Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-08-17 · 33 (17.8.1870) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432145--3044-4899334
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

270 — rekte« Za seine Beliebtheit keim Bolle eingebüßt habe» würde, eine direkte Verneinung aber ihn in Gon* fiikt mit der römischen Regierung bringen sollte. ZesuS wich bekanntlich, di« Schalkheit erkennend, durch eine indirekte Beantwortung aus , indem er erklärte: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers und Gott, was Gottes ist". Gewöhnlich faßt man diese Worte als eine Erweiterung des neutestawentlichen Grundsatzes: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Das Reich Gottes und des Kaisers berühren sich also nicht, sind wesentlich geschieden. Nach der neuen Deutung wollte ZesuS indirekt seine Opposition . gegen die kaiserliche Regierung und seine Anhänglichkeit am Zudenthume zu erkennen geben. „Gebet dem Kaiser, was deS Kaisers ist," d. h. gebet dem Kaiser, waS ihm gebührt; befördert seineu.Untergang, verwe'gert ihm den Zins. „Gebet Gott, wqs Gottes ist," d. h. stehet entschieden auf Seite Gottes, seiner Religion und seine« Volkes, welche beide, Gott angehören. R. Feuilleton. Kleber die heidnischen und israet. Hraket imAtterthum, ihren Ursprung und Werth. - (Schluß.) Welche Stellung nabm nun aber der Antipode de« Hridenthums, das 'Judentbum, jenen magischen Künsten der zeitgenössischen Völker gegenüber ein? Wie eS in seinen Principien und seiner ganzen Geschichte «inen fortlaufenden Protest einlegt gegen deren abgöttische Verirrungen, so ergeht auch sein entschiedenes PerdammungSurtheil gegen alle jene auf Aberglauben und Heuchelei basirten Machinationen, und gibt es nur dem im Namen deS Gottes der Wahrheit und in der Beqeifterung für seine Herrschaft auf Erden erlassenen Worte Slatsi Schärfer und nachdrucksvvller kann dieser Gegensatz wohl kaum auSgedrückt werden, als er im Deuteronomium (18, 9—15), nachdem Leviticus (19, 31. 20, 6. 27) bereits gegen einzelne SpecikS solcher Gaukeleien strenge Verbote erlassen, sich ausgeprägt findet-, wo es heißt: „Wenn Du in das Laud kommst, das der Ewige, dein Gott, dir gibt, so lerne nicht die Gräuel der darin wohnenden Völker ab; es finde-sich bei dir keiner, der Sohn oder Tochter durchs Feuer führt, der wahrsagt, verdeckte Künste, Zauberei und Hexerei, treibt, der Bannsprüche murmelt, Geister, Dämonen und Tode befragt. Denn jeglicher, der solches thut, ist dem Ewigen ein Absckeu, und wegen dieser Gräuelthatea vertreibt er sie vor dir; du aber sollst dick ganz an den Ewigen, deinen Gott halten.. einen Propheten aus deiner Witte von deinen Brüdern mir gleich wird dir der Ewige, dein Gott, erstehen lassin, auf ihn sollt ihr hören." Mit der ausschließlichen Verehrung des Einen, wahren, lebendigen Gottes statt der vielen erdichteten tobten Götter trat also auch an die Stelle der schwarzen Geisterkünste das lebendige, wahrheitSsprudrlnde Wort Gottbegeisterter Prophetie; und wie in jener daS religiöse Bedürfniß, so kam in dieser daS Verlangen des Menschen nach Erforschung der Zukunft erst zu seinem vollen Rechte: eine Manifestation des menschlichen StrebenS nach dem Idealen und Erhabenen zu sein, wie oben sein Wesen bezeichnet worden. Denn wie dem Ursprünge und der Form nach, so war daS Propbetenthum in seinem Znhalt und Zweck von dem Wohrsagerlhum in all' dessen Verzweigungen darin grundverschieden, daß eS nicht wie dieses bloß äußerliche und vergängliche, sondern vielmehr geistige und sittliche Tendenzen von ewigem Werthe verfolgte, die Verkündigung der Zukunft überhaupt in seinen ^ugen nicht Selbstzweck sondern nur Mittel war zu dem höherem Ziel der intellcctuell - moralischen Heiligung des israelitischen Volkes und mittelst seiner der gesammten Menschheit. Darum sind die Propheten in Israel auch warmfühlende Patrioten, die das Wohl ihres Volkes und den gedeihlichen Fortbestand des Staates mit Rath und That zu fördern bemüht sind, da jenes entartet und dieser darob wankt, schweift ihr Adlerblick über die Trümmer des untergehenden Reiches hinweg in ferne Zukunft, welche in allgemeiner reinster GotteSerkenntniß- und Verehrung der Herrschaft des Rechts, der Tugend und Liebe auf Erden eine feste Stätte gründen und alle Nationen in einem engen Bruderbünde mit einander vereinen werde. Welch' kühnen, nur aus der höchsten Begeisterung für Gottheit und Menschheit erklärlichen Geistesflug die Aufstellung eines solchen Zdeals für die Menschengeschichte erforderte, mögen wir auö der Thatsache ermessen, daß wir selbst heute, nach einem unendlich ereignißreicken Zeitverkauf von mehreren tausend Jahren, kaum die Morgenröthe des von ihrem Seherauge vorhergeschauten Tages des Herrn herausdämmern sehen, daß das Dunkel in Religion, Zustiz und Moral nur. noch schwach gelichtet, der allgemeine Friede unter den Menschen immer noch mehr ersehnt und angestrebt als (bei der Herrschaft der Hinterlader, Achtzigpsünder und Panzerschiffe) gesichert, und wahre Humanität zwar in Rede uud Schrift viel gepredigt, im Leben aber noch nirgends recht verwirklicht ist, so daß vielleicht noch eine gleiche Anzahl vyn Menschrnaltrrn, als seit ihrem Orakelspruch schon verfloffen, darüber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.