Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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158 — worden sei. Wenn sich dieses Ereigniß auf hier, WormS, bezieht*) so bliebe das Wort „einflußreich" zu widerlege«. Der hiesige Erbauer einer So»dersynagvge 8-'2. halte noch keinen Einfluß auf unsere hiesigen cultuellen Verhältnisse, hat sich um bereu Wohl nie bekümmert und war nie bei deren Verwaltung thätig. Der Erbauer dieser Synagoge hat sich ja nickt einmal bei Errilbtung des hiesigen iSrael. Hospitals betheiligt,' während dies alle hiesigen, mehr oder minder bemittelten JSraeliten thaten, zahlt nichts zu desien Erhaltung, hat sich sogar im 4. Quartal deS vergangenen Rechnungsjahres von unserem ArmenunterstützungSverein loSgesagt. Wir glaubten Jbnen daS berichten zu müsien, um die wahren Beweggründe dieses reichen aber nicht einflußreichen Erbauers einer Synagoae beurthrilen zu können. Worms. Der lbe» veröffentlicht«- Rechenschaftsbericht der Verwaltung des israel Unterstützungsvereins dahier bezeugt in erfreulicher Weise den großen Wohlthätigkeitesinn - der Kiesigen Religionsgemeinde. Trotzdem sich die Mitglieder unserer Gemeinde an allen wohlthätigen Bestrebungen nach Außen lebhaft betheiligen, (so sind für die wrstrusiischen Juden hier verbältnißmäßig die bedeutendsten Gaben gesammelt worden und die Alliance iSr. universelle hat hier wohl nahe an 1t 0 Mitglieder), so sind doch für Ortsarme fl. 1731. 32 kr. in 1056 Unterstützungen verabreicht worden. ES ist dies besonders das Verdienst unserer ArmenuutrrstützungScommission, der Herren Jsaac Psungst, Salomen Scheuer und Julius Blün, welche sich mit recht jüdischer Hingebung wöchentlich 4mal dem schwierigen Geschäfte der Vertheilung unterziehen. Cöln 22. April. Der Vorstand der iSrael. Synagögengemeinde dahier bat an das Oberbürgermeifteramt und das Stadtverordnetenceellgium ein sehr interessantes-Schriftstück erlassen, das uns gedruckt vorliegt. -Es wird in demselben die vollständigste Gleichstellung der isr. Schule und Lebrer von Seiten der Stadt mit unwiderleglichen Gründen gefordert Die Stadt gibt jetzt zu den israel Schulen 354 Thlr., — eine Subvention, welche nach der Kopszabl der Schulkinder bemessen ist — und 800 Tha>er Mietbsentschädigung für das Sckullokal, während das Desicit von Thlr. «200 aus den Mitteln der jüdischen Gemeinde, d. h. durch Umlagen zu beschaffen sind. ,Würde das städtische Normativ auch für die jüdischen Lehrer maßgebend sein, so würde das Büdget der Gemeinde dauerd so belastet, wie der Vorstand nicht berechtigt zu sein glaubt. Ruch glaubt der Vorstand nicht, einen *) Obwohl wir hierüber keine Mittheilung von unserem Korrespondenten haben, so glauben wir doch nicht, daß Worms gemeint sei, glauben vielmehr, daß dort von einer Gemeinde in der Nähe Berlins die Rede ist. Redaction. von dcn angestellterr Lehrern bevorzug» und als Hauptlehrer anstelle« zu dürfen, um das freundschaftliche und harmonische Zusammenwirken der Lehrer nicht zu stören. AuS diesen und andere» Gründen verlangt der Vorstand die volle und ganze Uebernahme der Schule von der Stadt. Nur so kann den jüdischen Lebrern die volle Gleichberechtigung mit ihren christlichen College« werden und die jüdische Schule ist nur dann im Stande, daS städtische Normativ als auch für sie geltend zu betrachten. Der Vorstand will nur die dem conftssionellen Charakter naturgemäß nvthwendige Einrichtungen geschont wiffen, in allem andern wünscht er eine völlige Unterordung der jüdi'chen Schule unter die städtische Schulbehörde und volle Geltung des Normativs auch für die jüdische Schule. Wir sind auf den AuSgang dieser Angelegenheit gespannt. Marburg. Der Earl Aschburnham besitzt ein altes Manuskript, enthaltend eine alte lateinische Uebersetzung (Jtala) des 4. und 5. Buches Mose. Davon hat er 120 Exemplare mit Faksimile für Privatbände drucken lassen Durch Vermittlung des Prof. Pauli ist auch der hiesigen Universitätsbibliothek ein Exemplar verehrt worden Angeblich soll das Manuskript dem fünften Jahrhundert angehören und über Hieronymus, der bekanntlich nach der Jtala die Vulgara anfertigte, hinausgehen. Der Charakter der Schrift läßt indeß die Annahme eines so hohen Alters zweifelhaft. Ohne Zweifel ist dieses Manuskript Fragment und gehörte vielleicht einem Rest an, der sich wohl noch aus der Pariser Bibliothek findet. Der ursprüngliche Besitzer hieß Libri, der unter Louis Philipp Bibliothekar war und wegen Veruntreuung von Büchern verurthcilt worden ist. Des Manuskript hat für die Erforschung des Bibeltextes jedenfalls Interesse. Hamburg. Die hiesige Talmud-Tora-Schule hat das Reckt zur Entlassung für den einjährigen Freiwilligendienst crhalten; der Ree'schen Realschule ist eS verweigert worden- Man erkennt daraus, wie sehr seitens der Regierung die orthodoxe Richtung auch unter den Juden begünstigt wird. Aus diese Weise wird die Orthodoxie in Preußen militärisch befohlen; man beherrscht oie Geister durch die Eiazwängung in bestimmte Schulen und Schulleitungen. Paris. Für den zweiten Tag Pesach hatte der Grand-Rabbiner Kahn angeordnet, die sogenannte Schemone ESra von Muffaf nicht erst als Stillgebet, sondern sofort laut Vorträgen zu lassen. DaS überraschte Publikum oppvnirte und revolutionirte. So wenig ist die Reform hier vorbereitet, obgleich man jetzt die Miene annimmt, die Opposition habe nur in der Uebrrruwpelung ihren Grund; wenn daS Publikum präponirt gewesen wäre, würde eS eine so zweckmäßige Reform willig acceptirt haben. Aber auch