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Der israelitische Lehrer · 1870-07-27 · 30 (27.7.1870) · p. Seite 242

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
30 (27.7.1870)
Date
1870-07-27
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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— 242 — c) Verschiedene Seminare für Stadt- und Landlehrer sind unzweckmäßig. ä) Das beste Seminar ist dasjenige, welches in seinen Schülern den Trieb zur Weiterbildung am nachhaltigsten anregt. e) da« Internat ist eine für Dolksschullehrerseminare ' unzweckmäßige Einrichtung. 4) Die Anträge des H. Lederer: a) In den Sepiinarien muß der Pflege der Naturwissenschaften mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als bisher. b) Jeder Seminarist muß auch angeleitet werden, als Erzieher vom Fach dm Eltern als Seelenarzt und anthropologisch gebildeter Rathgeber zur Seite zu stehen. 5) H. Kcbr's Antrag: Zur höheren Bildung der Lehrer muß hinzukommn eine bissere Besoldung, eine andere Aufsicht, eine freie Schule. 6) H. Petsch's Antrag: Die Versammlung richte an die großen Städte die Mahnung, städtische Seminare, den Anforderungen der modernen Pädagogik entsprechend, zu reichten. 7) Der. Antrag Köhlers. 8) Der4>eS Or. Dittes: Das Unterrichtsministerium ist vollständig vom CultuSministerium zu trennen, entweder selbstständig zu organisiren, oder mit dem Departement d«S Innern zu verbinden. II. Verhandlungstag. .Gegenstand der Verhandlung: Religion! und Wissenscha f t, Referent Triescher auS j Trebitfcb. — Religionslos oder interconfessionel? Ref. l 2. Götzl aus Wien. —! ES wurde von wohlmeinender Seite der Vorwurf j laut, daß es von den israelitischen Rednern ein MiSj griff gewesensei', daß sie diese Frage auf die Tages-! ordnung gebracht, sich überhaupt an dm Debatten! betheiligt hatten. Wir sind dieser Ansicht nicht.! P’Sjd nrem oicj«. — Der israelitische Lehrer! soll und mag für den Fortschritt kämpfen auf allen! Gebieten und die Religion im Vereine mit der Wissen-! schaft ist so recht die Domäne deS Judenthums. — Herr Triescher juist -den Satz zu beweisen, daß „Religion nicht im Widerspruch zur Wissenschaft stehe, daß aber zwischen Religion und Glaube zu unteri scheiden sei. Die Wissenschaft negirt den GotteSbe- : griff n'cht, ihr Fortschritt läßt das religiöse Bedürfniß! bestehen. Die Kirche ihrerseits werde vergeblich versuchen. die Entwicklung der Wissenschaft aufzahalten. Der Religionsunterricht in der Schule soll den religiösen Mythos pädagogisch verwerthen, den sinnigen Gebrauch zur Würdigung bringen, aber darf den Geist > nicht in die Fesseln von Dogmen schlagen. ' Der Ref. verlangt, daß der Religionsunterricht den Lehrern der übrigen Fächer übergeben werde und beantragt: Niedersetzung einer Commission von Theologen und Lehrern zur Abfaflung eines religiösen Handbuches. — Dr. Schulze erinnert, daß in seinem Heimathlande bereit» ein solches Religionsbuch bestehe. Er beantragt die Resolutionen: 1. Die Volksschule kann deS Religionsunterrichts nicht entbehren, weil die Sittenlehre ohne Religion nicht denkbar sei und weil die Schule sonst ihrm Zweck: Erziehung und Erzielung der allgemeinen menschlichen Bildung nicht erreichen - kann. 2. Der Religionsunterricht soll consessionSloS sein, insofern der Lehrer nicht nach dem Buchstaben der kirchlichen Bekenntnisse, sondern im Geiste der heiligen Schrift zu unterrichten habe, und den Eltern ist e» freizustellen, ihren Kindern den „ Unterricht in einer andern als der in der Schule vertretenen Confession ertheilen zu lassen.*) Zu einer hoben und erhebenden Begeisterung erhob der nun an die Reihe kommende Redner vr. Dittes die . Debatte. Er spricht mit einer Klarheit und Kraft, mit einem Muth und einer Entschiedenheit, die die Versammlung wiederholt zu donnernden Beifallsrufen Hinreißen. „Die Theologie ist mft der Pädagogik unvereinbar; ein Ausgleich zwischen Beiden unmöglich herbeizuführen. Die herrschenden theologischen Systeme beruhen auf Sätzen, die nicht erfahrungsgemäß sind, die nicht wissenschaftlich erwiesen werden können, weil sie unvenverslich sind, so z. B. die Lehren von der Erbsünde, von der Rechtfertigung, Offenbarung, Inspiration, Trinität, von den Wundern, Engeln und Teufeln. Alle diese Lehren habm mit dem anthropologischen Princip, welches auf Induktion, auf der Naturwissenschaft, der Erfahrung und Vernunft beruht, nichts zu schaffen. Wenn man uns solche unerwiesene und absolut unerneisliche Sätze alö wissenschaftliche Grundlagen der Pädagogik aufdringen will, so muß ich mich dagegen verwahren. Ich finde es vom theologischen Standpunkte aus begreiflich, daß man darnach strebt, nicht nur den Religionsunterricht zu beaufsichtigen, sondern auch den übrigen Unterricht zu koniroliren, oder wie das Schlagwort der preußischen Theologen das ausdrückt, daß „Alles mit dem Worte Gottes durchsäuert werde" und nach dem preußischen Regulattve ist in der That der ganze Unterricht von dem Geiste durchsäuert, den die hochmüthigen Herrn „daS Wort Gottes" zu nennen belieben. (Stürm. Beifall.) Durch den theol. Geist bringt man von Jugend auf einen Riß in den Geist des Kindes ...... *) Dieser Sah erhält einen offenen Widerspruch. Die Redaktion.

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