Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-08-03 · 31 (3.8.1870) · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
31 (3.8.1870)
Date
1870-08-03
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432141--3024-4899316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 252 W 9 <fytubtti<bt. Ober-Iugelheim, 21. Zuni. (Westrussische Juden Fortsetzung.) Wir haltm die' Beförderung der Bildung, die Unterbringung des „aufstrebenden" Geschlechts in Spulen jtnb bei Handwerkern für de» wichtigeren und erfolgreicheren Theil der Wirksamkeit, dem eine fortgesetzte Aufmerksamkeit geschenkt «erden mutz. Wir geben daher hier Alles, was der Bericht hieüber sagt: Zn Ausführung 'de«'für uns matzgebenden ProgrammeS sind bis zum heutig m Tage von uns, resp. von den ComitöS zu Memel und Berlin in Schulen und bei Handwerkern «ntergebracht, resp. werden subventionirt: Zn B . e * . 1 •> ,-o li ®j® SO 1 * L--IZ U g lew l-H ItO Ü 's s Be o <23- Summe. Bemerkungen. 1 1) KönigSb. in Pr. 2) Memel 3) Berlin 4) Breslau 5) Hannov. 6) Düsteld. 7 14* 22 20 37p**' I| ~ i Nr i i i —1 2 215 -2 1 - 1 — «NS'jJ, III 27 44 61 2 1 1 * 2 dieser Schüler sind vollständig auf unsere Kosten in Pension gegeben; die andern erhalten freie Schule u. Kleidung. ** auf der Gewerbe-Academie. *** Hebammen. Zm Ganzen 66 ^7 j 3^ 4 l9 7 ,13&, Auf die einzelnen Handwerke und Gererbe vertheilt, wie folgt: Buchbinder: 2, Cigarrenarbeiter: 3, Destillateure: 7, Färber: 1, Gelbgießer: 1, Goloarbeiter: 4,'Handschuhmacher: 2, Hutmacher: 2, Klempner: 4, Kürschner: 3, Lithograph: 2, Modelleur: 1. Photograph: 2, Prtßhefenf: 1, Riemer und Sattler: 2, Schlosser: 2, Schneider: 1, Schriftsetzer: 1, Schweb. Stteichholzf.: j., Schuhmacher: 5, Seifensieder: 13, Stubenmaler: 1, Tischler: 1, Uhrmacher ^3, Vergolder: 1, Weber: 1. Bis zur übersichtlichen Feststellung der von dem WohlthätigkeitSsinne unserer Glaubensgenossen zu erwartenden ZahreS Einnahmen haben wir ein weiteres Vorgehen. auf diesem Gebiete vorläufig gleichfalls sistiren müsien und beschränken uns auf die Sorge für die bereits Untergebrachten; denn es hieße eine zu schwere Verantwortlichkeit übtrnehmen, wollten wir junge Leute in die Lehre-geben und contractliche Verpflichtungen, in der'Regel für 3 bis 4 Jahre, eingehen, ohne, wenn auch nicht die Bürgschaft, auch nur die Aussicht zu haben, den letztern für diese Zeitdauer Nachkommen zu.können. Und was soll schließlich aus diesen armen Knaben 'werden, wenn mitten in ihrer Ausbildung die HülfSquellen versiegen? Obige Schüler und Lehrlinge werdm von uns vollständig unterhalten. Die Lehrlinge selbst anlangend, so ist in den mit dm Meisttrn abgeschlossenen Kontrakten gleichmäßig die Bedingung enthalten, daß die Knaben an Sabbath- und Feiertagen sich jeglicher Arbeit zu enthalten haben. Die mit der Unterbringung derselben bettaute Conzmission wacht streng darüber, daß diese Bedingung sowohl Seitens der Meister als auch der Lehrlinge selbst innegehalten wird. Sämmtliche Knabm sind überdies in sttmg religiösm Häusern in Pmsion gegeben und stehen unter fortwährender Aufsicht der Commissionsmitgliedcr. Um die unerläßliche, fast durchgängig mangelnde Schulbildung zu ersetzen, derm selbst der Arbeiter und Handwerker heutzutage bedarf, ist Veranstaltung gettoffen, daß den Knaben an den arbeitsfreien Sabbathen und Sonntagen ein regelmäßiger Unterricht zu Theil werde. Die meisten derselben betheiligen sich mit Lust und Eifer an demselben, und sind allseittge recht erfrmliche Fortschritte zu bemerkm. Dasselbe gill von den unsrer Fürsorge und Unterhaltung vollständig anheimgegebmen Schulkindern, während ein Theil der bloß mit Schulgeld und Kleidern subventionirten armen polnischen Knaben sich, wenn auch allmälig, so doch nur schwer an Reinlichkeit und die Disciplin eines geregelten Schulbesuches zu gewöhnen im Stand« sind und uns Anfangs mancherlei Sorge bereitet haben; doch ist es auch hierin bester geworden, und werdm wir auch diesem Zweige unsrer Thätigkeit nach wie vor die ernsteste Sorgfalt zuwmden. _ Ä „ (Forts, folgt.) Wefrpyale» Erlauben Sie mir einm Nachtrag zu Ihrer Trauernachricht vom Tode des Lehrers Heine aus Herford. Sie haben schon der tiefergreifenden Rede des Herrn Blumenau und der zahlreichen Betheiligung der Bürgerschaft und der christlichen College« der Stadt und Umgegend Erwähnung gethan. Ihr Herr Cörrespondent hat Ihnen aber wohl nicht berichtet, in welcher ergreifenden Weise die Humanität der Bürgerschaft, oder vielmehr des katholischen Herrn Dechanten Heising vor dem Tode unseres Collegen sich äußerte. Das jüdische Schulhaus liegt nämlich gerade der katholischen Kirche gegmüber. Mit Rücksicht auf die Krankheit des Herrn Heine, des jüd. Lehrers, unterblieb au zwei Sonntagen das Geläute und selbst an dem in der katholischen Kirche so hehr gefeiertm Frohnleichnamstage Glockengeläute, Orgelspiel und Gesang! DaS ist eine wahrhaft humane, echtreligiöse Handlungsweise und eS ziemt sich, daß die jüdische Presse, die leider so oft das Gegentheil zu berichten hat, hievon Act nimmt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.