Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 26 (29.6.1870)
- Date
- 1870-06-29
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 206 Deffentlichkeit gleichgestellt und eine treffendere Bezeichnung hätte er vielleicht nicht finden können, und sie entspricht auch vollkommen der jüdischen Anschauungsweise. — Das aus. die Familie — als Mied der Denentlichkeit — und die Oeffentlichkeit, die Nation - geben nur. dann Hand in Hand, die Wohlfahrt beider ist nur dann, gesichert, wenn das Haus, wenn die Familie di? nationalen, öffentlichen Ansichten, Sitten und Gebräu >e als die ihrigen anerkennen und sie durch Wortauad Tbal. in dem Hause, in der Familie fortpflanzrn. Nur. was im Hauie Wurzel gefaßt hat, rann in k?r .7 e.üeiulichkeit als Frucht reifen^ nur was da als Ue-berzengring, als Wabrheit erklärt wird, findet dort fein -l^che. — Die Neligion, die Wissenschaft, die Kunst, die Politik Tc. sie alle dringen aus dem öffentlichen- Leben in das Haus ein uns wenn sie hier. Pflege und Ausdruck gerunken babcn, so sind ne schov dadurch allgemeines Naiionalgnt gew" Daraus folgt kie Para.elc zwischen Haus 7 effentstchkeit. - . (Schluß folgt.) 28 o (f) e « fr f r i cfc t. Becktbeim, im Juni 1670. (Schenkung.) So oft wir auch von kd^len und woblibängen Handlungen Anderer böre u oder lesen, wird unser Herz und Gcmülb frob und freudig erregt und bewegt, und wir werden nimmer satt, solche gute Werke zu vernehmen. Wir befinden uns in der angenebincn Lage, einen solchen liebevollen Act registriren zu können. Bor lö Jahren wurde unsere Gemeinde ans Sanirätsgrünren angebalten, eine neue Synagoge zu erbauen. Unsere finanziellen Verhältnisse waren zedoch derart, daß wir dies ebne eine Anleihe nicht ausznsübren vermochten. Durch Vermittlung des Herrn Frank dabier machte uns Herr Florian. Belmont ans Alzen, sel. Andenkens, ein Darlehen von 1.000 fl. zu dem niesern Zinsfuß von 2>/, rückzahlbar nach 20 Fahren in zehn Raten. Am Morgen nach dem am Ifi. v. M. erfolgten Tod« des Herrn F. Belmont erhielten wir von dem Schwiegersohn und Erben des Verblichenen, von dem in allen Gaurn Deutschlands bekannten Hrn. Dt. Ludwig Bamberger in Mainz, Mitglied des Zollparlamenks und Verfasser der Zollparlamentsbriefe ein in den freundlichsten Ausdrücken abgesagtes Schreiben, in welchem-derselbe zu erkennen gab. daß er das Andenken seines ieli Schwiegervaters ebren und die uns gewährten Vortheile erweitern wolle und in dieser Beziehung" mit dem Vorstände eine Zufammenkunftwünsche. Als kiese Italksand, erklärte derselbe, der Gemeinde obige 1000 fl. sammt den rückständigen Zinsen schenken zu wollen. Ist diese Schenkung für eine kleine Gemeinde schon vo« vedentnng, so wird der Werth derselben, durch die Art und Wstse, wie sie stattsand, noch bedeutend erhöbet. — Wir glauben annehmen zu dürfen, daß eine solche hochherzige Handlung dec Oeffentlichkeit übergeben zu werden verdiene. I N. d V. Sonnenberger. BurghaAlach. (Bayern), >0 Juni.' Heute 'iuc wir auch im Stande, Ihnen aus unserer Gemeinde etwas Intereff rines mitzutheileu. Die hiesige israelitische Cuttusg:in-insc, die nur lit» Mitglieder zählt, hat mit einem beinahe Gulden betragenden Koitenau wand, den sie fast ganz aus e gnen Mitk.ln aufbrachte, eine ueu? Synagoge und ein neues Schu Hans erbaut. Das neue Ichulhaus ist elegant uno beguem eingerichtet, hat 5 Zimmer, Lüche c. für den Ledrer und ein sehr geräumiges, freundliches, Helles und gesu des Schullocal, wie man es allen Lehrern wünich'n möchte. Letztere« wurde am 1. November v. I. durch einen feierlichen Akt mit Gesang und Rede vom kgl. DistriktS-Schul-Znspectvr, Herrn Dekan Herold dahier, eröffnet. Heute winde nun auch das Wcihefest der neuen Svnagoge in festlicher Welle begangen. Schon am Tage vor dem eigentlichen Fest? war in den Straßen und Gassen unseres friedlichen Marktes ein ungewöhnliches Leben und Treiben zu beobachten. Eine Menge fremder, meist von hier stammender Israeliten, sowie ringeladcner Gäste, fanden sich, selbst von weitester Ferne, bei ihren Verwandten hier ein. Am Festtage selbst konnte man vor dem großen Fremdenandrang, sowvül Israeliten als Nichllsraeliten, kaum die Straßen paiuren. Dir Feier begann heute Nachmittag um ll Ubr in der alten Synagoge mit Dortrag des Mincha Gebetes. Hieraus bestieg Herr Distrirts-Rabbiner Selz von Uehlfeld die Kanzel "und hielt eine ergreifende Ansprache an die versammelte Menge. Die Tborarollen wurden herausgenommen und je drei und drei wurde» unter Baldachinen dem Festzuge eingereidt. Nun wurde der Festzug unter den K'ängen eines feierlichen Marsches eröffnet, dann folgten die Sänger, die ganze Schuljugend, vom Lehrer geleitet, drei weißrckteidete Mädchen, von denen das älteste den Schlüffe! zur neuen Synagoge aus einem Sammtkissen trug, hernach kamen die Thoraträger mit dem Herrn Rabbiner in der Mitte, die eingeladenen weltlichen und geistlichen Beamten, die Lehrer der U-ngend, die Baumeister, die bürgerliche Gemeinde-Verwaltung , die Mitglieder dec CultuSgemeinde, die männlichen Fremden, raun die hiestgen und fremden Frauen und Mädchen. Es war ein erhebender Anblick, diesen langen stattlichen Ing mit anzusehen und Hunderte von Nickttisraeliten aus der ganzen Umgegend betrachteten diese seltsame Feier mit größtem Interesse. So bewegte sich der Zug bis zur Trevve.