Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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234 — Volksleben die nötbigen Bildungsmittel besitze. Aus dem Seminare soll' er den Keim mitnehmen zum wissenschaftlichen Streben für da« ganze Leben Die Seminare müssen in großen Städten sein, damit der Seminarist außer Fachbildung auch eine allgemeine Bildung sich aneignen könne. In den Städten werde sein Kunstj sinn geweckt, hi?r finde er in den historischen Monu- | menten Anregung zum Studium der Geschichte des > Vaterlandes. Auch die gesellschaftliche Bildung könne! man nur in Städten erlangen. Dagegen seien blinder! Gehorsam, Knechtsfinn, Unduldsamkeit — Früchte deS | JnternatsrSemin-'rs. (Bravo!) Im Internat wachsen Angeberei, Heuchelei, Augendienern und Scheinheiligkeit. (Lebhafter Beifall). Nur wer selbst ein Charakter ist, kann auS seinen.Schülern Charaktere bilden und die Gefahr des Lebens sei eine Schule des i Charakters, der Selbstständigkeit. Darum fort mit! dem Internat! (Anhaltender Beifall). | Hr. Lederer*) aus Pest befürwortet den Köhleri schen Antrag. Wo der Ueberblick des Ganzen fehlt, i sei auch daS Verständnis beS Einzelnen nicht möglich. j Er halte die Erriitunz einer Lehrkanzel für Pädagogik i an den Univer'itaten für nöthig, damit der Zusammen- > Hang der ErziehungS- und BildungSfaktore» erkannt \ werde. Die vom zweiten Hrn. Referenten besprochenen , Fragen halte er für sehr wichtig, glaube aber, derselbe j habe minderbelangreiche Punkte hervorgehoben. ES , scheine ihm sehr wichtig, daß in den seminarien auf eine richtige Praxis gesehen und der Neuzeit Rechnung ■ getragen werde. Diese strebe eine auf Naturwifienj schaft beruhende Weltanschauung an. I Redner betont die Nothwentsigkeir besonderer . Berufsbildung und hebt hervor, daß der Lehrer die j Fähigkeit haben müße, den Seelenzustand des Kindes; zu beurtheilen-; es sei. daher jedem Seminaristen ein . Schüler zur. Erziehung zu übergeben, dessen Seelenzustände er zu. schildern Härte. — (Beifall).. j Professor Schwickcr aus Pest spricht für die Ani träge Brüllow's und über die bisherige Berufsbildung der Lehrer und beantragt Abschaffung der Proseminarien. . Prozessor Eckart aus Wien spricht für Köhlers i Antrag, der die Lehrer mit Stolz erfülle» müsse, weil! er die Volksschule in einen großen Organismus des j BildungSwesens ein füge. Resner lenkt den Blick auf! das, was geschehe, weun der kaum 14jährige Zögling > aus der Volksschule getreten sei. „Derselbe Staat, > der eine ernste uns freie Pceffe bekämpft, duldet eine! Schandliteratur von Räuber-, Kloster- und Geisterromanrn!" „Derselbe Staat, der die politische Lyrik haßt, duldet die Zotenlieder der Theresa's und der Manfeldt's. Derselbe Staat, der die nationale Geschichte der Bühne verschließt, duldet den Cancan." Direktor der israelitischen Präparandie. Redaktion. Vkrdummng geht gerne mit sinnlicher Betäubung Hand in Hand. In diesem Sinne schrieben wir „Bildung ist Freiheit." Jedes sittliche Volk hat Freiheit. Ein sittlich starkes Volk erringt sie sich. Redner schließt seinen begeisternden Bortrag mit der Apostrophe, daß die deutschen Brüder es hinaustragen mögen, daß Wien, die verrufene Stadt des Genusses, das Bildungswesen so groß und zusammenhängend auffaffe und so sichtlich zu ernster Arbeit erwacht sei. Lüben aus Bremen sagt: die Pädagogik habe ihre Pflege und Förderung nur von Seminarien erhalten, daher sei dringenste Forderung: Man errichte tüchtige Seminare! Freilich, wenn, wie jetzt, die Theologie, und zwar die einseitigste, die meiste Zeit auf den Seminarien verschlinge, könne die dort erlangte Bildung keine entsprechende sein. Sein Vortrag gipfelt in dem Anträge: die Regierungen sollen nur solche Männer an die Spitze der Seminarien stellen, welche frei von wiffenschaftlichen und theologischen Vorurtheilrn seien. (Fortsetzung folgt.) Auzsug aus einein freien Vortrage über bie analytisch-synthetische Leselehrmethode mit besonderer Berücksichtigung der „Methodik deS sprachlichen Elementarunterrichts" von C. Kehr und G. Schlimkach, in der Schullehrerconferenz am 9. Sept. 1869 in Lauvheim, von Alexander Eljäßer. Der Referent ließ die verschiedenen Leselehrmethoden seit Erfindung der Buchdruckerkunst Revue passiven, definirte die verschiedenen Methoden al- Buchstabir-, Syllabier-, Lautir-. Schreiblesen- und Leseschreibmethode, hebt die geschichtlichen Momente über die Erfinder und Verbesserer derselben hervor und macht bei Jacctot Halt. Jacotot.geboren 1770 in Dijon, gestorben 1846 in Paris ist der Erfinder der analytischen Methode; seine beiden Ha>>ptgrundsätze, die er seinem Werke „Enseignement universel“ voranstellt, sind: „Alle Menschen haben gleiche Intelligenz" und „Alles in Allem!" Bas erste Dictum ist ein erziehliches, die Bildungsfähigkeit für Alle; das zweite ein didaktisches, aller Unterricht geht ans der lebendigen Sprache hervor, sie ist „Alles in Allem!" Er nennt seine Methode die Universalmethode und rühmt sie als naturgemäße. Er fange, wie die Natur, mit dem Ganzen an und zerlege es in seine Theile: zuerst das Concrete und dann das Abstrekte. Er nimmt kenölons lelemaod, das ist seine Universalbibliothek und beginnt: Calypso ne pouvait se consoser du depart