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Der israelitische Lehrer · 1870-08-31 · 35 (31.8.1870) · p. Seite 282

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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— 282 — nungstüchtiger, klarer': Hier und dort und überall Etwas wissen^ oder «ins ganz und recht und voll zu wissen? Was soll ein solcher -«->22 - Unterricht? f'd'n! Muß daS wie ein Alp auf das Lehramt drückende Schächteramt schon über das Seminar hin seine schwarzen Fittige ausstrecken? Doch, sehen wir ab von dem Stoffe an und für sich, bleiben wir bei der Sache. Der Talmud ist ein Gebiet der jüdischen Theologie, das eine durchaus wissenschaftliche und gründlicke Behandlung, ein jahrelanges Studium erfordert. Er ist daS Zeugniß des jüdisch-religiösen Lebens einer großen und glorreichen Epoche» aber ein Sammelwerk mit Controversen und Disputationen, desien Studium fast Lebensaufgabe sein muß. Welcher Privatmann, welcher fertige -Lehrer etwa als Dilletant sich mit Talmudstudium befassen will, der thue es. Aber die knappe Zeit der Lehrerbildung muß auf das verwendet werden, was außer aller Controverse liegt, unerschütterlich in allen seinen Theilen die Grundlage ernster und abgerundeter, klarer Studien-werden kann. Wir fragen Herrn Or, Kroner, wie viel Zeit im theologischen Seminar zu Breslau auf das Studium deö Talmud verwendet wird und ob darum di^ Zöglinge, die dasselbe verlassen, allesammt gewiegte Talmudisten sind, die des fortgesetzten Studiums entbehren können? Nun denn, was soll hier mir diesem Halb- oder besser kaum Viertelswissen bezweckt werden? Werden die Herren Lehrer dadurch zu selbstständigen Weiterstudien befähigt? Werden sie zu Lehrern in diesem freche genugsam vörzebilrct sein? Werden sie in die Lage kommen, solchen Unterricht zu geben? Oder sollen sie wirklich den r.x~.rv r.~'E in den Gemeinden spielen, paßkenen und mit umherziehenden Polen diSputiren? Nein und. tausendmal nein! Der »«'2: - Unterricht in dieser Weise schädigt, weil er nicht gründlich sein kann; - er hat keinen bestimmten Zweck, ,er raubt den anderen Gegenständen den Raum und die Zeit; fo t mit ihm auS dem Lehrplane der Seminaristen! Was der Lehrer weiß, muß er überschauen, geistig verarbeiten können. Nicht das sind Halbwisier, die weniger allgemeine Wissenszweige in sich zur abgescklossenen Klarheit gebracht, sondern die, welche an allen Cchüsieln genascht haben und nirgends in einem Wissen sc heimisch sind, daß sie es ganz überschauen könnten, das; es ihnen zum vollen Eigenthum geworden wäre. Nur dann ist der Lebrer fortbildungsfähig, wenn er so am Seminar angeleiret worden. Und wie mit , sc mit dem religicns - philosophischen Werke,"so rnit und crcrs*), mit Al- * Mir Ausnahme etwa einiger wenigen, die jedoch in ibrer T iklion klar, freivou dem schon von Äben Esra gekennzeichneten Wulst sind! lem, waS nur dazu dienen kann, die Kraft, die dem. Einen, was Roth thnt, gewidmet werden muß, zu zersplittern, die Zöglinge von klarem, eingehenden Studium abzubringen. Die Thora ist die Grundlage des jüdisch-religiösenLebens für alle Zeiten! Die Kenntniß des ganzm ist ebenso aus religiösen als aus liturgischen Motiven für den religiös gebildeten Lehrer unabweislich! Die Kenntniß auch der ganzen jüdischen Liturgie und der liturgischen Anordnungen, — wir sagen von unserm religiösen Standpunkte auS: soweit sie zur Zeit noch lebensfähig sind — ist für den Lehrer als Cantor wichtig und unentbehrlich. Der Lehrer muß also als zm und x*np dpd und zur Abhaltung religiöser Borträge ausgebildet und vorbereitet werden. Und das, was wir hier verlangen, nimmt ganz und voll die Zeit in Anspruch . die Herr vr. Kroner dem hebräischen Unterrichte im Seminare widmet: 13 Stunden in 3 resp. 2 getrennten oder combinirten Cursen. Von der Thora muß mindestens das erste und zweite und fünfte Buch eingehend mit »&n, -mra und im Anschluß an andere - Eommentare faßlich, klar, warm übersetzt, erklärt, sprachlich und inhaltlich erörtert und in'ihrer Anwenwendung auf die religiöse Praxis, — theilweise auch mit homiletischen Nutzanwendungen — von den Seminaristen vorgetragen werden. DaS erfordert nach unserer vollsten Ueberzeugung täglich 1 Stunde — d. i. wöchentlich 6 Stunden; das kann in eombinirtem Cursuö geschehen. Von den übrigen Theilen der Bibel müssen mindestens 2 — wir würden 1,-nxe" und a’bvin wählen — ebenso eingebend übersetzt und erklärt, die andern biblischen Stücke kursorisch in gerrennren Cursen durchgenommen werden — macht 4 Stunden; denn unter 2 Stunden wöchentlich für einen Curs ist auch hier, nichts fertig zu bringen. Es bleiben also nur noch 2 Stunden für die übrigen Fächer. Der Herr Direktor und die geschätzten Leser dieses Blattes sehen also, daß wir den hebräischen, oder sagen wir besser religiösen Lehrstoff durchaus nicht verringern wollen, daß wir uns bei unseren Dednctionen durchaus nicht von verwerflichen, irreligiösen, deslructiven Tendenzen leiten lassen, wie man vielleicht glauben möchte, und daß wir von der ganzen Verantwortlichkeit durchdrungen sind, die der Religionslehrer und Direktor eines jüdischen Lehrerseminars zu tragen hat. Aber wir wollen ebenso aus religiösen als aus pädagogischen Motiven den hebr. Unterricht vertiefen, vereinfachen, seinem religiösen und unterrichtlichen Werth nach erhöhen. UnS beherrscht nur das Streben, den wahren Anforderungen des religiösen Lebens gerecht zu werden. Ein neuerer pädagogischer Schriftsteller sagt, daß die Seminaristen vor. Allem selbstständig „studirenl„ ernen müssen. Da« kann nicht

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