Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 25 (22.6.1870)
- Date
- 1870-06-22
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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199 — berg wurde nach mehrmaligem Wechsel G. D. Kypke, der dahin von Halle versetzte 'Professor der orientalischen Sprachen, als Inspektor ernannt. Dieser Apostat entwickelte eine besondere Judenfeindschaft, häufte neue Anklagen und veranlaßte neue Untersuchungen. Gegen diese Anklagen wurdeMendelssohn veranlagt, eine Rechtfertigung zu schreiben, und diese ist das erwähnte neue Schriftstück des berühmten Mannes. Kypke ruhte nicht, er schrieb eine Widerlegung. Endlich petitionirten die Juden, die Petition ist wahiesckeinlich ebenfalls von Mendelssobn versaßt, des Inhalts und Zweckes man möge sie von dieser Ausnahmelast, einen Inspektor in ihrer Synagoge zu dulden, entbeb'n und zur Sicherung de« Regierungsrechts den Vorbeter, Betreff« des Vortrags der Gebete, eidlich verpflichten. Obgleich Kypke sicb gegen Gewährung dieser Bitte aussprach, so entschied doch der König (1778) zu Gunsten des Antrags seitens der Juden, lies aber dem Kypke das von den Juden fortzuzahlende Gedalt. Dieses sowohl wie die Miethe für den von dem Inspektor in Anspruch zu nehmenden Synagogensitz, welcher nun für die Juden frei, wnrde, floß später in die Universitätskasse. Ob die Verpflichtung zur Zahlung dieser Summen in Königsberg noch besteht, weiß ich nicht. Säi-.mtlicke Schrift- und Aktenstücke sind bei Borowski abgedruckt. Alzey. vr. R. Wochenbericht. Karlsruhe, 15. Juni. Dem wackern israel. Hauptlebrer Maier zu Nonnenweier wurden vom Großb. Oberschulratb 15 fl. Renumeration, als Anerkennung des guten Zustande« seiner Schule.'zuerkannt. Diese Anerkennung ist um so beachtungowerther, da e« schwer hält, das durch den neuen Lehrplan gesteckte Ziel zu erreichen. Herr Maier ist der einzige Lehrer unter 180 seines Kreises, dem von der obersten Schulbehörde, laut §. (iO des Schulgesetzes, diese Begünstiaung zugesprochen wurde. — Herr Kahn, seit 18 Lehrer in Mosbach, ist am 3. Mai gestorben. Kahn war ein tüchtiger und braver Lehrer und Mitglied unseres LandeSlehrerauSschusses. Sein Stand und dessen Interesse lagen ihm sehr am Herzeu. Er hinterläßt 5 Kinder; seine Frau erhält für sich und ihre Kinder jährlich 150 fl. aus unserer Wittwen- und Waisenkasse. — Lehrermangel ist der Grund, daß mehr als 12 Gemeinden in unserm Lande gegenwärtig ohne Religionslehrer sind. Dieser Mißstand wird _ im Laufe einiger Jahre noch größer werden, da die besseren jungen Kräfte unseres Standes ins Ausland gehen und sich gegenwärtig nur sehr wenige junge Leute diesem schweren und gering bezahlten Berufe widmen. — Im hiesigen Seminar sind von 3 Jahrgängen nur 3 iSrael. Seminaristen, und von diesen werden Ende September 2 als Kandidaten entlassen werden. In früheren Jahren zählte man durchschnittlich 8—10 Seminaristen auf 2 Jahrgänge. Unser Großb. Oberrath tbut so viel er nur vermag für die Neligionslehrer; so veriheilte derselbe auch in diesem Iah e wieder wehr als 600 fl. an verhcirathete Neligionslehrer al« Persoualzulage und 1300 fl. an kleine Gemcinden. zur Deckung ihrer Ausgaben. Die hiesige orthodoxe Gemeinde, anfänglich 28 Mitglieder zählend, besteht nunmehr, ohne daß rin Ster befall zu verzeichnen wäre, aus nur noch 23(20 Männer und 3 Frauen); e« ist um so bemerkenSwerther, da, nach den Aeußernngen der Getrennten, ihre Gemeii de sich schnell vergrößern würde. Wien. Ein politisch - katholisches Casino in Wien hat einen Preis von 20 Dukaten für die beste Lösung folgender Frage auSgesetzt: Wie kann der Vermehrung der Juden und der Anhäufung von Reichthümern in ihren Händen auf gesetzlichem Wege entgegengetreken werden?" Wie man hört, babrn sich die Redaktionen der „Kreuzzeitung", der „Norddeutschen Allgemeinen" uirddes NathusiuS'schen . Volksblottes" mit dem „Märk. Kirchenblatte" zu den Vorarbeiten für eine gemeinsame PiciSbewerbung zufammengethan. (Fr. I.) Weimar. Für die gleiche Behandlung aller Culten ist es bemerkenSwerth, daß der Landtag auch die Unterstützung deS JudencultuS, wie solche proponirt, genehmigte. Die Staatskasse übernimmt fortan die Hälfte der LandrabbinatSbesoldung läßt den Landrabbiner in die Wohlthaten der ^StaatSdiener bezüglich seiner Pension»ung eintretcn. ES ist nämlich im Weimarischen der Rabbiner nickt blyS Prediger, sondern auch Schulaufseher, und steht somit in einem gewissen engeren Verhältnisse zu dem Gouvernement, als dies in anderen Staaten der Fall Paris. Dr. Wilhelm Cahn, ein geborener Mainzer, beeidigter Dolmetsch bei den diesigen Geri i ten, hat vom Bey von Tunis das Diplom als Commandeur deö Nifchnani Jitikar-Orden erhalten. Schon früher wurde er vom Kaiser von Rußland ausgezeichnet für seine Dienste in dem berühmten Prozeß wegen der falschen russischen Banknoten, und vom König von Baiern, bei dessen hiesiger Gesandtschaft er angestellt ist, erhielt er vie3. Classe des St. Michael Ordens. R. i. Paris. Ein neuer Verein Lociete interuatic»- nale de Palestine ist gegründet worden. An der Spitze stehen Montefiore, Neffe des berühmten NamenSgenosien, und Henri Denant, der nach dem französischitalienischen Krieg gegen Oestreich den internationalen Verein zur Unterstützung der Verwundeten schuf.