Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 24 (15.6.1870)
- Date
- 1870-06-15
- Page
- Seite 194 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432127--2959-4899258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 194 Aer Me 1 ter. Ssovelle von I. Kl. (^ovtfeiuinß.) Hast Du, lieber Leseu nicht schon einmal plötzlich einen Laut vernommen, der eine Seite Deines Herzens erbeben macht, ycn der Du lange gor kein Bewußtsein mehr hattest; einen fremden, eenen und doch wieder alt und bekannt klingenden Ton der alsbald tausendscch in Deinem Herzen wicderklii gt und eö tiefinnerlich erfchüttert, wie eine g'heimuißrcl'e Dffenbareng? „Diese Stimme, tirseS Wort, Bella, Hab' ido nie venrmmrn? D, mein Golk, ich füble, ich stehe vor einem Geheimnisse, einem schrecklichen, folternden Geheimnisse! Soll ick, darf ick den Sc!leier lüften? WaS wird da wach in mir? Ick blicke in estie lätigstenlschwundcire Zeit; ich lag an dem Herren eincr sä öncn Iran, die »lick liebkoste, ein Mann — ein kleiner. scbwarzer, gewöhnlich etwas sinfterblickcnder Mann stand neben uns, ThränrU waren in seinem Auge, in diesem Augenblicke war. sein Gefickt beiter und hell, und „Bell a" ries er! mit'b.t'clf tu Stimme, mit demselben licbcoellen Tone! Gr ,->c bm mich auf se'neii Arm, er tanzte mit mir im Zimmer r ncher und : 2Tc 11 a, Bella! o mein Gott." Wieder lastete er umher, nach allen Seikcn, sein Auge batie sich inchr'schon an das Dunkil ccwcbnt, aber er fab nichts, keine Thüre, keine Oestst::>ng! Da auf einmal, trat fein Inst au> ein wor-ckeS Brett, es gab und' — er legte nck auf t.:: J-astboben, er tastete an ten Seilen des Gauge: — hier ein Loch, das in die Tiefe-iüknte, er stickte t.c Dünkelheit immer mehr zi: tur chdringen, sein Auge irnrec starr und ieurig, wi« das eines Nachtvogels t nrct> die gräßliche Aufregung.. Bella!, rief es wieder von unten und Bella erwiderte eine Stimme von.oben, die ein Loch gestin-, den batte, das^wobl. zur Hinablasning eines Gegenstandes in die schauerliche Tiefe da unten dienen mußte. Es war klein , d-ch <zroß genug, um einen Menschen vurchzulasfeir.. Bor dieser Oeffnuuz kniete Pater Anton. Der dort nnteN batte idn nicht geben; er wollte, er konnte, jetzt .in diesem Augenblicke nickt sprechen, nichts fragen. Er ahnte ein schreckliches Geheimnis?. das fclb't fein Leben mit ergriffen batte, aber ibm feblie in. diesem Augenblicke die Sprache, der Mutb, lick Lickt zn verschaffen. War er ja dock ein Mönck, als Knecht des Klosters erzogen in kned' tischem Geborsam und Nntcrwürfigkeil; wie sollte er jetzt so bald, ttn Mutb und die Besinnung fid> verschaffen, das schauerliche Gebeininiß zu dnrchdringen? Langsam, schleichend, wie er gckommen, ging er in seine Zelle zuruck. Die Kaputze über dem H^rnvte—, sie ist ein prächtiger Schirm, unter dem alle aufregenden Gedanken geschützt sind, die den Blick gleichgültig, gcistesarm, thkerisch unterwürfig cricheinen läßt allezeit, wäbrend es oft im Innern locht und glüht > Eine Stunde vor Mitternacht verließ.der Kapnj ziner wieder seine Zelle, fine Blendlaterne unter seinem Kapuzincrkleide. Wie ein Dieb schlich er durch die lange, feuchten Gänge nnd kam vor derOefsnung an, die das schauerliche Geheimniß enthielt. Gr leuchi tele hinab — alles stille! doch nein, ein Gemurmcl, j der Athem viclleicht eines Schlafenden,- vielleicht eines Sterbenden? 'Nein, nein, gütiger Gott, gieb mir Licht' lind „Bella" rief er laut hinab in die dunkle finstere Hoble! „Bella, Bella,'mein Gott, wer ruft hier Bella mit solcher Stimme?" sc kam eine Stimme von unten herauf! „Bist Du es vielleicht falber, Geist me: ncs selige i Weibes nnd kommst Du, mich abzurnfcn?" „Nein, nein, ick bin ein Mensch, wie Ihr, ein Kapuzner; ich habe heute Gueren-Kcrkcr durch Zujall cntdcck'. Ick wußte nickt, daß man hier Gesougkue hat, die man vor mir verbirgt. Ich bin gekommen, in dies Geheimnis; cinzudringen, viclleicht Guck zu befreien. Die heißt Ihr?" „Ich, ich heiße Jakcb, Jakob, McscS Sohn. Doch Ihr, Ihr'sagt, Ihr seid ein Kapuziner? Und Etne Stimme ist mir deck so bekannt, so vertrau: — wie die Stimme meines Weibes, meiner Bella!" ^Fortsetzung folgt.) ~ . Bericht dcr Alliance israelite universelle. (Alkgelneine« israckitikaien iUTianj) flusjug aus den ptbungspraioftoir des ckeutrakausschulses^ Sn»iig vom Br Sevtombor 1 SG!». (,'vovtfcHu;u:.j . Auch Hr. Alborl Cobn bar >wnano, in s Cinzotnc gobouto Auskunft über die Jstaoltlon diofcr Provinzen orballou. Auf einem iobr Lviduauttcii Aauin loben fast 4S0.000 Jiraelitoll und fast gar feine Christen, woraus es «ich erklärt, ivarum die Hungorsuolb. ganz beionders die hudelt getroffeu bar. Cr glaubt. wie Hr. Dereiibonrg, daß eilt Tbeil der Bevölkerung im Lande Zurückbleiben und tick da ernähren solle, rheils mit den von Auszeit oder von ibren ansgeioanderteii Jainilien-Aiigehöriaen gosandlen Unterstützuugeil. kbeils von ihrer Arbeit. Ein anderer Theil solle sich im Innern Nustland s niederlasten, die kratti.zrre» Jünglinge endlich könnten nach Anierika auswandern. Man ivird die rust'ifche Legierung