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Der israelitische Lehrer · 1870-07-13 · 28 (13.7.1870) · p. Seite 226

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
Seite 226 (sequence 2)
Language
German
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— 226 — Die erfa Hauptversammlung wurde mit einem Choral von Schubert, »Gott, mein Hirt" (Ps. 23.) eröffnet. Der LehrersLngerverein „Schubertbund" trug mit Harsenbegleitung das gelungene Lied vor id erhob die feierliche Stimmung-der Theilnehmer. Hierauf eröffnet« der Obmann de« Ortsausschusses, Oberlehrer und Schulinspektor Bobies die Versammlung, indem er den Willkommensgruß des Ortsausschusses brachte. „Lasten Sie uns mit hingeben der Begeisterung, mit Liebe und Eintracht an die Berathung herantteten. Auf dem Gebiete der Pädagogik gibt eS kein Dies- und Jenseits des Mains. Wir wiffen uns Alle, Alle ein« in dem Streben, Bildung und Gesittung allerwärtS zu verbreiten. Bürgermeister Dr. Felder begrüßt die Versammlung im Namen der Stadt Wien. „Es ist uns Freude Und Geyugthuung, Männern aus allen deutschen Gauen zum freien Meinungsaustausche eine gastliche Stätte hier bieten zu können. ES freuet uns dies umsomehr, weil wir selbst die Schule und ihre Träger doch halten, weil wir mit allen unser» Kräften den Fortschritt ernstlich ansireben und ihn mit allen unfern Mitteln zu fördern und zu unterstützen suchen." Er versichert, daß die Gemeindevertretung den Verhandlungen mit lebbaftem Interesse folgen werde, und daß dem deutschen Lehrerlage in Wien ein Blatt freundlicher Erinnerung gewährt bleiben werde." (Lebhafter Beifall - unterbrach häufig den- Redner.) SectionSchef Tr. Ezedlk, in Stellvertretung des Leiters des Unterrichtsministeriums, betont die Reformen, die die öfierr. - Regierung auf dem Gebiete der Schule eingkleitet,. hebt die ernst: Fürsorge des Kaisers, der Regierung uub Reichövertretnng für Hebung der Volksbildung hervor. „Möge mir gestattet sein" - sagt der Redner, „nur darauf hinzuwcisen, daß 'eine hochfinnige Reichsvertretung mit Entschiedenheit für die Unabhän^gkeit und Selb'lständizkeit der Schule eingetreten ist. .'. . Mögen Sie m. H.! die Sie auS nicht österr. Ländern hierhergekommen sind, di« Ueberzeuzung mit sich nehmen, daß inmitten nationaler Bestrebungen die sittliche Idee geistiger Fortentwicklung in Oesterreich lebendig sorterhalten wird, daß unter den einzelnen Theilen der Monarchie gerade bezüglich der Schule ein edler Wetteifer besteht und daß der Allgem. Lehrertag, der von Berlin nach Wien1 seinen Weg genommen hat, hier und in Oesterreich überall eine , beimische Stätte gefiinden hat nnd immerdar finden wird^" Der Redner schließt mit einem WillkommenSgruße von Seiten der K. Regierung und von Millionen Bewohnern dieses Reiches. (Hochrufe und Deisallssturm). Nachdem noch H. Dr. Hofer die Versammlung im Aufiräge des deutschen Vereines in W'en b'grüßt bar, tbeilk H. BodieS die Vorschläge der Vor-- Versammlung in Bezug auf die Wahl des Präsidiums und der Themata mit und werden dieselben, sowie die übliche Geschäftsordnung angmommen. Herr Theodor Hoffmann auS Hamburg übernimmt n»n das Präsidium und auch die beiden Viceprisfi»enten BobieS (Wien) und Berthelt (Dresden) nehmen ihre Sitze ein. — Präsident fordert die Versammlung auf, ihrem Danke für freundliches Entgegenkommen dem Reiche, der Regierung durch ein dreimaliges Hoch auf Sr. Majestät dem Kaiser Ausdruck zu geben. (Geschieht.) Hierauf wird;um Gegenstände der Tagesordnung „die Semknarfrage" geschritten. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Bingen. Die Probepredigten für die hiesige Rabbinerwahl sollen beginnen. Es stehen dafür Männer in Aussicht aus der Jeschiba und von der Richtung HildeSheimer's. Die Aufgeklärten erklären: wir bedürfen ja keines Rabbiners; warum sollen wir es hindern, daß die Orthodoxen sich einen Rabbiner nach ihrem Sinne wählen? Durch diesen JndifferentiSmu^sist^die Macht der Orthodoxen gewachsen, nicht durch sich selbst. Wir hoffen, daß in den Landgemeinden ein besserer Sinn und mehr Interesse für das Judenthum zu finden sein wird; *) aber dann ist eS auch nöthig, daß man nicht träge zusieht, bis das Rabbinerlcin fertig und octroyirt sein wird. Dann kommen die Klagen zu spät. Rur hüte man sich auch, in Selbstgenügsamkeit auf dem Lande sich auf sich zu beschränken nnd zu glauben, daß matt de« Stadt- und Kreisrabbiners entbehren könne. In dieser Weise würde die Süffisance und Ueberhebung des Landes mit der Gleichgültigkeit und dem Jndifferentismus der Stadt Hand tn Hand gehen Und der Orthodoxie zum Siege verhelfen. *) Aber die Landgemeinden werden nicht gefragt! Man bat die Stelle ausgeschrieben; inan hük sogar einen Probe- Prediger berufen, Alles obnc die Landgeincinden zu erfragen oder auch nur zu benachrichtigen! Diese anmaßende Omnipotenz und Ucbcrbcbung der im Ganzen doch ihrer Zersetzung durch Parrcizerklüftung, Scheinorthodoric und Zndiffentismus entgegengcbcndcn Skadlgcmeinden muß jedes Zusammengehen mit denselben unmöglich »rachen. — Ter Herr Korrespondent weiß, daß inan anderwärts s. Z. ebenso verfuhr! Wir und in der Sache sehr berheiligt, da die hiesige Gemeinde, die größte Landgemeinde des Kreises, früher wobl >/,« des ganzen Rabbinatsgebalts und vielleicht V« so viel als Bingen zu zahlen baue, unsere religiösen Gemeindeinflilutionen im Sinne entschiedensten Fortschritts, der Intelligenz und Bedeutung einer solchen Gemeinde würdig, und vorzüglich geregelt sind. Sollen wir diese durch ein aufgeblähtes Rabbinerlcin von der Richtung des durch seine Familie in Bingen den Ton anaebcnden Lehmann gefährden lauen < Wir werden »nsere mit dem Obigen durchaus divcrgircnde Ansichten motiviren, iobald wir's an der Zeit glauben, Rcdaction.

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