Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 35 (31.8.1870)
- Date
- 1870-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der Jsracliüschf KeKrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa." M 35. Den 3i. August 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich I Nummer Vierteljährlicher LbormemeutSpreiS 40 b. — IN/r Egr. Lnz eigen zu I Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen all» Postämter und Buchhandlungen an. - Lehrplan der {Elementar* nab Eemiuar-Ablheiluug der Marks Haiudorffscheu Stiftung zu Munster iu Westphaleu. (Fortsetzung.) Bevor wir weiter schreiten, scheint es uns geboten, um Jrrthümer zu vermeiden, zu bemerken, daß selbstverständlich unsere Ansicht wohl nickt sein kann, daß nothwendigerweise die ganze Thora mit Raschi im Seminar durchzunehmen sei. Man wird uns nicht für so thörigt halten. Wir wollten nur andeuten, daß das im Lehrplan des Münster'schm Seminars aufgewendete Zeitmaaß eben nirgends ausreichend ist, um etwas Erkleckliches in einer Richtung zu leisten. Wir werden übrigens unsere positiven Ansichten zu erläutern suchen. Jetzt haben wir eS vorläufig bloß mit der Negation zu thun. Und hier kommen wir vor Allem alsbald zur und fragen: Ist der nici - Unterricht ein Gegenstand des jüdischen Lehrer- Seminars? Hier erscheint uns vorher auch noch eine andere Erklärung dringend geboten: wir hoben es hier durchaus n'cht mit einer religiösen Parteifrage zu thun. Wir sprechen hier durchaus nicht von der Bedeutung der enoi für das religiöse Leben unserer Zeit; wir> schreiben hier nicht im Sinne der den Talmud unterschätzenden Parteien. Wir erachten es als unsere Pflicht, dies zu constatiren, weil wir unS bekanntlich stets gerne von rein theologischen Fragen ferne halten und unS auf den pädagogischen Standpunkt stellen. Wir fragen nur: Soll der Lehrer enoj lernen? Selbstverständlich ist die Frage so zu verstehen: Zst «■'DJ absolut ein unabweisbarer Unterrichtsgegenstand für daS Seminar? Dmn daß tüchtige Talmudkenntnifledem Lebrer nicht schaden, wissen wir. ) Die Frage hängt vor Allem mit dem Begriffe von der Ausgabe und Stellung des iSrael. Leders zusammen, die wir demselben zuweisen wollen. Ist der jüdische Lehrer vor Allem „Lehrer* und „Volkslehrer"; muß er als solcher ganz doffelbe leisten, was der nichtjüdische Lehrer leistet? muß er ganz und vor Allem Elementar» und Volkslehrer im vollen Sinne des Wortes, d. h im Stande sein, an einer öffentlichen allgemeinen Volksschule zu unterrichten?*) Hat man solche Lehrer im Auge — oder: Rabbiner in Duodezformat? Will man aus den Seminaristen noth» dürftige. Ersatzmänner für das Rabbinat in kleinen Gemeinden, also etwas Halbes jedenfalls, oder tüchtige Religion«- und Volks schul lehrer bilden, die ihrer Aufgabe, die Jugend deS jüdischen Volkes zu unterrichten in Allen:, was ihr Noth thut, ganz und durchaus gewachsen sind? Wir glauben unstreitig annehmen zu dürfen, daß sich die Anschauung unserer Leser und aller vorurtheilSfrei denkenden, uriheilsfähigen Israeliten dem Letzteren zuneigen wird. Nun denn: sv verschone man unsere Seminarzöglinge mit allem Halben, Unfertigen, verschone sie mit allen Wissenszweigen, die ganz außerhalb deS ihnen von Gott, dem Staate, der menschlichen Gesellschaft und der jüdischen Gemeinden angewiesenen Berufskreises liegen und mache sie dagegen ganz und voll heimisch in denjenigen Gebieten, die ihnen zugewiesen sind! Man verschone sie irfTl unverdaulicher halber Gelehrsamkeit, welche Halbheit des Charakters und Verschrobenheit der Gesinnung und deS Denkens zur unabweislichen Folge hat. Wir fordern alle Pädagogen, alle denkenden Lehrer, ja Jedermann zu Zeugen: was ist besser, waS macht gestn- *) Die Fälle, daß iSrael. Lelrrer an öffentliche» kommunal- und Volksschulen unterrichten, gehören vielleicht bald nicht mehr zu den vereinzelten Ausnahmen. Zn der Pfalz — Grüustadt, Landau — sind bekanntlich die jüdischen Lehrer Geineindelehrer geworden Zn Mannheun wirken an den Stadtschulen 4 jüdische Lebrer, von welchen zwei in diesem Zabre gar keine jüdischen Minter in ibrer st lasse baden