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Der israelitische Lehrer · 1870-06-29 · 26 (29.6.1870) · p. Seite 207

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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1 — 207 — ttr neuen Synagoge. Dort überreichte ein Mädchen mit einrr poetischen Anrede dem kgl. Herrn BezirksamtSverweser aus Scheinfeld den Schlüssel zur neuen Synaooge. Derselbe erwiderte, ans die Bedeutung dieses Altes und auf die Opirrfrrudigkeit eer hiesigen J-raeliten binweisend, in warmen Werten, gab an den Herrn Rabbiner den Schlüssel ab und unter dem Rufe: „Thut mir aus die Psorten :c.", öffnete dieser die Pforten deö neuen Tempels. Die ganze Schaar strömte hinein. Unvergeßlich bleibt uns hiebei der erbabene Eindruck, den diese gioßarlige, glänzende Versammlung in dem herrlichen, festlich beleuchteten Gotirshause hervorrie». Es wurden dann matobu, wajehi binsoa u. s. f. vr» einem trefflich geschulten Ebore mit Streichquartett ausü exakteste ausgeführt, der dreimalige Umzug mit der Thora gehalten, dann letztere unter Sang und Klang dem neuen Heitigthume übergeben. In der hieraus folgenden Rede sprach der Rabbiner (Text Vers l7, Kap. 28 des I. Buches Moses) in trefflicher Rede ron der Bedeutung des Gotteshauses. Es folgten Weihrgebet, Gebet für König und Vaterland und rin herrlicher vierstimmiger Ehoral mit Mnsikbegleitung über den 150 Psalm schloß die eigentliche freier. Kein Mißton störte die Fei r, in schönster Ordnung wurde Alles programmmäßig abgrhalren. Die Synagoge im Vordergründe, mit dem neuen Schulbause als Flügelbau, gewährt einen imposanten Anblick und ist das s^önste Gebäude im ^iefigeu'1 Orte. Dem Aeußern entspricht das Innere. Eine ' im golhischen Style ly, stvoll gearbeitete heilige Lade, nebst Kanzel und Betpult, sowie ein prachtvoller Lüstre, gestickte Vorhänge, Decken er. machen auf den Besucher einen gemülherhebenden Eindruck. Bei dieser Gelegenheit muß man rühmend auf die großen Verdienste binweisrn, die sich die beiden Culluo-Vcrstände,. dis Hern n Lippmaun Ullmenn und Isidor Jener dahier als Urheber, Förderer und Leiter der beiden Bauten durch ihre Umsicht und Thätigkrit, durch die gebrachten Opfer an Zeit und Krast erwarben, sowie - nicht minder auf das so gelungene Arrangement unseres Festes von Seilen des unter dem Vorsitze des Herrn I)r. Neuburger dahier gebildeten v-rehrlichen Feft- Eomites. Alle auSwärtigeu Frsttheilnehmer werden aber die Ueberzeugung mit stch fortgenommen haben, daß die hiesige iSrael. Eultusgemeinde dem Fortschritte huldiget, daß sie an Opferwilligkeit und Gemrinsinn gar mancher wohlhabenderen Schwestergemeinde vorangrht, daß.sie mit ihren Mitgliedern in Friede und , Eintracht lebt, daß das Bnhäitniß des Lehrers zur i Gerveinde und umgekehrt nichts zu wünsche» übrig' - läßt. Ehre und Segen einer solchen Gemeinde! Glückauf ihrem ferneren Blühen und Gedeihen. ElmSbor«. Am 8. Juni a. c. starb hierselbst Herr Joseph Ascker Lewy im 65. Lebensjahr. Durch den Hintrirt dieses Mannes verliert die jüdische Gemeinde^ einen ihrer würdigen Vertreter, die Schule ibre stütze und die Familie ihr geehrtes Oberhaupt. Er war Jahre lang Vorsteher der Gemeinde und unter welchem GesicblSpuiikie wir auch auf daö Leben des Hingeschiedenen zurückblicken, wie wir uns auch sein Streben und Wollen, sein Thun und Vollbringen ins Gedächtnis zurückrufen mögen, immer und überall erschein er als das ädfe Vorbild wahrer, gottinniger Frön migkeit, als der Vorkämpfer für Tugend und Recht, für Wahrheit und Glaube. Ein gläubiger Sinn, ein begeistert, für alles Gute schlagendes Herz, ein ernstes, sittliches Wollen, unendliche Liebe zum Judenthume, das waren die lautern Quellen, denen seine Handlungen entströmten, die labend und befruchtend ihren Strahl weithin sandten. Es war ihm keine ,-snt zu kostbar und kein Dienst z» schwer, wenn es galt, für die Gemeinde zu wirken, oder die an'S thränenreiche Bett Gefesselten aufznrichte», sie zu stärken und zu laben und ihre gesunkene, fast schon erloschene' Hoffnung von Neuem zu beleben. — Mit einem Werte : er war „Mensch" im vollsten Sinne de« Wortes und hat sich dadurch auch die Liebe aller Ortseinwohner, ohne Unterschied der Confession, erworben, welche das zahlreiche ' Gefolge bei seinem Leichenbegängnisse bekundete. Berlin, im Juni. ..l.es extremes se touchent,“ oder Judenthum und UltramontanismuS. Es muß wohl, wje schon öfter von Historikern behauptet worden, der Wabrbeit gemäß sein, daß die Menschengeschichte, — um nicht gar daö Umgekehrte zu sagen — ror-n sie zwei Schritte nach Vor» gctban, bald wieder dum rück, ä,ts mache. Seit A. 18 iS, dem Jahre der inu anigegangenen Freiheit der Völker, zu deren Derber: lick »ng (!) alsbald in Süd und Nord Judenkrawalle in Scene gesetzt wurden, haben innerhalb und außerhalb unseres Vaterlandes Perioden des Fortschritts - und der Neaclicn so oft mit einander gewechselt, daß man dadurch lebhaft an Eulenspiegel beim Bergan- undobsteigen erinnert wird. , Wer bätte unter dem so freisinnig begonnenen Ponlificat Uio nono'«, das zwei Jabre vor dem Diluvium alle Welt ob des noch nie Dagewesenen in förmliche Ekstase versetzte, noch während seiner Dauer Mcrtarafälle in Menge, Encyclica, SvllabuS mit seinen (wie jetzt erst recht bekannt geworben) weltverfluchenden oanones und JnfallibilitätSdogmen für wahrscheinlich oder auch nur möglich gebalten? Oder ließ das Regime Alexander'- II., das mit einem der herrlichsten Triumpfe der Menschlichkeit, dem würdigen Seitenstück der ein Jahrzehnt,

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