Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-08-31 · 35 (31.8.1870) · p. Seite 283

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432149--3059-4899347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 283 1 grschehey, wenn die DiSciplinen so vielfältig und das, waS der Unterricht in den einzelnen verschiedenen Färbern bietet, so gering ist. (Fortsetzung folgt.) . Der Ertrag des Dr. Dittes auf^der assgemeirren deutschen ^eyrerversammkung in Wien. , (Fortsetzung) 'i Um nun das Gesagte und das noch weiter über die Einrichtung eines solchen Lehrbuchs Anzudeutende näher zu begründen, muß ich vor allem den Satz wiederholen. daß die Theologie mit der Pädagogik unvereinbar ist. Täuschen wir uns hierüber nicht. Es ist eine pure Illusion, wenn wir annehmrn wollten, es sei auf dem gegenwärtigen Standpunkte der Theologie mit der Kirche einerseits und der Pädagogik und der Schule anderseits zwischen beiden Wissenschaften, zwischen beiden Instituten ein Ausgleich herbeizuführen. Man muß, wenn man in der Praxis steht, die Dinge ansehen, wie sie sind, und vor allem mit unerbittlicher logischer Konsequenz die vorliegenden Gegensätze sesthalten, sie nicht überkleistern und auSgleichrn wollen, wenn sie durch innere unvereinbare Widersprüche auSrinandergehen. ' Die Sache ist so. Die Theologie — denn selbstverständlich nehme ich einzelne Theologen aus; aber diese einzelnen freisinnigen Theologen, die also mit uns nahezu auf demselben Boden stehen, gelten gar nicht als maßgebend, weder in. der katholischen noch in der lutherischen, noch auch in einer and rn Kirche, sie gelten da einfach als Ketzer. Mit derartigen Herren können wir also deswegen nicht, verhandeln, weil die bestehenden sogenannten Kirchen den Vertrag, den wir mit den freisinnigen Elementen der Kirche schließen könnten, nicht acceptiren würden. Nun, m. H., die herrschenden theologischen Systeme beruhen auf Sätzen, die nicht erfahrungsmäßig sind, nicht wissenschaftlich erwiesen werden können, weil sie eben unerwrislich sind. Die Sache ist wissenschaftlich von sechr großer Bedeutung. Die theologischen Lehren voriger Erbsünde, von der Rechtfertigung, von der Offenbarung, von der Inspiration, von der Trinität, von den Engeln und Teufeln*), diese Sätze, m. H., die denn doch in allen Religionsbüchern, wie sie von den sogenannten Kirchen, d. h. von den Theologen ausgehen, Vorkommen, haben mit dem anthropologischen Prinzipe, das auf der Induktion, auf der Naturwissenschaft, auf der Erfahrung, Erkenntniß und Vernunft beruht, nichts Wir bitten um Beachtung dieser Worte. Red. zu schaffen l Ich habe nun — um einem Mißverständnisse vorzubeugen, sage ich das — gar nichts dagegen einzuwenden, wenn Jemand in seinem Herzen das Bedürfniß solcher Glaubenssätze fühlt; ich werde Nie-, mand darum anfechten, denn Jeder sucht sich in seinem Gewissen die Einheit und Harmonie in seiner Weise herzustellen. Aber dagegen muß ich mich 'als Vertreter der Pädagogik verwahren, daß man solche unerwiesene und absolut unerweisbare Sähe als wiffenschaftliche Grundlage der Pädagogik und als praktische Normen des Schul- und Erziehungswesens uns aufdrängt. Hier hilft alles Ueberdecken nichts; es wäre da« blos ein Beweis von Energielosigkeit des Denkens oder des WollenS. Nun, m. H., gilt eS, uns auseinanderzusetzen mit der Theologie, mit der Kirche. Und Sie begreifen, daß die theologische Begründung der Pädagogik und die theologische Regulirung der Schule von außerordentlicher Wirkung sein muß und thatsächlich auch überall von ganz außerordentlicher Wirkung isl. Denn der ganze Lehrstoff der'Volksschule wird beeinflußt, sobald man sich auf den herrschenden theologischen Standpunkt stellt. ES muß aus dem theologischen Prinzipe unbedingt dqS Aufsichtsrecht der Geistlichen über die Schule hergeleitet werden. Darüber dürfen wir uns nicht täuschen, denn — wie das moderne Schlagwort preußischer Regulativpädagogen ist — es muß Alles mit dem Worte Gottes durchsäuert werden. DaS ist buchstäbliches Eitat, m. H. Die Theologen verlangen nunmehr auf Grund ihres theologischen Standpunktes, und weil sie meinen oder doch behauplen, daß sie die Wächter des Seelenheils aller Menschen seien, das Recht, nicht nur den Religionsunterricht zu normiren und zu beaufsichtigen, sondern auch den gesammten übrigen Unterricht zu kontroliren, damit er nicht in Konflikt gerathe mit den theologischen Satzungen. Und es ist dies ganz richtig. Setzen wir uns unparteiisch aus den Standpunkt eines gläubigen Theologen — und, wie gesagt, nur solche gelten in der Kirche, in allen Kirchen; die andern werden auögemerzt — setzen mir uns also auf den Standpunkt eines Pfarrers oder! Prälaten oder Superintendenten, oder wie er heißen möge, so müffen wir zugeben: dieser Mann — wir müffen gerecht sein — muß das Aufsichtsrecht über die Schule beanspruchen; er kann nicht anders, er wsirde sonst gegen seine eigenen Prinzipien handeln. Das ist die eine praktische Konsequenz. Es ist aber auf der andern Seite die Lehrerbildung hiervon ganz wesentlich abhängig; denn selbstverständlich muß das ganze Bildungswesen, und in allererster Linie die Bildung der' Lehrer, von den Geistlichen dirigirt, wenigstens wesentlichbeeinflußt werden, und wenn die Geistlichen auch theilweise zurückgedrängt werden, so sehen sie das nur als eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.