sich die Alles vereinigende „Menschenliebe" in höchster „menschlicher Gesittung" auf'S Beste dokumentire. (Uns scheint, so eigenthümlich es klingen mag, hinter dieser Nachricht ein Schalk verborgen. ES ist möglich, daß die Berliner Israeliten zum Theil die Herren Dr. Geiger und Hildesheimer „fort" haben mögm; aber gewiß denken diese beide Herren am wenigsten daran, ihre Gemeinden zu verlasten und inS Feld zu ziehen. Sollte sie die Militärverwaltung zur Herbeiführung einer recht großen Ausdebnung ihrer Linie anderen beide Polen stellen? Der Zweck würde vielleicht erreicht, denn je weiter der Eine nach Rechts geht, desto weiter geht der Andere nach Links. — Doch weder die Zeit noch die Sache ist zum Scker; angethan. Das Streben nach jüdischen Feldpredigern ist durch, einige Blätter gegangen und hat auch bereits dem Ministerium Vorgelegen; wir fragen: was soll der jüdische Feldprediger? Der jüdische Soldat braucht zur Erfüllung seiner religiösen Verbindlichkeiten, in sofern diese im Felde möglich sind, keinen Geistlichen: ,m Man mußte bcn Männern ein gutes Wort mitgeben als Zehrung, bevor sie auszogen und daS werden die Herren Rabbinen in den Städten wohl nicht versäumt haben. Im Felde ist der jüdisch« Soldat zu vereinzelt, als das der jüdische Feldpreviger das könnte, was der christliche thut. Hiergegen sollten in größeren Lazarethen tüchtige, praktisch-geübte jüdische Krankenwärter sein, die dann auch die Mittel stnden würden, den Leidenden zu trösten und ihm, wenn er seine Sterbestunde nahen fühlt, diejenigen Tröstungen zu verschaffen, die die geheiligten jüdischen Gebräuche bieten; sie werden e» ermöglichen, daß er in Gegenwart von Glaubensbrüdern, das por auf den Lippen, seine Seele aushaucht. So entfremdet Manche den jüdischen Observanzen auch sein mögen: diese heilige Sitte ist einem Jeden eine Erhebung, ein lindernder Trost in der Sterbestunde. Dazu brauchen wir aber keine Gelebrten, keine Rabbiner, am allerwenigsten von der Sorte Geiger und Hildesheimer, keine Parteimenschen, sondern Männer von Herz. Verstand und praktischer Thatkrast» (Redactio-n.) Frankfurt a. M. In dem hier am 28. März versammelte „Verein sür Geschichte und Alter» thumekunde" hielt „Kelchner" einen Vortrag, wonach die ersten hebrä schen Drucksachen aus den Jabren 1475—77 bei Konrad Fyner in Eßlingen stammen. *) Ist bereits. wie voraussicktlick an;unebmen war, wieder demeutirt- Redaclion — bei der Eorrectur.