Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 163 — meindrbnnde beleuchtet und wenn thunlich, ouSgeführt werden. Nicht dürften die großen Gemeinden meinen, sie bedürften der kleinen nicht; ebenso wenig wie diese selbst ihre Mitwirkung jür überflüssig oder nutzlos halten. Zu einem großen Baue gebären eb n viele und verschiedene Kräfte! Ernsthaite« Wollen führe zu tüchtiger LhatI — Jetzt herrsche unter den deutschen Juden die absolute Zerstreuung, jede Gemeinde wirke für sich allein, eine hochnotbwendigr und unabweisbare Forderung an die Juden Deutschlands sei eS, sich zum Gemeindrbunde zu vereinen. An den Fragen der Lehrerausbildung (namentlich für kleinere Gemeinden) und des Pensionssonde jür Beamte gibt Redner Beispiele, wie segensreiche Ausgaben deS Gemeindebundes harren, wie es ein Glück sei, daß hohe und reine Ideen zugleich wahihaft Regeln der Nützlichkeit im Gefolge hätten (Bravo!) Einem Vorschlag deS Herrn Calm auS Bernburg, gegen die Herausforderungen des Concils und der innern Mission energisch zu protestiren, bekämpfen lebhaft die Herren Feigl (Prag), Advokat Dr. Emil Lehmann (Dresden), Rechtsanwalt Josephthal (Nürnberg). Der Gemeindebund würde ja schon durch sein Bestehen ein Protest gegen alle Feinde sein. Eine Form, diesen entgegen zu treten, würde sich finden. Rechtsanwalt Josephthal erklärt die besonder« in Süddeutschland verbreitete Besorgniß, als ob der Gemeindetag eine gewisse religiöse Richtung bevorzugen , andere aber (streng orthodoxe) verdrängen werde, für unbegründet und fordert die anwesenden süddeutschen Glaubensgenossen aur, diesen Jrrthum daheim zu berichliaen. Herr Adv. Lehmann betont, daß man im Gemeindebunde nicht konfessionelle Parteisachrn, sondern daS Einigende im Judentium im Auge habe» werde, daß alle Richtungen darin Platz finden würden. Mit Dankesworten für den Ausschuß schieden dir Anwesenden, nachdem noch zahlreiche Beitrittserklärungen erfolgt waren. Diesem Danke schließt sich Ihr Referent namentlich für den Vorsitzenden 'deS Ausschusses, Herrn Moritz Kohner, vcn Herzen an, der in edelster Absicht unablässig durch Wort und Schrift dafür wirkt, daß der Gemeindebund. recht bald ins Leben gerufen werden könne. Möge er nicht müde werden in feinen so echt humanen Bestrebungen, nicht de» Muth verlieren, wenn auch daS Ziel «och lern isll — Heißt eS doch: Wer auSharrt, wird gekrönt! Dr. E. Samcstz. Die Orgel in der Tynagoge. Die Israelitisch« Wochenschrift hat neuerdings die Frage über die Einfühlung der Orgel in die > Synagoge au« der Region ritueller Entscheidung in diejenige ästhetischen -Geschmacks gedrängt. Da hitr- 1 durch mit der Orthodoxie gebrocken ist, so unterliegt wohl das Spielen der Orgel an Sabbathf und iresttagen durch die Hand eines Juden kriney religiösen Skrupeln mehr. In der Thal liegt diese Sacke auch gar nicht anders, als der Vorkrag jüdischer Gesänge durch den Mund Andersgläubiger. da» Absingen de» Schema durch bezahlte christliche Choristen. Der Widersprach ist ganz gleich. Der gottesdienstliche Gesang in cher Svnagoge muß entweder durch Juden auSgeiührt werden oder unterbleiben; die Orgel iir entweder nicht zulässig für die Synagoge^ oder sie darf, ja m u ß durch die Hand eiues Jutjen gespielt werden. Die musikalische Begleitung ded Gesänge ist nur ein andrer LlnSdruck desselben Inhalts. Der Vortrag der Gesänge wie deS Orgelspiels findet in gleicher Weise zur Ehre Gottes Statt. Bezahlte Miethlinge aber, denen Geist und Herz der Sache fremd sind, ja ihr ost opposionell gcgenüberstehen, können dabei nicht zur Ehre Gottes Mitwirken. Jodeß ist die Orgelsrage durch hie Hervorkehrung ihrer ästhetischen Seite nicht vorgerückt, nickt im Sinne des Fortschritt» zur Sprache gebracht worden, die die Einjührung der Orgel erstrebt, sondern der Orthodoxie, welche diese zu bindern suchte. Es ist > uns zwar kein einziger Grund des äfth tischen Ge-! schmäckS gegen die Orgel vorgeführt worden;' aber i man fühlt es heraus: obgleich man die Orgel nicht! verbieten kann, die Gewohnheit spricht gegen sie. und ' so verhält man sich theilv apathisch, tbeilö antipathisck gegen sie. Weher sollte auch die Sympathie für sie kommen, wenn man die Orgel weder kennt, nock hört, sick die Ohren vor ihren Tönen verstopft und die ' Synagogen flieht und meldet, wo si» gespielt wird? Wir wissen auS Erfahrung, daß anfängliche Gegner .der Orgel, selbst solche prthodoxer Richtung, durch die Orgel selbst für sie getvonnen worden sind. Man hat indeß gefühlt, daß die Gründe fehlen, die ästhe- , tischen, wie die rituellen, welche gegen die Orgel spre- : chen; mait. hat deßhalb außer einer beiläufigen Aeu-; ßerung Göthc's, den, vielleicht Ein Mal, wenigstens! ohne sich der Gründe beckußt zu sein, da» Orgelspiel 1 nicht sympathisch berührt hat. auch daS musikalische! Gutachten eine» christliches! Anonymus ins Feld gej führt. Beidm gegenüber werden wohl die Aussprüche! zweier musikalischen Autoritäten ersten Rangs nicht! bloS daS Gleichgewicht halten, sondern das Uebergr-! wicht gewinnen. Robert Schumann sagt in „Musikalische HauS- und Lebensrcgeln" S. 21: Gehst Du an einer Kirch« vorbei und hörst Orgel darin spielen, so gehe hinein und höre zu. Wird e» Dir gar so wohl, Dich selbst auf die j Orgelbank setzen zu dürfen, so versuche Deine (leinen Finger und staune