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Der israelitische Lehrer · 1870-08-10 · 32 (10.8.1870) · p. Seite 261

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
32 (10.8.1870)
Date
1870-08-10
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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— 261 mit Uebertragung spaterer Verhältnisse auf die frühere Zeit. Lemech, der dort genannt wird, gehört ja auch der später» Zeit an. Kain verfällt dem göttlichen Strafgericht, aber erleidet die Todesstrafe nicht. Mit Absicht wird hervorgehoben, daß Gott von ihr absah und den Sünder mit der gerechten Strafe deö „Unstät - und Flüchtig - Seins" belegte. Denn Kain's Brudermord wurzelte in der Habsucht: pp (rup) ist der Besitzsüchtige; Abel (>27>) hält den reichen und überflüssigen Erdenbesttz iür „Tand". Kain bringt das Opfer in der Absicht, von Gott dafür mit reicher Erndte bedacht zu werden, Abel bringt es aus Dankbarkeit für die r haltenen Gaben. Kain findet sich in seinen Erwartungen getäuscht, Abel'S reicherer Besitz trotz deö vielleicht geringfügigeren Opfers erregt seinen Neid und treibt ihn zum Mord. Da verlor Kain zur Strafe noch den Besitz, welchen er hatte, anstatt denselben 'aus fremder Hand zu mehren; er mußte arm, ohne Besitz und bleibende Stätte, bettelnd umherwandern. Diese Strafe, die ihn zum Bewußtsein des begangenen Unrechts brachte, war gerechter als die Todesstrafe, welche jede Anwendung des Bewußtseins, jede Besserung aufgehoben und unmöglich gemacht hätte. Die Bibel spricht sich also hier von Princip wegen und im Namen Gottes gegen die Todesstrafe aus. Wenn sie dennoch beibehalten wird, so geschieht dies nach dem oben auseinandergesetzten Grundsätze, daß herrschende Anschauungen, Sitten und Gewohnheiten, selbst wenn sie verkehrte sind, nicht mit Einem Male geändert oder gar aufgehoben werden können, sondern daß der Gesetzgeber für solche Aenderungen die Menschen nach und nach erziehen und reif machen muß. Wundern wir uns also nicht, wenn es im Namen Gottes heißt: „Der Menschenblut vergießt', am Menschen soll dessen Blut vergossen werden." Es ist irrig, ■jetr hier facultativ zu fassen: kann vergossen werden. ES heißt richtig: soll vergossen werden. (Schluß folgt.)Z - 1 Literarische s.*) Real-En'cyklopädie für Bibel und Talmud, von vr. I. Hamburger. S trelitz, Selbstverlag 1870. Heft IV und V. Das Werk liegt nun vollendet vor uns, vollendet, aber nicht vollständig, da die zweite Abtheilung für den Talmud noch *) Wir bringen jetzt die Recensionen anderer Herren bevor wir mit den unfrigen forlfahren. Nevacliou. fehst. Nicht, daß der Talmud in dieser ersten Abtheilung ganz ausgeschlossen geblieben sei; eine große Anzahl Artikel führt unmittelbar in das Gebiet des Talmuds, «in« Andere findet in demselben ihre Erledigung und harrt somit derselben ohne die in Aussicht gestellte zweite Abtheilung. Eine baldige Inangriffnahme ist deßhalb dringend zu wünschen. Damit soll aber das Lob der vorliegenden Abtheilung um Nichts verkürzt werden. Die neuere Literatur ist jetzt fleißiger benützt und citirt, als früher; aber immer noch nicht reichhaltig genug, um gelehrten Zwecken zu dienen. Entgegenstehendc Schriften find oft absichtlich, aber gewiß mit Unrecht, unberücksichtigt geblieben. Der Encyklopädist hat die Pflicht, solche aufzunehmen; er hat ja nicht die Pflicht, sie zu vertreten. Die Correctur der ersten Bogen läßt Manches zu wünschen übrig. Den elnzelnen Artikeln fügen wir unsere Bemerkungen bei: Ophir. Die Lage des Landes ist zweifelhaft; man sucht eS an den Küsten Indien'^, Arabien's, Nord- und West-Afrika'S. Hier ist jedoch mit apodiktischer Bestimmtheit, jedoch ohne Angabe der Gründe, dafür Süd-Arabien angegeben; die entzegenstehendrn Ansichten sind gar nicht erwähnt. Palästina. ES fehlt die genauere Angabe darüber, daß ursprünglich der südliche Theil deS Landes diesen Namen führte und „Kanaan" der nördliche hieß. Die Erklärung deö Namens fehlt ganz und wäre um so nöthiger, da die Lexikographen eine falsche geben. heißt „Niederland" im Gegensatz zu o->n „Hochland," von yx3 „daS Knie beugen," die gewöhnliche Bewegung beim Herabsteigen vosi der Höh« in die Niederung. Auch das deutsche Wort „Knie" hängt mit dieser Bewegung und dem hebräischen Worte pn zusammen. nW7S heißt „Niederung", auch nt>ezr genannt, abgeleitet von vis (o'e) gleichmachen, nivelliren (abwägen), nicht von vPL (v7o) fliehen, einwandern. Pentateuch. ES ist nur angedrutet, daß die Capitel - Einrheilung unserer BibelauSgaben einer spätern Zeit entstammt ist. Sie ist durch die Nathan'sche Concordanz bei uns eingeführt, welche ihrerseits der christlichen deS Franziskaner-Mönchs ArlottuS nachgebildet ist. Pharao. Hier ist auf die etymologische Bedeutung deS Worts pi oder pe (Artikel) und erre oder uro, (König) aufmerksam gemacht; eS hätte auch auf den Zusammenhang deS romanischen rex, re mit dem ägyptischen Worte, wie dem Hebräischen pen hingedeutet werden können, sowohl dem Wortlaut, wie der Wortbedeutung nach. Denn pan bedeutet unsprünglich „Herrscher" und hat alsdann gleich rvQan og die Bedeutung , Gewaltherr, Tyrann, Bösewicht" erhalten. Aehnlich auch ist das Wort Deepot, welches ebenfalls ursprünglich einfach „Herrscher" bedeutet. Alle Herrschast beruhte ehemals auf Gewalt und Willkür. Priester. Bei jrD hätte erwähnt werden müssen, daß die

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