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Der israelitische Lehrer · 1870-06-15 · 24 (15.6.1870) · p. Seite 192

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
24 (15.6.1870)
Date
1870-06-15
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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— 192 — luitge Männer zu' stellen, welcke selbst von ihren I Schützlingen in das Treffen geführt werden können. : Die alte Schule hat immer noch -bessere Kräfte. aber lächerlicher Weise wollen unsre Gemeinden, im Wider- ’ sprach mit der alten Praxis und mit der in christlichen Kreisen, absolut. jung? Männer ans ihre stellen bringen. In Mnirchen wie in Fürth wird seiner Zeit sicherlich ein jüngerer Mann daran kommen, ' nicht ohne großen Kampf, namentlich in Fürth, wo die zwei Parthcien alle Kräfte aufbieren und die neue ' sicherlich Siegerin bleiben wird. Während aber di' orthodoxe Partei in Fürth mit aller Entschiedenheit für einen erklärten und ausgeprägten Maun ihrer Richtung arbeitet-und im Falle des Mißlingens^ sich sehr wahrscheinlichwon der Gesammtgemcinve abtrennen und einen eignen Rabbiner mit Zubehör sich anschaffen wird, plaidirt und wirkt die Oribodcrie offen und heimlich in Nürnberg, wo die Wahl am ersten;um Austrag kommen wird, für einen Mann, der angeblich der Neologie Conzessicneu machen, wie B die Orgel und Anderes zulassen will. Bereits wirken ihre auswärtigen Sendlinge, die. wie ibr Vorgänger einst den Juden den Lumpenbandel erwircken wollte, nunmehr als Beschützer und Festhalter des IudenthumS in Bayern sich geriren, in maßgebenden Kreisen in diesem Sinne und suchen einflußreich? Männer dadurch zu bestricken^ daß sie vorgeben, in Nürnberg dürfe man Conzessionen machen, damit nur kein Radikaler daran komme, lassen sich wohl auch tadlend gegen die Würzburger auS, uNd -daß man dort reble , keine tüchtigen Lehrkräfte zu gewinnen ec. Aber man traue den schlauen Füchsen nickt, bei welchen auch der Zweck dje Mittel heiligt. Man spricht wohl davon, daß sich für . Nürnbrrg eine Kraft gefunden, welcke diese Stelle in jeder Beziehung würdigst ausfüllen und die Gemeinde Nürnberg, ja dje. ganze kayer'sche Iudenheit geziemend repiäsentiren.würde. Man hofft, l)r. Stein würde üch bestimmen lassen, zu erklären, daß er einen Nns nach Nnrnberg annehmen werde. Seine rühmlickst bekannte retborische Begabung, seine Gelehrsamkeit, seine Charakterfestigkeit, seine Cntsckiedenheit bei aller Pietät für Berechtigtes, sein gemlliäcs Außere, lein reifes, koch nickt hohes Alter: daö Alles macht ihn zum geeignetsten Mann für diese Stelle und wir hoffen. een vielen einsichtigen und entschiedenen Männern dieser Gemeinde werden diese Agüisiticn auch gelingen. Bei allen wahrhaft das Gute wollenden Männern und Frauen herrscht rin? wahre.Begeisterung für Stein. Innerhalb eines Wahres würde kann in Nürnberg Alles in Ordnuna fe-n,' da di'e Sonagrt? in ihren Bau rasch vorschreitek. ' . ' Zum Schlaffe fei noch ein Vorgang ans Nürnberg erwähr.k, der nicht ohne F iiereffe ist. Ein renommirtcs Mitglied des dcrl-g n Theaters jüdischen Glaub'»S, mit einer Christin verehelicht, wurde kürzlich ein Knabe geboren, -den derselbe laut HeirathS- VertragS beschneiden lassen wollte. W e in allem Neuen stellte sich di; Hnperortbodorie auf die Hinterbcine and wollte dies nicht zulaffeu. Wie gewöhnlich hatte >ie auch eine hebräische Floskel dafür in Vorratb^rn?nx -pn im sagten sie, und die Mntter ist Christin. Zum Glück kam sie jedoch noch auf beffere Gedanken und ein Hr. Dinkelsbühler, ein ehrlicher, alterorthodorr Mohel, nahm den Akt vor und ist eS bei dem desfallsigen Mahl sehr, fein und herzlich herzegangen. Wir rufen Eltern und Mohel von Herzen ein z i. Feuilleton. Die jüdische, Gemeinde in Rom. 'Trig.-Corr. der „'Jttucn freien 'Twcsse".) (Schluß.) 'Was nun die soeben berührten auSnahmSweisen Lasten betrifft, so haben sie vor allem sehr ansehnliche Summen zu RegicrungS- und ecclesiastischen Zwecken aufzubringen. Ueberd'eS müssen sie daS alljährlich wiederkehrende Stipendium für jure katholischen Beamten regelmäßig entrichten, die ihnen zur Ueberwachuug ihrer Finanz-Administration in der eigenen Gemeinde von der obersten Staatsbehörde aufgedrungen werden. Die beiwcitem himmelschreiendste Steuer ist aber folgende: Sie sind gezwungen, an jede der zwei kirchlichen Anstalten, nämlich au die Oussa. Pia der Katechuineneu und das Kloster der Couvertiten, also gerade an ihre erbitt-rsten Feinde, noch sinmu einen jährlichen Tribut von fünftau endzweibuiidertfünfziz Lire ahzuführen, welche beide Institute fleißig daS berüchtigte Handwerk der Judrnbskehruuz treiben, die in der abscheuecregenden Geschick'? oon den israelitischen Kindern Mortara und Coön, jenem Ouaus belli des beleidigten innersten Familien-HeiligthnmS, seinerzeit ihren Gipfelpunkt erreichte. Bei dem Csnvertiteuhause findet eher noch ein höchst eigentbümlich erschwerender Umstand statt. Wenn sich ans Spekulation ein fremdländischer Jude zum Bcbufe der Bekehrung dort auinehmen läßt und dann nach sechswöche.itlicher Prüfungszeit, wie d'eS häufig geschieht, bei ihm eine plötzlich: Sinnesänderung ciutritt, daß am Ende feine Taufe nicht vollzogen wird, io muß die u.ischnldige Gemeind: für ihn die inzwischen auf,gelaufenen Atznngökosten Unnachsichtlich bezch'en, also gemcinsa u Strafgeld dafür erlegen, daß der Convertinmgs - Candidat sich eines Besseren besann und wieder dem Teufel verfiel. Dies ist wohl in rem ganzen päpstlichen Fudencodex das stärkste Stück Nach bi irr durchaus wahrheitsgetreuen Darstellung der obwaltenden Verhältnisse muß mau wirklich er»

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