Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 32 (10.8.1870)
- Date
- 1870-08-10
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 259 bin 3 Wochen" die Trauer und Wirrnisse herbeiführte. Wir wissen, was wir wollen und müssen; und darum: treu auSharren, in jeder Zeit, auf der geheiligten -Bahn des Fortschritt«. DaS ist die ernste Mahnung der Zeit; daS ist der Rus, den wir ertönen lassen wollen, jetzt, wo er freilich anscheinend von anderen Stimmen übertönt wird — und allezeit. ES ist der Ruf deS Frieden«. XIX. Assgemeine deutsche «Lehrerverjammlung in Wim am 8., 9. und 10. Juni 1870. (Schluß.) Hiermit war der letzte Gegenstand der Tagesordnung erschöpft. Herr Präsident Hoffmann ergreift nun da« Wort und gibt zunächst in schwungvollen Worten den üblichen Danksagungen AuSdruch und wirft , dann einen Blick auf die drei Tage zurück. Dann fährt er fort: „Ihr Fürsten und Herren, Ihr Bürger l und Bürgerinnen, Ihr Männer und Frauen, hoch und niedrig, habet Euer Augenmerk auf die Schule gerichtet! Thut Ahr da« nicht, so thut hundert andere Dinge, Euer Volkswohl kann nicht gedeihen, Eure Kinder werden nicht so glücklich, so weise werden, als sie es werden könnten. Wer das wahre Dolks- «ohl will, gehe zuerst in die Schule und sehe, zu, was da fehlt, und halte eö dann für seine beiligste-Pflicht, ,u helfen und die Scbule und ihre Lehrer zu unterstützen. Wo die Schule ärmlich gestaltet ist, wo noch die Sorge um die tägliche Nahrung mit dem Lehrer sich zu Tische setzt, wo noch bei Krankheit und Entbehrungen kein Mittel sich in der Tasche des Lehrers befindet; wo er selbst seinen Geist noch nicht an den Schätzen der Literatur stärken kann, weil er kein Geld , hat, sich Bücher zu kaufen; wo noch geistige und leib- '< liche Nvth herrscht; da mag aller Glanz und alle Herrlichkeit der Welt in andern Sphären sein; — ein solches Volk ist nicht frei, es liegt noch in Sklaverei und Knechtschaft. Die Schule hat die Aufgabe, die Versöhnerin der Nationen und Confessionen zu sein und, lasten Sie es mich hinzusehen, die Dersöhnerin all der verschiedenen Stufen und Elasten, die in der Gesellschaft allmälig sich aufgebaut haben. Sie bringt Bildung in daS Volk; gebildete Völker hasten sich nicht; gebildete Völker wollen keinen Krieg mit einander. Die Schule, indem sie dem Volke die Bildung gibt, bringt Frieden in das Gebiet der Religion; denn nur die Unwistenheit baut Scheiterhaufen. Sie löst zwar bi» jetzt die Aufgabe noch nicht; aber wir sind zusammengetreten, um diese Aufgabe zu erkennen und für dieselbe einzutreten. Jeder von uns, er sei K'tholik oder Protestant.oder JSraelite, er sei hoch an der Schule gestellt oder niedrig, Alle beseelt uns jetzt dastelbe Streben, diesm Frieden der Welt zu bringen. Hier sind nicht Katholiken, Protestanten oder Juden gewesen; wir wollten Bildner der Menschheit sein. Wir wollen daS Wort, das; der Mensch daS Ebenbild Gottes ist, auf unsere Fahne schreiben und ihr folgen, so lange noch der Athem unsere Brust durchzieht. Der Wunsch, mit dem ich die Versammlung schließe, ist der, daß wir mit diesem Vorsatze heimkehren in die großen und kleinen Städte, in die Dörfer, in unsere Lchulclasten, und daß wir jedes Kind von jetzt an mit vollem Ernste als ein Wesen ansehen, das beruj fen ist, das Herrlichste und Höchste zu werden, waS die Welt in sick birgt: das Ebenbild Gottes. Zu einem solchen Werke gebe der, von dem aller Segen kommt, auch uns seinen Segen." ES ist unbeschreiblich, welchen zündenden, hinreißenden Eindruck diese Worte aus die Versammlung machten und jubelnd stimmten alle in die Hochrufe ein, zu welchen Pfarrer Obert aufforderte, der mit den Worten schloß: „An Ihnen, Herr Präsident, wird daS Wort zu Schanden, daß die Götter hassen, wen sie zum Lehrer gemacht. Es gehen vielmehr an Ihnen die Schriftworte in Erfüllung (Daniel 12, 3). Die deutsche Bürgerschaft der freien Stadt Hamburg hat Sie zu Ihrem Präsidenten gemacht.- Möge die Eultur überall den Fortschritt machen, daß eö möglich sei, daß diese deutsche Bürgrrkrone nicht vereinzelt vorkomme." Ihren würdigm Abschluß fand die Feier in der von Franz Maier componirten, vom Schubertbund ausgeführten Chore: die Pestalozzi-Hymne. Jüdische und christliche Schriftauslegung. (Fortsetzung.) Zum Beweise, daß wir die gesetzlichen Bestimmungen bei MoseS über die Sitte der selbstständigen Volksjustiz und Blutrache richtig keurtheilt haben, verweisen wir auf die Behandlung einer andern Volkssitte („Schwager-) Leviratsehe" (v:2'). Die Sitte wurde vorgefunden — zum Schaden an Geist und Leib