Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 5 „Lehrgang für den praktischen grammatischen Sprachunterricht in Landscbulen mit Berücksichtigung des Unterrichtsgrundsatzes der Coneentralion (2. verbesserte u, vermehrte Aufl.) erschienen Wir können uns mit der Darstellung in dieser Schrift durchaus nicht befreunden, weil sie dem Lehrer zu wenig zutraut und denselben zu einer reinen Maschine machen würde. Das ganze Werk hat nämlich katechetische Form — ein Frage- und Antwortspiel zwischen Lehrer und Schüler - Wer' wird sich an ein solches binden wollen? - Wir flnd nicht gegen tüchtige Anleitungen für Lehrer, aber, dem Lehrer und dem Schüler bestimmte Fragen und Antworten in den Mund legen, die also eigentlich auswendig gelernt werden müßten, — das gebt, doch über das vernünftige Ziel einer methodischen Anleitung hinaus. — Don den eigentlich sprachlichen Werks» kommen wir zu den Lesebüchern. Es liegtunS vor: Lesebuch für V olks- und Bürgerschulen. HerauSgegeben von Michael B i nst orfer,Heinrich Deinbardl und Christian Jessen. Erste Stufe, 1. Theil. (Ausgabe für israelitische Schulen). Soviel wir von diesem ersten Theile entnehmen können, ist das Werk ein tüchtiges, elementarisch und praktisch. Die Lesestücke sind gut gewählt, haben nur da« Lesen, die Lust' am Lesen und das Derstandniß des Gelesenen im Auge. ES sind die für diese Stufe angemesiene Leseübunzen — Gedichtchen, deren Inhalt durch zahlreiche in den Text gedruckte Holzschnitte veranschaulicht wird — Mährchen, kleine Kindergeschichtcn. Für israelitische Scbu'en eignet sick das Werkchen dadurch, baß nicht« specifisch christliches verkömmt. Ist dies strenge durchgeführt, wir können für Einzelheiten in dieser Richtung keine Gewähr übernehmen — so dürfen, wir allerdings uns vollständig damit begnügen; gerade dann dürfte aber diese Ausgabe für Ccmmunalichulen — die jedes konfessionellen Cbarakrers entbehren, — am geeignetsten e scheinen, also für alle Sckülen, die im Geiste unserer Zeit geleitet werden sollen. e ui 1-1 e t o n. Per Wetter. 'Novelle von Z. Kl. (Schlug.) Der Akend nahte. Das Gewitter, das der Landmann erhofft hatte, hatte sich verzogen und drückende Schwüle lag noch auf der Erde und beengte di« Gemüther; die Sterne leuchteten hell und freundlich, aber die Schwüle schien nicht weichen zu wollen. Als es dunkler wurde, sah man, wie sich aus den verschiedenen Gäßchen der Stadt, insbesondere aus denjenigen, in welchen das arbeitsscheue Gesindel seinen Sitz aufgeschlagen batte, Gestalten hervorbewegten, sich geheimnißvoll begrüßten und dann, wie schleichend, einem Sammelplätze näherten, der, etwas versteckt, hinter dem Kloster lag. Sie trugen ein Abzeichen, eine weiße Binde um den Arm. Still und geräuschlos, wie zu einer verbrecherischen That, die Kopfbedeckung tief in'S Gesicht gedrückt, kamen sie, etwa hundert an der Zahl, an ihrem Bestimmungsort an. Eine halbwüchsige Knabenschaar die sich schon den ganzen Nachmittag über in einem Hofe des Klosters selbst herumgetrieben hatte, brach jetzt hervor und vereinigte sich mit ihnen. Sie halten gefüllte Krüge, die herumgereicht wurden. Bald wurde es lauter und lauter. Ruse aller Art ließen sich vernehmen, die allesamwt als. Refrain hatten: „Nieder mit den Juden, den Feinden unsres Glaubens!" Noch war aber kein Anführer bei ihnen. Es dauerte etwas lange, der Lärm wurde stärker und stärker. Neugierige Nachbarn streckten den Kopf auS dem Fenster — aber zogen ihn alsbald auch wieder scheu zurück! Eö waren ruhige Bürger, fleißige Arbeiter und Handwerker, die kein Theil an dem Verbrechen haben — aber ihm doch auch nicht wehren wollten. Jetzt, als der Lärm auf das Höchste gestiegen und bereits ungeduldige Rufe nach Pater Anton laut wurden, als man einen Anführer, einen Redner wollte, als zun« Fanatismus der Rausch kam, trat der Gerufene aus der Hintcrpforte des Klosters. Er war allein; alle anderen Patres hatten es abgelehnt, thätsächlichen Anfrubr zu predigen und anzuführen. Pater Dominion - — war im ganzen Kloster nicht zu finden gewesen. Pater Anton wurde mit einem rauhen freudigen Gejohle empfangen. „So, da ist er; nun auf, an die Juden!" „Ja, auf die Juden," sagte dieser, „laßt sie uns aus der Stadt treiben, weil wir sie doch nicht alle todtschlagen, die Feinde der Christenheit vom Erdboden vertilgen können!" Die tobende Schaar nahm jetzt die Waffen, Knittel, Steine u. dgl. — hervor, die die Knaben auStheilten und nun trieb sich der bunte Haufe der Straße zu^ wo die Juden und obenan Frau B^lla wohnten. Dort war Alles fest verschlossen. Kein Licht deutete an, baß die Bewohner in Angst und Sorg«; wachten, gerichtet, aus's Aeußerste gefaßt waren. Man mußte glauben, daß Alle sich der sorgenlosesten Ruhe hingegeben hätten. Die rohe Schaar nahte sich — noch deutete nichts an, daß man die Gefahr ahnte. Hatte diese Ruhe, dieses Vertrauen auf den Schutz» die der schla-