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Der israelitische Lehrer · 1870-08-24 · 34 (24.8.1870) · p. Seite 278

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
34 (24.8.1870)
Date
1870-08-24
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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— 278 Die Volksschule in Steiermark. Aus dem Sr richte, welcher dem steiermärkischen LandeSschulrathe über den Zustand der Volksschulen in Steiermark im Schuljahre 1869 erstattet wurde, sind wir in der Lage, nachstehende statistische Daten mitzutheilen. In dem genannten Jahre bestanden 20 Hauptschulen, 16Pfarrhauptschulen, 566 .Trivialschulen und 139 nichtdirektivmäßige Scku'en, zusummen 741 Volksschulen', um 11 mehr als im Vorjahre. Von diesen waren der Sprache nach 523 deutsch, 50 slovenisch und 168 sloeenisckdeutsch. Direktoren, Lehrer und Unterlebrer gab eS 1067, weibliche Lebrkräfte 195; die Zahl der ersteren hat sich gegen das Vorjahr um 29 (darunter 17 Geistliche), die- Zahl der letzteren um 1 vermindert. Schulpflichtige Kinder waren 111550, schultesuchende 97938; dir ^abl der Schulbesuchenden betrug demnach 87,8" o der Schulpflichtigen, int Vergleiche mit dem Vorjahre um 3,7% weniger. ' .• ieser Rückgang dürfte feinen Erklärustzsgrund vorzüglich rn dem Umstande finden, . daß in dem abgelaufentn Schuljahre im Hinblick auf die bevorstehenden Veränderungen in den Sckulaufsichtsrrganen von diesen die Vorschriften über die Ucberwachung und Förderung des Schulbesuches nicht mehr mit jener Energie, wie in den früheren Jahren durchgeführt würden. Zur Hebung des gesunkenen Schulbesuches find fämmtliche Bezirksschulräthe aufgefordert werden, auf 'die OrtSfchnlräthe nachdrücklichst ewzuwirkn, daß die>M 27, 28, 31, 32 und 34 des Gesetzes vom 4- Februar 1870, I. 15, welche klare und bestimmte Weisungen enthalten, wie der Schulbesuch zu überwachen und den Schulversäumnisscn wirksam zu begegnen ist, allseitig durchgefübrt werden. Die Zahl der Kandidaten an den Lehrerbildungsanstalten in Graz und in Marburg betrug 68, gegen 75 des Vorjahres. Eine Anfrage der Statthalterei, ob. die Errichtung einer religionslosen Schule gesetzlich zulässig sei, bat der Landesschiilkatb unter Hinweisung ruf die 1, 3 und Punkt 3 d-S Reichsvolkrschulgesetzes vom 14. Mai 186!« verneinend beantwortet. (Schl; f. Jnnerösterr.) Gl iwitz. Das Rrviiorat der hiesigen jüdischen Communalfchule hatte bisher der jedesmalige Pastor von Gleiwitz. Der geaenwärtige Pastor Schulz hatte die Enthebung von diesem Amte bei der Regierung in Oppeln beantragt und anderseits hatte die jüdische Gemeinde die Uebertragung dieses Amtes auf den Rabbiner voraetchlageu. Das, Ministerium hat nun, wie wir glauben, im Gegensatz zur Oppelner Regierung, entschieden, daß das Revisorat von jüdischen Commuualschulen auf Rabbiner, falls sie pädagogische Bildung haben, übertragen werden tonne; demgemäß ist der hiesige Rabbiner Oc. Hirsckseld mit dem Revisorat der Schule betraut worden. LofeHitz, in Mähren. Die vorige Woche fand die Wahl eines Bürgermeisters hier statt. Die deutsche Partei hatte wenig Hoffnung mit ihrem Kandidaten durchzudringen, da schloß sich ihnen aber die ganze hiesige israelitische Gemeinde, ihren biederen, echtdeutschen und intelligenten Vorsteher Herrn M. Frisch an der Spitze an — und die deutsche Minorität hatte die Freude, durch kluges Zusammenhaltet» über die weitaus größere czechijche Majorität zuj siegen, und nickt nur einen deutschen Bürgermeister, sondern auch einen deutschen Gemeinderath und zwei Israeli-' tm im Ausschuß gewählt zu sehen. Wer da weiß, weffen fick die Juden zu versehen hatten, wmn Slaven an die Spitze der Gemeinde getreten wären, der wird sich gew'ß mit unS des Sieges freuen. Aber diese Freveltbat sollte nicht ungerächt bleiben und die braven Wenzelskinder fanden noch in derselben Woche Gelegenheit, ihr Müthcken nicht nur * an lebenden, sondern, was noch unendlich ruhmvoller ist, auch an tobten Juden zu kühlen. Ein alter Mann wurde nämlich zu Grabe getragen; da fuhr ein czechifcher Fuhrmann auf dem großen Markte mitten in den Leichenzug hinein, schimpfte und fluchte auf die Juden, und als er vom Bürgermeister deßhalb zu einer Geldstrafe verurtheilt wurde, bolte er sich Succuis bei — feinen Aufhetzern, lieber hundert ehrenwertbe Bürger versammelten sich nun auf dem Markte und nahmen Partei für den Judenfresser. Ein a^g:r Conflict ist nur durch das taktvolle Benehmen der Juden verhindert worden. Die vorige Woche war überhaupt für unS eine ereignißreicke. cc wurde auch die hiesige Synagoge von bösen Häaden, zwar nicht zerstört aber doch auSgeplnnoert. Selbst der Betpult des Herrn Rabbiners wurde erbrochen, und aus Jorn, daß man nichts mehr darin gefunden-als hebräische Bücher, streueteu sie die elben in der ganzen Synagoge aus. Ja sogar die heiligen Thcrarollen lagen auf den Fußboden zerstreut. So hattau wir denn diesmal, wie schon oft, einen doppelten „Tische-Beav"; möckte auch uns bald das Morgenrctb heiivollerer Justände aufarhen! — (I. Pr.) Aus Uugarifch-Brod iit Mähren wird der fr. P. Bl. geschrieben: Nirgends ist das Familienprincip bezüglich der Schule so rein, zum Ausdruck gekommen , als bei unsern israelitischen Gemeinden .... Karun tritt das Kind ins fünfte Jahr, treibt es die Familie schon in die Schule; von einem Nacktbeile durch Verfrühung will die Familie nichts wiffen; die physische Erziehung gilt ihr nichts, das Kind muß möglichst viel „ lernen", daher es auch täglich 7, 8, ja noch mehr Stunden auf der Schulbank sitzen muß; aller

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