Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 28 (13.7.1870)
- Date
- 1870-07-13
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 227 — 30tä«<|>en. Die „Union" hat ihre Probenummer versandt. Gleich an der Spitze steht ein geharnischter Artikel von Elsässer (Laupheim). ■ Das Blatt trägt also die Judenfreundlickkeit ofsen zur Schau. Die Juden sind verpflichtet, ein nicht confessionelleS politisches Blatt solcher Farbe und Tendenz zu unterstützen und in christliche Kreise zu bringen, von denen es ja anSgeht. Berlin. Ein neues jüdisches Blattest erschienen und zwar orthodorcr Richtung: Es heißt: „Die jüdische Presse" und wird von Enoch und KarprleS redigirt. Jener ist.der bekannte ZionSwächter, dieser war thätiger Mitarbeiter deü Mainzer JSraelit. Letzteren will die Press« auch unterstütze» und in seinem Geiste arbeiten. Sie hofft, besonders dafür geeigneten Boden in Norddeutschland zu finden, wohin der Israelit nach eigenem Geständniß nicht dringt. Natürlich! Derartige ungenießbare Pilze bedürfen eines sumpfigen Bodens, wo sie sich von Miasmen nähren, welche dem Todten und Abgestorbenen entsteigen. Männer wie Enoch nennen sich vorzugsweise die Erhalter eeS Juden- IhumS, welches die Reform zerstört. Wir wiffen aus authentischen Quellen, daß Enoch den Religionsunterricht für die Gymnasialschüler aufgegeben bat, weil er nicht bezahlt wird. Dient dies auch zur Erhaltung des JudentbumS? Dir können von Reformrabbinern Beispiele entgegensetzter Art anführen. In der vorliegenden ersten Nummern werden olle Orgel - Synagogen den > Götzentempeln gleichgestellt; die Pariser Gemeinde wird wachgernien über das Wagniß ihres Reformrabbiners, die Schemone ESreb nur ein Mal bete zu lasten. Aber Maimonides empsiehlt diese Reform schon. Also auch ein Ketzer! Berlin im Juli. In jeden Freudenkelch, baS ist einmal der Lauf der Dinge in der Erdenwell, muß sich beständig auch ein Tropfen WermuthS mischen. Paris, das viele Jahrhunderte hindurch in so mannigfachen wesentlichen und unwesentlichen Beziehungen von dem äußeren Staat und Flitter bis zur wirklichen Staats- und Dichtkunst hinauf — bald mit mehr, bald mit weniger Fug und Recht — Muster und Vorbild fast der ganzen ci^ilisirten Welt gewesen, es ist seit einem Jahrzehnt und besonders in den letzten Jahren auch' für die Judenheit eine Weltstadt geworden, da die durb die Alliance isr. universelle entfaltete. bisher einzig in ihrer Art dastehende großartige Wirksamkeit nach Innen und Außen es mit einem Mal zu einemsolchen Centrum allgemein-jüdischer Bestrebungen erhoben hat, daß selbst ihre früheren Neider und Gegner sie nicht nur in ihrer Bedeutung anzuerkennen, sondern auch ihre Mittel und Wege zu dem hohen sich vorgesteckren Ziele.zu billigen sich genöthigt sehen (Spr. Sal. 16, 7). Wie aber im verflossenen Jahre das laxe Verhalten der dortigen, wie überhaupt der Französischen Juden der ersten Synode gegenüber unser Bedauern und. unfern Mißmuth hervorrics, so wirft gegenwärtig die (in Nr. 25 d. Bl. veröffentlichte) Petition an den Kaiser um Ernennung de« Großrabbinen des Central-Consistorii zum Senator ein gar eigenthümlichcS Streiflicht auf die daselbst hemische religiöse Cultur. Wir wollen davon absehen, ob dem ganzen beir. Vorgehen mehr al« Schmeichelei persönlicher Eitelkeit zu Grünte liege, worüber daher außerhalb Frankreichs schwerlich so allgemeine Freude herrschen dürste, als dort vorgegeben wird; daß es ferner zweiselhafr, ob eine derartige Ernennung eine wirkliche Erhebung sei, indem 1) der französische Senat in seiner kriechenden Devotion gegen das — in der Achtung des Volkes so tief gesunkur — kaiserliche Regime ein nichts weniger als hochzuschätzender politischer Körper ist. dem einverleibt zu werden höchstens in pecuniärer Hinsicht besonderer Kraslanstrengung wertb sein möchte, und 2) eine solche von Napoleon III. erbettelte Gnade eher nne Erniedrigung zu nenne» ist, von ihm, d.r bekanntlich in der Vorrede zu seinem „Cäsar" von den Widersachern des Imperialismus die verfänglichen Worte gesprochen: „Sie machen'S wie die Juden, sie kreuzigen ihren Heiland." Uns interessirt hier vielmehr am meisten eine' Bezeichnung des Großrabbinen in jenem Schriftstück, welche aller eckt jüdischen Vorstellung Hohn zu sprech n scheint. Er wird darin nämlich einmal „Oberhaupt der jüdischen Religion" und ein ander Mal „Oberhaupt des (jük.) Bekenntniffes" genannt. Wir würden hierbei am liebsten eineu Lapsus calami im französischen Original, ober einen UebersetzungS- resp. Druckfehler präsumire», jedoch nach der wiederholt äbnlichen Bezeichnung scheint alles dies ausgeschlossen, und müffen wir don gre mal gre' einen einfachen Denkfehler darin erblicken. Denn, was soll man sich wohl unter einem Oberhaupt der jüd. Religion oder des jüdischen Bekenntnisses vorstellen? Hat die Religion oder die Consession nach jüdischen Begriffen überall ein Oberhaupt, sei eS generell, cdet auch nur local? Wo, wann und unter welchen Umständen hat es je ein solches im Judenthum gegeb^r? Rabvi Aktba Eger war in unseren Tagen eine in der ganzen Judenheit, vornehmlich in Deutschland und Polen, bvchgefeierre Autorität; wer aber, und wäre es der abgöttischste Verehrer des eben so demutbSoollen als grundgelehrten Mannes gewesen, hätte je daran gedacht, ihn als an der Spitze der jüd. Religion stehend zu proclainiren? War es wohl in der Vorzeit der sogenannte „große Adler" (Maimonides)? Ein Menschenalter hindurch wird nach seinem Ablebest sogar ein verzweifelter Kampf über den Werth oder Unwerth eines Theils seiner Schriften geführt, und noch heutigen Tages sind viele seiner Ideen nicht allgemein anerkannt. Waren die Vorsitzenden der zweimaligen jährlichen Versammlungen oder die Häupter