Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r — 166 — dies, weil H. R. der Angegriffene sei und diesem zur Verteidigung daS letzte Wort gebühre, dann aber auch, weil er der Sohn des einflußreichen und judenfeindlichen Minister« sei. Jndeß verwirft das Journal selbst die vertheidigtr Sache, wie die dafür angeführten Gründe.. Jede und namentlich religiöse Verfolgung sei verachtungSwerlb. Tie Rechtfertigung der Austreibung und Vernichtung der Juden durch Hinweisung auf ihre zahlreiche Ausbreitung erinnere an das damalige Verfahren Pharao's in Aegypten gegen sie. Die Juden. Rumänien'S sollen Feinde der Aufklärung und Bildung sein. Sind denn, fragen die Debats, die Juden Rumänien'S -verschieden von den Juden anderer Länder, wo sie es nicht sind? Der Talmud selbst soll die Juden zu gebernen Feinden der Christen und der Bildung machen. Man sieht, sagt daS I., daß Hr. H. R, welcherdie Rumänen von dem Vorwurf des .Fanatismus und deS VorurtheilS reinigen will, selbst davon voll ist. Die beleidigenden Ausfälle gegen Cremieux haben die D tbeilS gestrichen, «Heils modisicirt. Der Brief' lautet: In Nro. 1» - Ihres Blattes ist unser Brief auszugsweise enthalten zur Zurückweisung der Angriffe Cremieux's gegen Rumänien; wir hoffen. Sie werden uns noch einmal gestatten, die neuen Beweise Cremieux's, womit er uns wieder entgegengetreten ist, zu widerlegen; wir rechnen auf dir Gerechtigkeit gegen uns, wie Sie sie für Andere bewiesen. Tie wichtige rumänische Frage herrscht nun 4 oder 5 Jahre. We!che Mittel hat nickt Cremieux und di« Alliance angewandt, um zu beweisen, daß daSrumänische Volk barbarisch, unduldsam und sanati ck sei, und gehässige Verfolgungen von ihm gegen dje mosaische Religion gerichtet werden. Unser Gegner, als er sich genötbigt sieht, auf dir vorgebaltenen Tbatsacken endlich entschieden zu antworten, verläßt plötzlich sein -System und erklärt ganz entschieden, daß die Rumänen keine Feindsckast gegen die Juden haben, gut und duldsam seien und den Haß gegen die Anhänger irgend welchen andrrn Cnltus garnicht begreifen. Cr. entscheidet sich dahin, in den Gesetzen nur noch die im Namen der Gesetze allSgcübten Verfolgungen zu sehen; die Gesetze selbst seien nicht vorhanden, die Verfolgungen gehen von den Agenten der Regierung auS, welche er „Führer" nennt. Wie werden -gleich von der Berechtigung und Art dieser Verfolgungen reden, wie auch einige Thatsachen, welche Er. in seinem Briefe erwähnte. Was di« Beweisjührer gegen unS zum Unterschiede von unS auSzeichnet, ist, daß sie während all der Zeit sich nicht gescheut haben, die beleidigendsten Ankläger gedi« neue Nation zü verbreiten, deren tief wurzelnd« 6»esühle vo» Milde und Duldsamkeit sie doch kennen. Heute, wo sie ihre irrthümlichen Behauptungen vor der öffentlichen Meinung nicht mehr aufrecht halten können, geben sie die» alle» mit einer Leichtigkeit auf, welche unS zeigt, wie schnell sie Beweggründe finden, wo sie ihrer bedsirftiß sind. Paris. Der erste wissenschaftliche Preis an der Sorbonne ist der Arbeit eines Profeffors in Aix: '„Die Juden in Avignon" zuerkaunt' worden. Bekanntlich wurden die Juden am Ende des 14. Jahrhunderts zum zweiten Male (daS eiste Mal am Anfänge des JabrbundertS) auS der Provence vertrieben. Nur in den päbstlichen Städten Avignon, CarpontraS rc. durften sie bleiben. Hierdurch hat Avignon sogar eine eigenihümliche, d h. seine ursprüngliche und dadurch abweichende Liturgie behalten; DaS Machsor Avignon" hat demnach cultuellen und historischen Werth. Wir wissen aber nicht, in weit die Arbeit deS Profeffors die literarhistorische Seite berührt. — Das Journal des savants enthält eine Arbeit des Profeffors Franck über Philosophie und Wissenschaft zu Gunsten der Theoreme des Judenthums. — Das Journal asiatique enthält einen posthumen s Artikel des verstorbenen Cloment - Mallet über die arabischen Namen verschiedener Pflanzensümilien, der auch für biblische und talmudische Sprachstudien Werth bat, indem er manchem unbekannten Pflanzennamen! Deutung gibt. P. i Paris. Geben wier es auf, die Fortsetzung der Artikel übe, Rumänien auS Brüchüren und ZeitungS- > Polemik zu liefern; es gibt Dinge, für welche man! vergeblich mit Vernunftgründen kämpft, weil eben das ' Volk daS Rechte schon erkannt, und daS Unrecht auSüben will. Sv ist es mit der Judenangelegenheil in allen Ländern gegangen und geht selbst in Deutschland, dem gebildeten Deutschland, auch heute noch so. CS gibt Tinge, deren Knoten gar nicht gelöst werden können, sondern mit drm Schwerte durchhauen werden müffen. Ein solcher Knote ist die Rumänische Judenfrage. In Mitte der Verhandlungen und der ganz neuen Ministerkrisis lesen wir aus Tekutsch, daß dort wieder neue Judenverfolgungen, Demolirung der Synagogen und Judenhäuser, Mißhandlung der Personen, vorgekommer. ist. Die Polizei sah untbätig zu, angeblich weil sie dem Pöbel gegenüber zu schwach war; desgleichen das. von Außen berbeigeeilte Militair. Nach vollbrachter und vollendeter That, als der Haufen sich zerstreut, nabm man wie zum Scheine einige Verhaftungen vor. Wahrscheinlich sind dies später Solche, für welche sich die Beweise der Theilaahme nicht liefern lassen. Nach Abiffynien wurden für Bestrafung und Verh nderung der Gewalthaten sofort militärische Expeditionen ausgerüstet; wahrscheinlich geschieht eS auch so jetzt zur Vernichtung b»S Banditenwesens in Grichen» land. Aber dort handelt« und handelt es sich auch um Christen, in Rumänien nur um Juden. Die fremde Intervention kann hier keine Schwierigkeit