Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 20 (18.5.1870)
- Date
- 1870-05-18
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 156 — fördert — wahrlich, die Minner der Würzburger Schule hätten dafür weder Sinn noch Willen, noch auch die moralische Kraft, und die Lehrerrelikten wären heute noch in derselben Lage wie ehevem! Und einen solchen Mann nennt da« fromme Blatt einen Lügner — da« „Wrdk eine« Lehrer«*^ Ist da« eia würdiger Ausdruck, dem Alter gegenüber, von Leuten, die doch so sehr am Alten hängen? Wenn ein Mann nach mehr denn 40 Jahre treuer Berufserfüllung selbst um seine Penstonirung nachsacht und in den ehrendsten Ausdrücken auch erhätt, wen« er im ehrendsten Andenken bei allen Gliedern seiner Gemeinde und seinen Schülern steht, wenn derselbe, .ohne je die Farbe zu wechseln, sich in einer dem Fortschritt abholden Umgebung immer offen und ftei, und. oft zu seinem Schaden, gegen da« Frömmlerwesen und alle leere Formdienerei rc. ausgesprochen, ohne deßhalb in seiner Schule oder in seinem Leben selbst der lauernden, verfolgenden frommen Partei irgend eine Veranlassung zu irgend einer gerechten Klage gegeben zu haben, obwohl er in,jeder Jett offen und frei. und gegen Jedermann sich stets zu der Wahrheit bekannte; wenn er bei Noth und Entbehrung und im schweren Kampf für die Bedürf nisse einer großen Famiie sich doch obeu erhielt und sich in seinem amtlichen Wirken nicht blo« die Anerkennung seiner Vorgesetzten durch diese lange Zeit erworben und erhalten, sondern dabei auch noch für einen größeren Kreis nickt ohne Erfolg seine Thätigkeit einsetzte, —und dieser hämische Würzburger weiß ihm weiter nichts Schlimmeres nachzusagen, als daß er nicht mehr recht gesund und eben auch nicht jung den Jahren nach ist — btnn'anbcrc« kann doch der euphonische, abgebrauchte Ausdruck: er sei das „Wrak eine« Lehrer«* nicht bedeuten— so muß e« um den sittlichen nnd religiöseis Werth eines solchen Pamphlttisten und feiner Sache sehr, sehr schlecht stehen! Wir zweifeln,, ob der Würzb., wenn er einmal in den Herbst seines Lebens tritt und ihn keinerlei Rücksichten mehr an die Hyperorlhodoxen ketten, bei so vielseitig zuerkaunter Geisteskrische und bei so viel Begeisterung für-Juden unt> Judenthum, für alles Gute und Schöne, für Lehrer- und Lehrerstand ein so ruhige« und angenehmes Alter genießen wira, wie es dem Schreiber dieses von dem bayerischen Berichterstatter deS „Israelitischen- Lehrer*, von „unserem* Krämer bekannt ist. Wir wissen, daß der Wunsch, eS möge ihm so ergehen, die Rache Krämers bildet und wollen schweigen. . Es schien unS angezeigt, diese Entgegnung dem „Israelit", in dem den Angriff erfolgte, zur Aufnahme zuzusendcn. Aber man weiß, daß den frommen Herren der alte, schön« jüdische Grundsatz: D3’nx yiop eben so viel gilt al« cupn m*» ’Jsd und alle andern schönen, reinstttlichen Grundsätze der Bibel. Jndeffea zweifeln wir nicht, daß dem Würzburger, trotzdem er da« Lesen de« „JSr. Lehrer* leugnet, dieser Artikel doch zu Gesicht kommt und wenn auch nicht, doch zur Klarlegung der Wahrheit dienen wird. novp (a*v D*’p D’bnn) ino *ty no*om ’dd r>sn -m" Soweit unsere Correspondenten. Ala unS der besagte Artikel zu Gesicht kam, beabstchttgten wir, im „J«r. Lehrer" die ganze Geschichte gar nicht zu berühren und nur, soweit die Achawa davon berührt war, eine Erklärung durch den „Israelit" zu veröffentlichen. Der „Israelit" hatte gerade in jener Woche einen Artikel gebracht mit der Ueberschrift „die Wahrheit und den Frieden liebet"; wir mußten also mit Bestimmtheit, auch im Hinblick, auf das Preßgese tz, glauben, daß diese Erklärung Aufnahme finden würde. Wir haben un« getäuscht. Wir haben 3 Wochen gewartet, die Erklärung ist nicht erschienen. Wir drucken sie hier wörtlich ab: Ober-Ingelheim den 19. April 1870. Löbl. Redaktion drS „Israelit" ersuche ich im Namen deS Recht« und der Wahrheit, im Namen und im Jntereffe einer hochwichtigen und heiligen Anstalt um Aufnahme nachstehender Berichtigung. resp. Erklärung in der nächsten Nummer Ihrer Zeitschrift: 1) ES ist Lüge, daß die Achawa (neben ihren Geldgeschäften?) Propaganda zum Ruin deS JudenthumS - soll hier wohl heißen: des „orthodoxen" JudenthumS — betriebe, wie Ihr Correspondent auS Würzburg in der 2. Beilage Ihrer Nummer 15/16 schreibt. Keinem Mitglied der Verwaltung der Achawa ist eS noch eingefallen, weder bei Aufnahme neuer Mitglieder noch bei geforderten Unterstützungen nach der religiösen Richtung zu ftagen. ES ist Unsinn oder absichtliche Entstellung der Wahrheit, glauben machen zu wollen, wir kön nien wiffen, welcber Richtung die oo. 200 Mitglieder unseres von Gott gesegneten Vereins angehören. Wenn der Cvrrespon? dent auf daS frühere Vereinsbuch Achawa abzielt, so wird er wohl wiffen, daß Niemand zur Lektüre oder zum Verkaufe jenes Buches angehalten war, daß schon zwei Jahre keine Achawa mehr erscheint und daß eS übrigens schwer fallen dürfte, in diesem Buche Anregungen zur Propaganda für Reformideen zu finden. 2) Der „Jsr. Lehrer" war vor der Achawa. Ich erkenne es als dir ges gneiste und glücklichste That meines Lebens, daß mich der Barmherzige gewürdigt hat, durch den „Jsr. Lehrer" diesen Verein zu gründen, durch welchen schon so manche Thräne meiner Brüder, der Lehrer Israels, getrocknet werden konnte. In den fünf Jahren ihres Bestehens hat die Achawa nahe an 3000 Gulden Unterstützung verabreicht und i r