Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ für den Verein „Achawa." M 29. D°» 20. Juli I87N 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher »bonnementsvreis 40 kr. — IVk Egr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Zweite israelitische Synode. Die zweite israelitische Synode, (zu welcher nach München auf den 26. d. M. eingegeladen war), findet nicht statt. Aus Gründen, welche später veröffentlicht werden sollen, wird, die Synode auf nächstes Jahr vertagt. Das Berufungs-Comite. tMzaru*. XIX. Allgemeine deutsche «Leyrerversamrntung in Wien am 8., 9. und 10. Juni 1879. (Fortsetzung.) Direktor Köhler. auö Wien über sein Thema: Die Mängel und die Hebung des deutschen Bildungswesens und dessen Leitung vom Standpunkte der Wissenschaft mit dem Anträge: an allen deutschen Hochschulen seien Lehrkanzeln sür das gesammle deutsche Bildungswesen zu errichten. Das Bildungswesen habe einen weiteren Rabmen als die Seminarfrage; es umfasse alle menschlichen Einrichtungen. Die Wiffenschaft über das BildungSwesen müßte erst geschaffen werden; die Praxis ergehe sich bloS in Experimenten. Alle Lehrkräfte, die Verwaltung, das ganze Volk müßte zur Hebung dieser Wiffenschaft Mitwirken. Alles auf das Bildungswesen Bezugnehmende müffe organisch verbunden werden; dies könne nur durch eine besondere Bildungswiffenschaft geschehen, die alle Wahrheiten auS der Geschichte, Philosophie, Naturwiffenscbaft uud dem RechtSleben zusammenfaffe. Für diese Wiffenschaft müffe an allen Univerll täten Lehrkanzeln errichtet werden, von denen aus die Grundformen deS BildungSwesen» aufgestellt werden. — Das Volk habe, keine ricbtigen Begriffe von dem, was— heilig ist; aber das BildungSwesen befreie von der Hierarchie, vom Despotismus; es siegte über dcht Sklavenstaat im Süden Nordamerika'S; es hob Robott und Leibeigenschaft auf; es führte unS hier zusammen, habe den isterr. und deutschen Lehrertag geschaffen; habe selbst den Geist deSGanganelli, des Papstes ClenienS XIV., ergriffen; es werde vom Muckerthum (Bravo) und Junkertbum (Bravo) und vom Gottes» Gnadenthum befreien (Anhaltender Beifall). Endlich wir.d, so schließt unter anhaltendem Beifalle der greise Redner, der fortschreitende Bildungsprozeß die Völker den wahren Gott erkennen lehren, von den Kanzeln wird nichts gepredigt werden als Moral. Dann ist daS Paradies auf Erden. vr Brüllow aus Berlin besteigt unter Beifallssturm die Tribüne. Ex begründet seine beiden Thesen: 1. die Seminare müssen in großen Städten sein und 2. daS Internat in den Semlnarien ist unzweckmäßig, indem er sagt: Wäre unser Eulturleben nach indischen Kasten getheilt. so könnte man auch die Seminare kastenartig gliedern, nach Ortschaften und nach dem Culturzustande der einzelnen Länder. In dem Jahrhunderte der Freiheitsentwicklung des Geistes gehe das nicht.DaS. Seminar mäße den Volksschullehreraufeine solche Geistesstufe stellen, daß er für ein gehobenes