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Der israelitische Lehrer · 1870-07-20 · 29 (20.7.1870) · p. Seite 236

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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— 236 — schief ic. bald zur Darstellung des Laut- — i —, hier ist die Synthesis in der Darstellung des einfachen LautbildeS gegeben; die Analysis kann zuerst nur bei der Lautzerlegung hörbar angewmdet werden. Kehr- Schlimbach geben sogleich zum ganzen Wort über. a) Erste» Normalwort: A st. Der Lehrer zeigt von einem kleinen Bäumchen einen Ast vor. Er gibt die Begriffe: Baum, Wurzel, Zweig, Blätter, Blüthe. Früchte rc. — Anschauung. — b) Der Lehrer schreibt das Normalwort an die Tafel. c) Zergliederung des Wortes. A — s—t. Vor- und Nachsprechen der einzelnen Laute, des ganzen Worts. . Sollten die Kinder einen Laut vergessen, so erinnert sie das Bild, das Normalwort in der Fibl. 6) Einübung der Schriftzeichen. — Schreiben des Normalworts auf die Schiefertafel. Lesen desselben von der Tafel der Schüler, e) Aussuchen und Lesen des Normalworts in der ,Fibel. Als häusliche Uebung haben die Schüler das Normalwort zu schreiben. Die. Zugaben: Erzählung; Wie Gustav vom' Baume fällt Er will ein Vogelnest besehen, klettert hinauf, fällt herab in den Fluß, bleibt im Sumpfe stecken. Gedichtchen: der Baumsteiger, womöglich auch ein Liedchen. Geben wir den Lehrplan der Fibel: Vorübungen 3 Wo.chen. I. Abtheilung der Fibel, a. Die Behandlung der Normalwörter und Wörter, die mit den Buchstaben dargestellt werden, welche man beim Sprechen vernimmt, zu zwei Bilder in einer Woche 14 Wochen Repetition 2—3 Wochen B. Dehnung, Seit? 14 der Fibel 2 „ C. Schärfung, Seite 16 „ „ 2 „ D. Andersschreibung einiger Laute,. Seite 19 1 , Generalrepetition 1 „ II. Abtheilung. Lehrstücke in Schreibschrift S: 21— 36 1 „ HI. Abtheilung. Druckschist L>. 39—62 Generalrepttition _ 2_ „__ — Zusammen 40 Schulwochen. Di« zweite Abtheilunz der Fibel will fertiges, mechanisches- Lesen und Verständniß des Gelesenen erzielen. Der Lehrer liest jedes Stück vor und erklärt, dann -erst lieft der Schüler. Einzeln, bankweise, im Chor. Die dritte Abtheilunz der Fibel übt das Buchst ab treu der Normalwörter und der Normalsätze. Auf das Buchstabiren wird großer Werth gelegt, das Abschreiben von der Fibel geschieht unter Aufsicht de» Lehrers, ist also eine Art Diktiren, nur daß der Schüler das Diktat vor sich hat, laut buchstabirt und niederschreibt. Die Normalwörter und Normalsätze werden sachlich und sprachlich erörtert; die NormaMtze in veränderter Wortstellung gegeben. „So muß denn durch Hören, und Sehen, durch Verstehen und Nachahmen, durch Lesen und Declamiren, durch Sprechen und Schreiben, durch Anschauung und Uebung das Kind in die Sprache und die Sprache in das Kind kommen. Anschauung und Uebung: das sind die beiden Angeln, in denen aller Sprachunterricht sich bewegen muß. Wo die Anschaung fehlt, da geht der Unterricht nicht in die Kindesseele hinein; wo aber oie Uebung fehlt, da bleibt das Gelernte in der Kindesseele. Die alte Schule machte den Fehler und betrieb die Uebung ohne die Anschauung; junge Lehrer aber machen oft die Fehler, daß sie die Anschauung ohne die Uebung betreiben. Der erste Fehler ist groß, der zweite größer. „Uebung macht den M e i st e r" und „W iederholung ist dieMutteralles Lernens." Von Kehr-Schlimbach noch zu Steudle's neuer Methode. Letzterer nennt sich einen Nachbeter und Nattreter Wangemanns. Die Lehrweise ist grundsäylich die von Jacotot und Steudle hat aus der Vogel'schen Manier die Normalwörter weggelaffen aber deffen Anschauungsunterricht beibehalten. Bei all diesen Methoden darf das Wort LessingS angewandt werden: WaS an ihnen gut ist, ist nicht neu, und was an ihnen neu ist, ist nicht gut. (?) Der Lehrer soll die neuen Methoden, wenn sie einmal in die Literatur und Praxis eingefübrt sind, kennen lernen und aus jeder neuen Methode läßt sich etwas lernen. Aber nur nicht die Schule zum Versuchsfelde. für neue Metbode machen. Die Methoden folgen gerne dem Zeitgeist« der Mode; die Schule ober als Erziehungs- und Unterrichtsanstalt hat eine höhere Basis, die nicht von der Mode alterirt und alternirt werden darf. Darum treibe der Lehrer die Methode, die er tüchtig kann, die ihm zur zweiten Natur geworden. Der alte Lehrer wird neue Methoden nicht mehr lernen können, darum gibt er das Lehren nicht auf. Bei den neuen Methoden gilt vor allem das Wort: Prüfet alles und das Beste behaltet!

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