Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 32 (10.8.1870)
- Date
- 1870-08-10
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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— 258 — einigen Jahren lieg sich Hyrkan von treulosen Rathgebern zum Eidbruch hinreißen; er zog gegen Aristobul und belagerte Jerusalem. Er ging — wie JosrphuS erzählt, zu dem frommen OniaS, besten Wunderkraft im Gebete sich einmal bei Regenmangel bewährt hatte und verlangte von diesem, daß er Aristobul und seinen Anhang fluchen und seinen Untergang von Gott erbeten solle. Wie betete da der fromme, der gottesfürchtige OniaS? Er hob seine Hände empor zu Gott und in Anerkenntniß besten, was die Religion uns gebietet, rief er: „Herr derWelt! Die Belagerer sowohl als die Belagerten gehören zu DeinenKindern, o, so wollestDu die GebeteBeider gegen einander nicht erhören, sondern thun, was recht ist in Deinen Augen. Erhöre sie nicht, wenn sie um den Untergang der Feinde bitten! Nicht die Feind'e, sondern die Feindschaft soll untergehen! So die Religion, so das jüdische Gebet! Ist wirklich das Judenthum zur Mythe geworden? .Haben die Völker erreicht, waS jenes verkündigt und erstrebt? Kind die Schwerter zu Sicheln, die Lanzen zu Rebmessern umgeschmiedet und lehrt nichtmehr ein Volkdem anderen denKrieg?" O, über die Verständigen und Frommen, die das alte, d. i. das prophetische Judenthum noch immer in die engen Schranken bannen, ihm seinen universellen, Welt- und völkerbeglückenden Beruf streitig machen wollen; lehrt uns nicht dies eine Wort das große, auf das Allgemeine gerichtete Ziel des Judenthums? — Oder hat. das Christenlhum, das die Welt regiert, alle die menschheitbeglückenden Ziele des Judenthums bereits erreicht und zur Erscheinung gebracht? In einer Zeit, wo so viele tapfere Geister an der Befreiung und Einigung der Menschheit arbeiteten und der Glaube an einen ewigen Frieden weit verbreitet war, wagt es ein einziger, in den Tuillerien hausender Mann, weil er befürchtet, daß man ihm diese Wohnung kündigen könnte, den falschen Ehrgeiz seines Volkes aufzustacheln, und die Marken unseres theueren Vaterlandes zu bedrohen. WaS kein deutscher Fürst fertig gebracht haben würde, wenn er so gewaltsam die Gelegenheit vom Zaune gebrochen hätte, das hat seine Drohung jund sein Blutbefehl fertig gebracht: das deutsche Volk steht einmüthig da, die Unbill kräftig abzuweisen, mit Begeisterung für die ernste traurige Blutarbeit. Und Deutschland wird siegen, denn das Recht macht stark! Möge Gott heS vergostenen Blutes gedenken .— und' diesen Krieg den letzten sein lasten. Was aber ist die Pflicht deS Lehrers, in diesem schrecklichen Momente? Aach jetzt, auch inmitten dieser gräßlichen Abhaltungen, die da» menschlichfühlende Herz tief erschüttern, müsten wir unserer hehren Aufgabe einge-- denk sein! Säen wir für die Zukunst! Behalten wir im Auge das eine große Ziel, die hehre Anfgabe, die uns geworden: Religion und Bildung zu fördern, die Schul« zu heben, Licht und Aufklärung zu verbreiten? i Mögen sie sich an der Grenze des Vaterlandes schlagen: wir wollen in die Herzen der Kinder, die uns. das Volk übergeben, besten Heil und Glück nur im Frieden begründet werden kann, den Samen de» Friedens, der alloerbindenden Liebe säen. Den Bestrebungen für die Hebung der Schule, für die Besterstellung des Lehrerstandes, können die gegenwärtigen Zeitumstände jedenfalls nur hinderlich sein. Aber jetzt schon wollen wir uns geloben, in diesen unseren Bestrebungen nicht nachzulasten, und nach dem Kriege wieder da anzufangen, wo wir vorher aufhörten. DaS Heil der Zukunft liegt in der Schule; das Heil der Schule in der würdigen Gestaltung der Lehrerverhiltniste. — Fordern wir diese nach wie vor, auch wenn die Hoffnung auf Erfüllung unserer Forderung nicht alsbald zu gewärtigen ist. Streben wir vor Allem nach wie vor, daß durch freie Versammlungen und Vereine immer und immer wieder dieses Recht sich ausspreche I Es muß endlich die Zeit kommen, wo man unS hört. Und das Judenthum? Es ist natürlich, daß die sogenante „fromme" Partei aus den Calamitäten der Gegenwart Kapital schlägt für ihre Behauptungen und ihren Fanatismus, und es liegt ganz nahe, daß sie sich bemüht, die armen Sabbathschänder und Trefaester für die Leiden der Gegenwart gewissermasten verantwortlich zu machen und die koscheren Zizith als wirksames Präservativ gegen feindliche Kugeln anzupreisen! Viel Lärmen um Nichts! Wir wissen, daß Gottlob, die tOO und soviel protestirenden RebbeS, die man aus allen unbekannten Welttheilen zusammengelesen und gegen die freie Richtung ins Feld zn schicken beabsichtigt, keinen Boden haben im deutschen Judenthum, nie und nimmermehr! Wir wisten, daß eben nur diese selbst- und herrschsüchtigen Rabbis eS sind, die jener Richtung den Anschein von Macht und Einfluß geben, den sie in Wirklichkeit nicht hat, und daß es nur der Jndifferentismu« der steien Richtung ist, welchen wir um der Sache Willen zu bekämpfen haben; daß trotz Unglück, Krieg und trauriger Weltlage die Wissenschaft nicht umkehren wird! Bleiben wir der Ueberzeugung treu, daß das Judeathum eine Resigiou des Fortschritts ist, die den Geist frei macht, und daß Gott, der liebende Vater der Menschheit, der diesen Krieg zuläßt, doch nicht die „Umkehr" der Judenheit im Auge hatte, weil er, nach seinem unbegreifllichen Rathschlusse gerade „in