Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-08-17 · 33 (17.8.1870) · p. Seite 269

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432145--3043-4899333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

griffe theil« verbrannt, theilS nach Persien geschleppt. Dennoch hofft dort noch Ausbeute zu finden. Literarisches. Hebräisches Gebetbüchlein für die iSrael. Zugend, zum ersten Unterricht im Uebersetzen eingrrichtet und mit Vokabularium und grammatischen Vorbemerkungen versehen von vr. M. Rahmer. Erster CursuS. Magdeburg. Zu beziehen durch W. Simon's Buchhandlung. Die an unseren Religionsschulen wirkenden Lehrer haben gewiß fast ohne Ausnahme die sehr bedauerliche Erfahrung gemacht, daß ihre Schüler und Schülerinnen es meistentheils nicht zur völligen Geläufigkeit im hebräisch Lesen bringen, und darum auch nicht im Stande sind., beim öffentlichen Gottesdienste dem Vorbeter zu folgen. Wie sollte es auch anders sein? Die Kinder, welche eine höhere oder niedere Schule besuchen, haben so viele Unterrichtsstunden, und muffen so viel Zeit den häuslichen Arbeiten widmen, daß die Eltern ihnen nicht zumuthen mögen, auch noch zwei Stunden täglich zum Lesen der in unserem Siddur enthaltenen täglichen Gebete zu verwenden, sei eS als Gebetsverrichtung, sei eS als Leseübung. Zwei bis drei Stunden Leseunterricht in der Woche sind aber lange nicht ausreichend zur Erlangung einer guten Lesefertigkeit.. Und sollte der eine oder andere Vater sich wirklich dazu entschließen, eine Auswahl in den vorgeschriebenen Gebeten für seine Kinder zu treffen, so würde die« auch wenig nützen; denn die ausgewählten, unverstandenen Stücke werden doch nur ohne Aufmerksamkeit und mit Unlust gelesen werden. Wie ist nun diesem Uebelstande abzuhelfen? „Da gibt.es keinen andern Ausweg," sagt mit Recht der Verfasser obiger Schrift," „als den durch dieses Gebetbüchlein mit Erfolg eingeschlagenen , daß das Kind, sobald es richtig lesen kann, auch sofort an's Beten kleinerer, passender Gebetstücke geht, die eS selbstverständlich vorher in der Schule übersetzen gelernt hat. DaS Kind lernt mit dem 7. bis 8. Jahre richtig lesen. Sofort möge ein kurze» Morgen -, Tisch - und Nachtgebetchen mit ihm durchgenommen werden, welches es täglich zu Hause zu beten hat. Von Zeit zu Zeit lerne eS eine neue Nummer hinzu, für welches wiederum das häusliche Beten die beste Uebung ist. So wird eS im Laufe eines JahrrS den ersten CursuS ganz durchgenommen haben. In derselben Weise schreite man im nächsten Jahre mit dem zweiten CursuS fort; dann wird daS Kind mit dem 10. Jahre so weit sein, daß man ihm den Siddur mit Nutzen in die Hände geben kann." Recensent kann nun mit Vergnügen constatiren, daß der Derfaffer die sich gestellte Aufgabe in ganz vorzüglicher Weise gelöst hat. Die dem Siddur entnommenen kleinen Gebetstücke sind reich an schönen, erhabenen Gedanken, und doch leicht, zu verstehen und zu übersetzen; das Vokabularium setzt auch dm schwächsten Schüler in den Stand, stch genügend vorzubereiten, und die „grammatischen Vorbemerkungen" enthalten gerade so viel Material, als ein sieben- oder achtjähriges Kind, für das doch dieser erste Cursu» bestimmt ist, in einem Jahre bewältigen kann. E. Die „Revue JSr." enthält in ihren letzten Nummern eine gelehrte Forschung des Rabbiners S. Levy (äo In Oironäs) über die bekannte Mescha - Säule, nicht den Inhalt, sondern die äußeren Schriftcharaktere betreffend. Diese sind nämlich unsere jetzige hebräische Quadratschrift. Wenn eS wahr ist, daß die ursprünglichen Schriftcharaktere der canaanitischen Völker und ebenso auch der Hebräer die phönizische oder samaritanische Cursioschrift war und die Quadratschrist ihrem Ursprünge nach aramäisch ist, welche durch ESra nach dem Exil auch von den Juden angenommen worden sei: so ist es auffillig, baß die vorliegende Mescha - Säule eine Inschrift mit. einem Q ladratschriftcharakter enthält. Die dafür gebotene Lösung ist folgende. Die Quadratschrift ist allen semitischen Völkern in gleicher Weise eigen, den canaanitischen Völkern, Hebräern, wie Aramäern. Die Phönizier, ebenfalls semitischen Ursprungs, führten für die auch ihnen eigenthümlich» hebräische Sprache die der Quadratschrift ähnelnde, -aber geläufige Cursioschrift ein, nach Art der koptischen Schriftzüge, da die Phönizier ja bekanntlich von Aegypten wieder nach Palästina zurückwanderten. DaS talmudische .uai3’} (Libyen) soll darauf hindeuten. Die Juden nahmen mit den Sitten der Phönizier auch deren Schreibweise an und bedielten sie, bis sie nach dem Exil zu der ursprünglichen Quadratschrift zurückkehrteiz. R. Hippolyte Rodrigues gibt in seinem Werke: „der König der Juden" (Io koi äos Juifs) der Antwort Jesu auf die seitens der Pharisäer an ihn gerichtete verfängliche Frage über den an den Kaiser zu zahlenden ZinS (Matth. 22) eine n.ue und scharfsinnige Deutung. Die Verfänglichkeit der Frage bestand nämlich darin, daß der an die Gewaltherrschaft zu zahlende ZinS unpopulär war und JesuS somit durch ein di-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.