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Der israelitische Lehrer · 1870-08-24 · 34 (24.8.1870) · p. Seite 276

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
34 (24.8.1870)
Date
1870-08-24
Page
Seite 276 (sequence 4)
Language
German
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276 — sollst lieben den Fremden", ,,und sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Sensen zu Rebmesiern" — das sind christliche Sitze, von denen da» JSraelitenthum keine Ahnung hatte; sie sind durch das Christenthum in die Welt gebracht — und verwirklicht worden. — Hat man je so Etwas aus jüdischem Münde vernommen? Und nun gar dir Distinktion zwischen Glaube und Religion. Herr Triescher sagt: „Wir sehen demnach: die Religion knechtet nicht, sie verketzert und flucht ,nickt, sondern sie befreit und erlöst; sie will nicht durch Entzweiung selig —. nur der Glaube macht selig, (sie!) — sie will durch Versöhnung glücklich machen. Wir gelangen zu dem Resultate, dag zwichen Religion und Glaube streng zu scheiden sei, daß beide nichts weniger als identisch sind. Denn dieser, ich sage, der Glaube, postulirt allerdings blinden Gehorsam, unbedingt Unterwerfung.- Wir zweifeln nicht, und unsere geschätzten Leser werden mit uns übereinstinimen: das sind Sätze, die dem Christenthum gegenüber wahr sein mögen, an denen daS Judenthum aber nicht den geringsten Antheih bat. Wir wollen zugebrn, daß Herr Triescher selbst nicht daran denkt, uns solche Sätze zu octroiren, — dazu wäre seine Rede zu schwach, — sondern daß er nur von den Ansichten der großen Mehrheit der Anwesenden ausging. Aber gibt Herr Trischer als Jude dadurch nicht stillschweigend zu, daß diese Grundsätze auch auf jüdischem .Boden. Wahrheit sind, daß sie sein eigenes Bekenntniß treffen, und begeht er mit diesem Zugeständniffe von Gebrechen, die notorisch im Zudenthum nicht Statt haben, nichteinen Verrath am Heiligsten, einen Verrath an seiner, der jüdischen Religion? Wir lassen uns diesen Sätzen gegenüber vorläufig nicht aus eine Widerlegung ein; sie sind in den Augen jedes überzeugungstreuen Juden nicht vorhanden. Wir bringen jetzt die Rede des vr. Dittes, um später einige Schlußfolgerungen daran zu knüpfen, die unsere Stellung zuden betreffenden Kämpfen zwischen Religion und Wissenschaft, zwischen Kirche und Schule überhaupt klarlegen, vr. Dittes, Director des Pädagogiums in Wien, sagt: M. H.! Ich freue mich, daß die Religionsfrage endlich auf die Tagesordnung der Lehrerversammlung gesetzt ist. Es ist dies zum erstenmalo geschehen; denn bisher hat man gefürchtet, eS möchte die Berathung dieser Frage zu großen Mißhelligkeiten führen, und allerdings wird auf diesem Gebiete der Kampf der Meinungen am heftigsten entbrennen. Allein, m. H., kein Fortschritt, und am wenigsten ein Fortschritt auf dem Gebiete deS Schulwesens, kenn ohne Kampf geschehen. Und ich kann mich der Meinung nicht anschließen, die man noch im vorigen Jahre befolgt hat, als ob die Lehrerversammlung sich in Politik und Kirchen- und Religionswesen nicht zu mischen habe. Denn, m. H., die Politiker und die Geistlichen haben sich von jeher sehr viel, leider zu viel in die Schulangelegenhriten gemischt. Warum sollten denn nun wir un» selbst das UnmündigkeitSzeugniß ausstellen? Auch hat man das Bedenken gehabt, daß auf diesem Felde, weil die Gesetzgebungen und auch die Konfessionen sehr verschieden sind, gar keine Meinung einhellig angenommen werden könne. Allein, m. H.. was erstens die Landesgesehe, speciell die Schulgesetze betrifft, so hat sich nach ihnen die deutsche Lehrerversammlung schlechterdings gar nicht zu richten; denn wir sind keine gesetzgebende Versammlung, wir sind auch keine geschäftliche Versammlung, etwa eine Lebrerkonferen;, die darüber zu berathen hätte, wie denn nun eigentlich die einmal gegebenen Bestimmungen zur Ausführung gebracht werden können, sondern wir sind eine pädagogische Versammlung und wir haben die Gesetze der Pädagogik zu untersuchen und festzustellen, ganz abgesehen davon, wie sich hierzu die politische Gesetzgebung bis jetzt stellen möge. Was sodann weiter das Bedenken betrifft, welches aus den konfessionellen Verschiedenheiten entspringt, so glaube ich nicht, m. H., daß dieselben eine absolute Trennung unserer Meinungen herbeifübren müffen, und ich hoffe in dieser Beziehung etwa- Einigendes Vorschlägen zu können. Man hat aber auch, und noch in der Vorversammlung der gegenwärtigen Lehrerversammlnng, behauptet, die Religionsfrage sei gar nicht von großer Wichtigkeit für die Schule; man könne sie ohne Weiteres von der Tagesordnung absetzen, wenigstens in den Hintergrund stellen. Das, m. H., halte ich für einen sehr großen Jrrthum, denn die Religionsfrage ist von außerordentlicher Entscheidung für die Schulfrage. Was nun das Sachliche betrifft, so habe ich zunächst in Bezug auf die Vorträge der beiden Herren, die vor mir gesprochen haben, zu bemerken, daß ich mit den Bemerkungen des ersteil Redners zum Theil einverstanden, aber andrerseits auch nicht einverstanden bin. Ich beschränke mich in letzterer Beziehung auf zwei Sätze, und zwar auf dieselben deswegen, weil sie in Thesen gefaßt und also zur Abstimmung vorgeschlagen sind. Erstens machte der Redner einen strengen Unterschied zwischen Religion und Glauben. Die-, ser Trennung zwischen Religion und Glauben kann ich mich nicht anschließen. Ich glaubej, der Redner hat unter Glaube nichts anderes verstanden, als theologische Dogmen. Dann würde der Unterschied allerdings ein strenger sein. Aber wie der Satz hier steht, kann ich ihn nicht annehmen; denn im Wesen der Religion und des von den Theologen noch nicht formulirten Glaubens ist kein strenger Unterschied. WaS sodann die vierte These betrifft — diese ist praktisch, während.jene theoretischer Art sind — so kann ich

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