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Der israelitische Lehrer · 1870-06-15 · 24 (15.6.1870) · p. Seite 193

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
Seite 193 (sequence 5)
Language
German
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— 193 — 1 staunen, daß den Leuten noch immer die alte Mähre aufgetischt wird, als befänden sich dir. in Nom seßhaften Israeliten unter dein Sccpter Piuö' IX. ungemein wohl, und daß 'iogar namhafte Schriftsteller sich zur Verbreitung dieser irrigen Ansicht verleiten ließen. Allerdings uabm Pius in den ersten Flitterwochen seines PapstEumS einen kleinen humanen Anlauf zur Perbesserung ihrer trosflo'en Lage, aber nachdem er jenen kurzen liberalen Rausch in Gaeta gründlich auSgeschlafen, vergaß er nur zu bald, was er den einfachsten Rücksichten der Menschenliebe und dem vorgeschrittenen Geste der Gegenwart schuldig war, und ließ die Rachkommen der Erzväter und Propbeten ganz w e 'eine Porgänger in d-m von m-philischen Dünsten geschwängert.» Sumpfe an der Tiber wohnen. Dessenungeachtet preist man noch immer seine mild? Behandlung der Jure». Bleibt mir überbaupt mit drin Worte .,!!! i 11e“ vom Leibe, wr.cheS, in di-ser Anwendung geb aucht, eine verdiente Strafe.vorauoseyt und das mir stets gleich einem Scorpion m die Seele sticht, so oft ich cs vernehme. Wer gibt euch das Recht, hier von milder Behandlung zu sprechen? Sind die Iudsn in Pansch und Bogen vielleicht Missethäter? Ist rS ein Eipilalverbrech.m, jenem merkwürdigen, uralten PoUe anzngehören, welches vor unoorsenklichen Tagen die Welt mit der großen Idee eines einzigen Gottes beschenkte und dessen Zitt-.nzesetz seit neunjkhilJahrhunderte» die eivilisirten Rationen regiert? lind vor Allein Kälte der Rach olger der Apostel ini Batican keinen istrnnd, d'e Israelsten ge ingzuschätze». Er i,r ihnen vielmehr zum wärmsten Danke verpflichtet. Steht doch in lenem heiligen Buche, auf dem seine ganze hierarchische Autorität dernbt. keine einr-ge Snlbe, die nicht ans indischer F'dcr .'.cflossen wäre. Trotzdem existirr aber kein Land, wo »olch rassinirte Gränelthaten in ununterbrochener Folge gegen mosaische Glaubensgenossen ausgeübl wurden, wie eben in Rom unter den Augen und ruf unmi-telba/e Austistnag des hohen katholischen Priesterthums. Har ma.i darauf vergess'n, oatz sie ooa noch nicht geraumer Zeit durch päpstliche Schergen gewaltsam in die Kuchen zur An« hörung chunlicher Predigte» geschleppt wurden und daß man ne am Schlüsse des römischen CarnevalS zur Ergötzung der hohen geistl chen Herrschaften durch zwei volle Jahrhunderte rennen ließ, gleich dem heben Pich? Paul IV. war ihr grimmigster Peiniger auf St. Petri Stuhl und ein weit ärgerer Wülherich gegen die Jude», als Richard Wagner, der Zukuftsmusikcr. Wenn dann am Faschingsoienstag israelitische Iünglinge, Männer und silberhaarige Greise die buntgeschmückte Zei'e oe» Eorso entlang athemloS hinabkeuchtrn, vom P bel verhöhnt und u n bi: Wette lauf nd mit Eseln, Büffeln "und stampfenden Berber Hengsten, da stand Se. Heiligkeit Papst Paul gemächlich auf dem Balcon und lachte, wie gleichzeitige Ebronisien bericht'», über dieses amüsante Schauspiel so herzlich, daß ilm'der Bauch wackelte Freilich batten die Inden in Rom zu manchen Perioden auch lichtere Momente, und die Statthalter Ehristi ans Erken gingen nickt alle gleich grauiam mit den Blutsverwandten des gekreuzigten Heilands um. Es gab auch einige besser geartete Ebaraktere unter ihnen, die zeitweilig für ne kleine Erleichterungen eintreten ließen. Ein solcher war S xlns V., der ein menschenfreundliches Herz unter seinem Pnrpurkleide trug. Aber di'se erträglichen Momente dauerten bi» ans die jüngste IcK niemals lange, «Gleich darauf kam wieder ein Anderer, der die wrblgemeinten Bullen seine» Vorgängers znrücknahm und von neuem gegen die gemarterten H'brä r zu wütben begann. Sogar Mu» VII., noch einer der honnctereu Papste, der vom Jahre 1 SOi.> bis sinn Jahre 1821 regierte, war nicht ganz frei von diesem unauslöschlichen Makel. -Wenn man erwägt, daß die hiesige christliche Bevölkerung von den buma isten und edelsten Gesinnungen beseelt ist,'da e» vielleicht kei ie Ration in Enrosa gibt, oie weniger geneigt wäre. Andersgläubige zn turaniiinre», als gerad' die leichtblütigen and gnthantblgen '.Renrömer, so fällt die ganze 'Wucht dieser schändlichen Behandlung der Inden einzig u ad allein ans die päpstliche Curie zurück. Ja ocr tbeokratiichen RegieriingSsorm de« KrnM'nstab.'S, in vieler Zwitterverf.issung, wo eine aind dieselbe Persönlichkeit da» Scepter und den Weihweoel in der altersschwachen Hand hält, da steckt der Griindfehle', der im Kirchenstaate das hcbrä sche Elend ,n so bohen Jahren kommen neß. Aber gottlob! das Schlimm re hätten die mißl-anoelten Urenkel Abr.aba n's und Isaak's jetzt übcr» standen. Wenn auch nicht in dem geistig verrotteten Rom, in den meisten Ländern ist ihnen die Morgenrötbe eines neue/. Daseins a ifgegangen. DaS Hepp- Hcpp Geickrei ist verstummt und anstatt feiner der Ruf X» Puperr gegenwärtig znm allgemeinen Losungsworte beioer Hälften deS Globus gewsroeu. Ihr seid vollstä.big iu der «Gesellschaft emaucipirt. MoieS, der einstige Präsident eurer Wanver-Republik, batte Recht, als er kurz" vor seinem Hins beiden eurer spätesten Rachkommenschait Glück uns reichen Segen verhieß. Die Weissagung de» jüsiichen Auingshanien ist erst in unseren Tagen wanderbar eingelroff'en. Eure K.sten und Kasten sind gefüllt bis znm Rand: alle^llöelt buhlt um eure Gunst, und vi:!ö.b!er Sion'S blicken jetzt in einer breiten glänzend.'» Straße.meiner Heimat mit abren klagen Augen von den Airan.m jener prächtigen Paläste herab, sie i.ire Väter gebaut. 0! wie erlabe ich mich an dieser angens h.-mlich-n W eservergelt.tn.z ineiere 'tausendjährigen Leisen. D.'r Gatt Israel'» ist gerecht! ' Ka l Esnard Bauerzischmiv.

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