Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 30 (27.7.1870)
- Date
- 1870-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ler Jteraclüisrht Irlirei Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenlhums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa." M 30. Den 27 Juli 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher LbonnementSpreiö 40 kr. — 111/2 S-r. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeil«. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. XIX. Allgemein^ deutsche ^eyrernerjammlrrng in Wim am 8., 9. und 10. Juni 1870. (Fortsetzung.) vr. Bormemann aus Dresden, Pollak aus BoSkowitz und Neumann aus EberSwalde, vr. Hermes aus Lerlin/Direktor Heinrich aus Prag und Pfarrer Obert aus Wurmbach in Siebenbürgen, sprechen zumeist gegen die Internate. vr. Maier aus Lübek beantragt: 1) Die Seminare müssen an die Oeffentlichkeit treten durch Programme und der pädagogischen Kritik anheimfallen. 2) Zur Fortbildung seien den Lehrern und Lehrerinnen jährlich Urlaub und Reisegeld zu gewähren. 3) Jede Schule sei so tüchlig organisirt, daß sie selbst den nöthig-m Nachwuchs an Lehrkräften heranbilde. — A. Petsch aus Berlin erhebt gegen Köhler's Antrag das Bedenken, daß es scheinen könnte, als ob die deutschen Volksschullehrer sich selbst für unfähig erklärten, die Wisienschast fördern zu helfen. - UebrigenS fei die Wissenschaft der Pädagogik hinlänglich ausgebildet, aber eS fehle überall an der Durchführung. Nicht den Ministerien — den Bürger- > Versammlungen und den Communalvertretungen rufe man zu: Gründet Seminare, Pädagogien, wie es Wien Methan! Verschaffet ihr den Lehrern eine ausreichende Bildung! (Lebhafter Beifall). vr. Dittes: Er könnte sich für Köhlers Antrag nur dänn erklären, wenn wenigstens eine Skizze des > Lehrplans dieser Lehrkanzel vorläge. — Der Antrags j die Lehrerbildungsanstalten auf die Universitäten zu j verlegen, scheine ihm vom praktischen Gesichtspunkte aus! bedenklich. Am zweckmäßigsten dürfte eS fein, auf die > gute Volksschule ein srchSklassigeS Seminar folgen zu j lassen. Nur müßte die Pädagogik von klerikalen Ein- -| flössen freigemacht werden; das Geduhen der Schule j habe so lange keine Sicherung, als nicht die Schule > ihre Emancipation von den Einflüffen der Kirche durchgeführt. (Lebhafte Zustimmung ) Alle Priefterfchasten, welche die Geschichte kennt, waren immer und immer ein Hemmschuh für die Volksbildung. Er halte es für ein Unglück, daß CultuS- und Unterrichtsministerium in der Regel Eins sind. Vom Unterrichtsministerium soll jeder theologische Einfluß absolut ausgeschlossen sein! So viel man auch ausbessern, kleben und kleistern möge, wenn das Schulwesen nicht auf eigene Füße gestellt werde, könne eS nie seine Aufgabe erfüllen. (Stürmischer Beifall.) Herr Sack aus Berlin beantragt die Wahl eine« ComilöS, welches auf Grund der geführten Debatten Resolutionen über-„die Lehrerbildung" abfassen und am 3. Verhandlungstage der Versammlung zur Abstimmung vorlegen solle. — (Abgclehnt.) — Bei der Abstimmung über die Resolutionen erscheinen angenommen: I) SchwikkerS Antrag; a) die sogenannten Proseminare und Präparandien sind als unzweckmäßig, gefährlich und schädlich abzuschoffen. b) Die Semnarist n sollen ibre allgemeine Bildung in den gemeinsamen Mittelschulen (Realschulen) erhalten. 2) Bohms Antrag: Das deutsche Volksschullehrerseminar ist eine Fachschule für volkSthümliche Pädagogik, aufgebaut aui dem Fundamente einer tüchtigen allgemeinen menschlichen Bildung. 3) Die Anträge der H. H. Kehr und Brüllow: a) Zum Lehrerberufe eignen sich nur solche Schüler, welche körperlich gesund, geistig und sittlich gut erzogen sind und die namentlch das Ziel einer guten Volksschule erreicht haben. b) Mit jeder Lehrerbildungsanstalt ist eine musterhaft eingerichtete Schule zu verbinden; schon darum ist eS nothwendig, daß die Lehrerbildungsanstalten in große Städte verlegt werden. t 1