Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 235 —. d’Ulysse das wird vorgesprochen, memorirt in Wörter,; in Sylben, in Baute zerlegt und dann gelesen. In j dieser Weise wird das ganze Buch behandelt.. Die Nachahmer JacototS in Deutschland waren: K. Seltz-! sam in Breslau und Weigart in Jllmanau. Der eine; nahm eine Parabel von Krummacher, der andere Märj chen von. Grimm und verfuhren damit wie Jacotot mit j dem T'lemmach. Vogel in Leipzig kultivirte im Jahre 1843 die j Methode und von ihm erhielt sie den Namen Vogel'- i sche analytische-synthetische. Diese Methode verbindet! Lesen und Schreiben mit dem Anschauungsunterrichte. Man geht von gewissen Normalwörtern aus, welche sinnliche, dem Kinde bekannte Gegenstände bezeichnen. Nachdem das Wort an die Taf l geschrieben worden, wird es in der Fibel, in Druck- und Schreibschrift, und der bezeichncte Gegenstand im Bilde dargestellt und betrachtet. In Jacotot'scher Manier wird dann analysirt, das ganze Wort sogleich abgeschrieben und der bezeichnete, bildliche Gegenstand n a chgezeichnet. Das Schreiben eines ganzen Wortes sucht man dadurch zu rechtfertigen, .daß das Wort für das Kind einen Inhalt hat und zwar einen durch die vorausgegange Unterhaltung ihm interessant gewordenen, welcher dem einzelnen Buchstaben, der an und für sich etwas Leeres und Todtes ist, ganz abgeht und und daß dies sowohl wie die Freude am Selbsterrungenen die Kleinen mit neuer Lust und Kraft erfüllt, auf dem betretenen Wege rüstig fortzuschreiten." Um I ein Beispiel zu geben, führen wir an: Vogel zeigt den gemalten Hut neben dem gel schriebenen und gedruckten vor. Er bespricht den Gel genstand — Anschauungsunterricht —, er spricht daS Wort langsam vor, daß die Laute vernehmbar werden — analystrt —; er zeigt das gedruckte Worte,; liest es. Wie heißt also der erste Lauti? — H— der zweite . — u — I der dritte „ — t — Nun schreibt daS Kind das Wort und zeichnet es. Vogel schritt von der Sache zum Zeichen, vom Hören zum Sehen, die Kinder lernen schreibend lesen und lesend schreiben. i Die Märgel der Vogel'schen Methode treten her-! vor: Wie sollen die Kinder ohne Vorübungen für Hand, * Auge jc. ein ganzes Wort schreiben, ja sogar zeichnen können? Wie schwierig ist die Austastung zweier Alpha- ' bete, des geschriebenen und gedruckten! Vogel verwendet bei seinen Normalwörtern meisten- Namen und Darstellungen von Kunstproducten, äußerst wenige Naturgegenstände; dadurch leidet der Anschauungsunterricht. Durch die gesuchte und gekünstelte Concentration aller Unterrichtsfächer verflacht der Unterricht. Einzelne Fähige erreichen das Lehrziel, andere minder befähigte bleiben weit zurück. Die einklassige Elementarschule wird die Methode anwenden können, die mehrklassige Schule mit weniger Unterrichtszeit für einzelne Klasien kann die nöthige Zeit für diese Methode kaum finden. Wir halten eö auch für schädlich, wenn nicht dringend geboten, durch neue Methoden, die dem Elternbause fremd sind, Barricaden zwischen Schule und Elternbaus aufzuführrn; die Vermittlung zwischen beiden soll die häusl'che Nachhilfe seit', die bei dieser Methode kaum » öglich, ja verboten ist. Die Vogel'scke Methode hat viele Bearbeiter gesunden, wesentliche Modifikationen mit derselben haben Kehr und Sch lim b ach in Gotba vorgenommen. Die Schrift: „Der deutsche Sprachunterricht im ersten Schuljobre nach seiner historischen Entwicklung und in theoretisch praktischer Darstellung von C. Kehr Seminarinsptklor,und G. Scklimbach, Elementarlehrer (Gotha, Thineman 1869 II. Auflage) gibt genauen Aufschluß über die Methode. Sie unterscheidet sich von der Vogel'schen dadurch, daß sie nicht gleich mit dem Ncrmalworte beginnt, sondern sie verwendet 1 bis 8 Wochen aui Vorübungen, durchweiche Auge, Ohr, Mund und Hand der Kinder zur Auffassung des Unterrichts geneigt und überhaupt erst lernfSfähig gemacht werden sollen. Nach dem Grundsätze: „Immer nur eine Schwierigkeit auf einmal, nie zwei, zusammen!" nehmen K Hr-Sckliinbach die Normalwörter nickt bunt durcheinander, sondern zuerst nur einfache, .einsilbige Hauptwörter ohne Dehnung und obne Schärfung; has Schwierigere folgt erst dann, wenn das L e i ch t e r e^ richtig begriffen unv eingeübt ist. Die Schreibun> Druckschrift ist getrennt, letztere wird erst geübt nach 3/i Jahren, wenn die Schreibschrift zum Schreiben und Lesen geläufig ist. — DaS Zeichnen fällt auf der Elementarstuse weg. — Statt der Kunstwerden mehr Naturgegenstände genommen nnd letztere womöglich den Schülern in uaturu vorgezeigt. Diese Naturkörper sollen stets einen typischen Charakter haben und das genau und bestimmt zeigen, was ste zeigen sollen. Bei den Vorübungen ist daö Verfahren wie in der Sckuler'schen Anleitung zur Fibel und wie es L u tz darstellt. Abfragen der Namen der Kinder, Sprechübungen Handübungen aufs Commando; Gebrauch der Tafel, des Stif S, Linienziehen, Schleifen, Eirunde, Bogen, Kreise, Analysen der Sätze in Wörter, in Sylben, in Laute. Zwischen diesen Hebungen hinein werden Geschichtchen erzählt, Gedichte recitirt, Liedchen gesungen, Gegenstände gezählt rc. Aehnlich machte es schon, Denzel, Wurst, —letzterer nur zu sehr sprachquälerisch — Fohmann KrauS re. Wir verweilen bei den Vorübungen nicht zu lange, gehen von den Linien, rechts und links-