Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 21 (25.5.1870)
- Date
- 1870-05-25
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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ftimmung durch Ihre Beitrittserklärung.- Wohl sah und hörte man dem Redner an, daß, waS er sprach, auS dem Herzen kam, daß eben das Herz ihn beredt gemacht. Da wirkten auch seine Worte. Sofort erklärten dir meisten der Anwesenden ihren Beitritt zum Bunde. Herr Dr. Goldschmidt erinnerte daran, daß die Institution de« Gemeindetags ein« durchaus jüdische -und daß bereits vor 250Jahren ein Gemeindetag ins Leben getreten sei, der. wie der jetz'ge, sprachlich begrenzt war. (Tekanot arba arazot. Institution der vier Länder). Die bedeutendsten Gemeinden schickten ihre Gemeindevorsteher und 6 Rabbiner als Deputirte. Auch damals waren als- Ort der Versammlungen Meßplätze gewählt: JaroSlaw und Lublin. Auch der Zweck dieser Versammlungen war ähnlich demjenigen unseres Gem?indebundks: man wollte verschiedene Einrichtungen für dieJudenheit treffen, hinsichtlich der Steuern, des Handels unddes Wandels, eine« geordneten Gemeindewesenu. s. w. Nicht neu ist der Gedanke eines Gemeindetage«, denn er ist ganz au« dem Geiste des Judenthums. Hierauf ergriffen noch die Herren Holländer aus —Leobsckütz, Philipp aus Lübekke und Stetthrimer aus Mannheim das Wort, ersterer für den Beitritt zum Gemeindebund, letzterer betr. des Armenwesens. Auf eine Bemerkung de» Herrn Keller.aus Köln wegen gleichzeitiger Abhaltung de« Gemeindetags und der Synode und'be;, de« Nichtbeitritts Kölns zum - Gemeindebund berichtet Herr Kohner, daß Synode und Gemeindetag nichts mit einander gemein haben, daß der Gemrindebund nur dasjenige ins Auge fassen wolle, waS die Gemein'ren eine, nicht w'S sie trenne; daher alle religiösen Parteifragen grundsätzlich ferngehalten würden. , Nachdem Herr OÜeSheimer aus Fürth dem Vorsitzenden für di« Einladung und eindrucksvolle, warmbersige Rede den Dank der Versammlung ausgesprochen, ersuckte Herr Vorsitzender die Anwesenden, einige Druckschriften betr. des GemeindetagS und der Alliance in Empfang zu nehmen, bestimmte unter Zustimmung der Anwesenden die zweite Zusammenkunft ans Sonntag den 1. Mai und. forderte zur Gründung von Zweigvereinen und Localcomite'S für die Unterstützung der Westrussen und der Alliance iSraelite universell« auf, da die Zahl der deutschen Mitglieder derselben keine deren Bevölkerung entsprechende sei. Die Stimmung der Versammlung, wie sich dieselbe in Gruppen länger Verweilender auosprach, war ein« durchaus gehybene, wa« sowohl der einstimmig geäußerte Wunsch nach einer zweiten Zusammenkunft al» die Zeichnungen, zu« Beitritt kund thaten. ' Wir glauben, daß unsere Gäste, von dem Bewußtsein erfüllt, wie der Gememdebund ein« Nothwendigkeit für das deutsche Israel sei, io ibre Heimath zurückkehren. Mögen sie eingedenk der trefflichen Worte deS Vorsitzenden des Ausschusses des GemeindetagS daheim ein jeder in seinem Kreise die Parole austheilen: Tretet dem Bunde bei, ihr klffnen und großen Gemeinden, denn nur mit vereinten Kräften ist Israels Mission zu erfüllen! Die zweite vom Ausschüsse deS deutsch-israelitischen GemeindetagS einberufene Versammlung zur Meffe hier weilender Mitglieder deutscher Gemeinden fand Sonntag den I. Mai in hiesiger Synagoge statt. Der Vorsitzende, Herr Moritz Kohner, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, worin er die Mittheilung machte, daß heute Berlin seinen Beitritt zum Gemeindebund gemeldet, derjenige Königsberg» in naher Aussicht stehe. Redner erörtert dann uochmals die Frage des jüdischen Bettelwesenö und NothstandeS der westrussischen Juden und widerlegt überzeugend die thörichten Einwände derer, welche meinen, daß es nicht unsere Sache sei, für die westrusstschen Juden zu sorgen. Solchem JadifferentiSmuS muffe man entgegenlreten. Einheit war von jeher der Ruf des Judenthums. Der Zusammenhang der Juden innerhalb der einzelnen deutschen Länder sei gelockert, ihn wieder herzustellen müsse man bestrebt sein. Wie England sein board of Depatiea ofthe Englisch Jews, Amerika sein board of Delegates of the American Jews, Frankreich die Alliance Israeüte universelle habe, so müssen die deutschen Juden ihren Gemeindebund schaffen, zur Vertretung der Interessen derJudenheit, zu gemeinsamen Berathungen über Gemeindeanzelegeuheiten, wie des Religionsschulwesen«, den BeamtrnpensionsfondS u. s w. Es sei an der Zett, der Zersplitterung Einhalt zu thun, schon weil eS dringeuv Noch thue, unsern bedrängten Brüdern mit vereinten Kräften beizustehen. Verschieden seien die Wege, wie die Vorsehung helfe; einer derselben sei, daß sie gute und hülssbereite Menschen auf die Erkenatniß hinlenke, wie sie helfen könnten (Bravo 1) Prof. Dr. Lazarus au« Berlin schließt sich den Auseinandersetzungen de» Vorredner« an und beklagt gleichfalls die noch so schwache Betheiligung am Gemeindebunde. Mancherlei sei zwar von Einzelnen schon geschehen; so habe Berlin 50 junge Israeliten ausgenommen, die thells zu Handwerkern, theilS zu Lehrern ausgebildet werden sollen, um später als Träger der Eultur in ihre Heimath zurückzukehren. Um wie viel Größere« werde geleistet werden können, wen« die jetzt vereinzetten Kräfte geeint seien. Jeder an irgend eine» Orte auftretende große Zweck, jeder irgend praktische Vorschlag «erde sofort vom Ge-