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Der israelitische Lehrer · 1870-08-17 · 33 (17.8.1870) · p. Seite 268

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
33 (17.8.1870)
Date
1870-08-17
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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— 268 Es handelt sich nicht darum, einer augenblicklichen früher oder später vorübergehenden Landescalamuät entgegen zu wirten, einen momentanen Nothstand zu beseitigen; vielmehr sollen Jahrhunderte lang eingewurelte Schäden, durch allbekannte Ursachen herbeigeührt, endlich geheilt und hierdurch der Boden für eine auf gesunden volkswirthschaftlichen Grundsätzen beruhende entwicklungsfähige Existenz geschaffen werden. Wir haben in unserer Denkschrift die Ueberfüllung als eine dieser Ursachen bezeichnet, der nur eine Maffenauswanderung abhelfen kann; eben so wenig bedarf der Plan, die unter den dortigen Glaubensgenoffen herrschenden socialen Uebelstände durch Vermehrung der Bildung und größere Beachtung geordneten Schulbesuches zu beseitigen, einer weitern Ausführung,'und wir warten in der That mit Ungeduld nur das Ergebniß der öffentlichen Beiträge ab, um so viele arme Knaben und Mädchen als 'möglich zu diesem Behufe zu subventioniren. Was wir für das Heranwachsende Geschlecht thun, kömmt der Zukunft der ganzen Bevölkerung zu Gute, für sie zu wirken, dürfen wir?.ie ermüden. Deshalb 'aber muß bei der Menge der HülfSbedürftigen einerseits, wie bei den unzureichenden Mitteln andererseits in dem Plane der All. JSr., dem edelsten und verlassensten Theile der Jugend, heu Waisenkindern, in dem Herzen der europäischen und amerikanischen jüdischen Gemeinden, neue Eltern zu geben und eine neue Heimath zu gründen, nicht nur ein' Triumph der Humanitären Anschauung unserer Religion, sondern auch an und für sich eine Maßregel tiefblickender Umsicht und von der größten Tragweite für unfern Zweck erblickt werden. Ihre beredten Worte ertragen keinen Zusatz unsererseits. Auch über ganzen Ländern und Bevölkerungen waltet oft ein eigenthümlicheS, schwer verständliches Geschick. Die All. Jsr., die auf den Schmerzensschrei unserer Glaubensgenossen in den fernsten Gegenden und Welttheilen hört und ihre Fürsorge für materiellen wie geistigen Fortschritt den entlegensten Gemeinden der alten und neuen Welt unermüdlich zuwendet — sie mußte Jahrelang die Stelle in nächster Nähe und in unserem Erdtheile übersehen, an der ihre Hülfe vielleicht am dringlichsten gefordert werden durfte. Aber einmal in diese Arbeit eingetreten, wird es Ehrensache für uns Alle sein, dieselbe unerschrocken und unermüdlich zum ersehnten Ziele zu führen und Hunderttausende, ohne uns. ftrptz aller geistigen Begabung und Beanlagung früher oder später dem Untergang verfallender Glaubensgenossen — zu einer menschenwürdigen Existenz zu verhelfen. Glaubensgenossen! Die Sorge für unsere westrufsischen Brüder ist eine Aufgabe der Gesammtjudenheit, bei der sich Alle, ohne Rücksicht auf religiöse Parteistellung, — benn von einem Eingriff in diedortigenreligiösenBerhLltnissewarnie die Rede — einmüthig begegnen (Tonnen. Erfassen wir sie mit gewohnter Hingebung, mit gewohnter Umsicht und vor Allem mit gewohntem jüdischen Herzen. Das Werk ist glücklich begonnen, vereinigen wir uns zur gemeinsamen Weiterführung und — so Gott es will — zur dereinstigen Vollendung. (Schluß folgt.) Czetmowitz, 12. Juli. In Suczawa haben neuerdings wieder Judenkrawalle stattgefunden, welche durch Studenten veranlaßt waren. Auch in Baceu bereiteten sich Scenen wiederholt vor. Di« Juden aber, die im Voraus Kunde erhielten, gingen zum Präfecten und erklärten unter der Hand , daß sie im Augenblicke, wo eine Judenverfolgung entstehen würde, befürchten müßten, daß die Stadt mit Petroleum in Brand gesetzt würde. Der Präfect bekam Furcht — und dankte ab; ein Infanterie - Regiment rückte ein und Baceu blieb ruhig. — Hiergegen hat das Geschworenengericht in Galatz am 30. Juni sämmtliche Angeklagten aus der Tekutscher Judenhetze — 50 an der Zahl — freigesprochen. Das ist — rumänische Justiz! Paris. Die Kaiserin hat dem israelitischen Zufluchtshause, welches sie jüngst mit ihrem Besuche beehrte, 500 Fr. geschenkt. Nach der jüngsten Zählung wohnen in Frankreich unter circa 38 Millionen Seelen 90 Tausend Juden. Der Staat opfert für deren CultuS circa 162 Tausend Frcs. Brüssel. Die 6 russischen Waisen, vor denen eS anfänglich hieß, daß die Gemeinde sie übernehme, werden von einem Ungenannten unterhalten, der dafür 60/ 00 Fr gespendet hat Upsala. Or. Robert Rubensohn ist zum außerordentlichen Professor für Metereologie an hiesigen Universität ernannt wv'den. Er erhielt auch für seine meterologischen Arbeiten die Hälfte deS byzantichen Stipendiums. Dies ist die erste Furcht der Emancipation. Confessionelle Blätter bedauern freilich voriäufig noch, daß der gelehrte Profeffor nicht vor seiner Berufung in den Schooß der protestantischen Kirche eingetrrten ist ' Asien „Hamagid" veröffentlicht ein Schreiben über den Reisenden „ Tscharni," wonach derselbe^sich bei seinen Forschungen nach jüdischen Manuskripten und Alterthümern der Gunst der russischen Regierung vor den armenischen Christen erfreut. Er sucht gegenwärtig im Kloster zu Edschmiadzina. Die dortigen Schätze sind aber meistens in Folge kriegerischer Anr

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