Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 279 Werth wird auf die intellektuelle Bildung des Kindes gelgt, von dem Wrrthe der-Charakter- und Gefühlsbildung hat die Familie keine Ahnung. Die Ideale der Familie bleiben: „Rechnen und Briefschreiben." Alle» ist Zweck, Nichts Mittel. Das Aeußere der Schule ist in der Regel Höchst armselig und zählt in den Augen der Familie zu den nebensächlichsten Dingen. Der Lehrer ist die letzte Person in der Gemeinde. Seine Leistungen werden von der Familie „bezahlt", daher auch „kritistrt", ja die Familie kommt in die Schule nnd hofmeistert Lehrer und Schüler. Das Wort Freiheit oder Selbstständigkeit der Schule ist verpönt. Ferialtage gibt es nicht. Blättern Sie auf der Annoncenseite politischer Journale, und Sie werden täglich „israelitische Konkurse" lesen und daraus auf ein stetes, und unfreiwilliges Lehrervagabundiren schließen können. — Ich könnte in diesem Geiste noch fortfahren, begnüge mich jedoch mit einigen allgemeinen Bemerkungen. Das Familienprincip mag richtig sein', heute ist es gewiß noch nicht an der Zeit. Wer selbst nicht erzogen ist, der kann auch Andere nicht erziehen. Bei nnö würde da» Familienprincip Unheil stiften. Seine Folgen: Das Individuum ist bar alles Gemeingeistes, egoistisch, wohl verständig, aber charakter - und herzlos; die ganze Welt dreht sich um sein „Ich." Die ästhetische Bildung sinket gar keinen Boden, die sittlichreligiöse. Bildung kann nicht in Fleisch und Blut übergehen. Die Schule fristet ein ephemeres Dasein, ist eine wahre Strafanstalt für den unglücklichen Lehrer. Nach meiner subjektiven Meinung bot das Konkordat mehr Garantien für eine Entwicklung der Schule, als unser „Familienprincip." Dieses Princip, sammt angeführten Konsequenzen, steht heute noch in Blütbe; und wenn eS durch die Gesetze vom 14. Mai 1868, 25. Mai 1868 u. s. w. nicht bald aus den Angeln gehoben wird, dürfte die Schule, in welcher eS Geltung hat, bald eine Fiktion sein, und wir stehen alsdann unserm Jahrhunderte zum Trotz am Beginne deS Mittelalters." Literarisches. Ober - Ingelheim , den 24. August 1870. Zu den in unserem srüheren Berichte aufgeführten Schriften für die Geschichte haben wir noch eines und zwar eines der besten nachzutragen: Leitfaden für den Unterricht in der Geschichte. Von W. Stahlberg, Rektor der Bürgerschulen in Naumburg a. S. (4. verbesierte Auflage.) Berlin, Carl Dunker'S Verlag (C. HeymonS). Das Buch, da» vorzüglich für die Oberklasiep gehobener Schulen sich eignet, ist trefflich abgefaßt. Bei entsprechender Kürze sind doch die einzelnen Geschichtsbilder klar und faßlich dargestellt, so daß das gebotene Material fast vollständig hinreicht und der Lehrer nur wenig binzuzufügen hat. Da» eigentliche Lernmaterial tritt durch fette Schrift besonder» hervor; die hervorragenden Momente sind überwiegend berücksichtigt, die Eintheilung ist gut. Obwohl vom protestantischem Standpunkte ausgehend, ist doch der Charakter des Buches ein freisinniger; wir können dasielbe bestens empfehlen. - Wir müssen »ns jetzt, wenn auch der betregende Gegenstand nicht im Zusammenhänge steht zu unserem heutigen Berichte, einer unliebsamen Verzögerung zeihen. Schon seit Monaten liegt uns vor: NDinp, mit obligater Orgelbegleitang für den Gottesdienst der Israeliten an Fest- und Sabbattagen, componirt und Herrn Henry Seligmann ehrerbietigst gewidmet von Salomon Popper, Cantor der Westend-Union in Frankfurt a. M. (Ost..6. Der ursprüngliche Preis war fl. 3. 30 kr., ist aber herabgesetzt worden auf fl. 2. Frankfurt a. M. Selbstverlag des Autors. Voran steht die Uebersetzung der Keduscha, in poettscher Form dargestellt von Dr. Leopold St ei nF Die Melodie ist eine überaus ansprechende, feierlich erhebende; Chor und Solo werden nicht verfehlen, einen tiefen Eindruck nuf die Gemeinde zu machm. Die Keduscha gehört in allen Synagogen zu den hervorragenden Sanzesstücken und es ist sehr schwierig, für diesen herrlichen Theil de» Gottesdienstes eine dem Geiste 4>er erhabenen Worte entsprechende Melodie zu finden. Wir glauben, daß dies Herrn Popper geglückt ist und wir empfehlen daher sein Werk allen Cantoren, damit der Composition und dem Componisten ihr Recht werde. Wir wenden uns nun einigen neueren Zeitschriften zu. Da ist eS vor Allem daS „Buch der Welt", welches in der Hoffmann'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart erscheint, das unsere Aufmerksamkeit erregt. Billiger Preis, vorzügliche Ausstattung. Von Texten finden wir neuerdings: Die Katzenmarie, Novelle von Herm. Oelschläger; Aus dein Leben Savonarola's und - das Berliner Adreßbuch von I. Venedey; das Ende der Natchez, Erzählung von Friedrich Friedrich; Erinnerung an Gellert von A Zeising; Eine Rangordnung der Todten von L. Reinhardt, Offene Augen, Novelle von Ludwig Habicht; die Entführung aus dem Kloster der Dominikanerinnen, von Gustav Rasch; die wollene Unterjacke, von Prof. Med. C. Reclam; der Riese unserer Käfer, von Karl Ruß; die Engstlen-Alp, von Carl Vogt; Kathleen, Roman von L. Du BoiS: Dazu interessante Miszellen gus allen Welttheilen und p