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Der israelitische Lehrer · 1870-05-18 · 20 (18.5.1870) · p. Seite 155

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
20 (18.5.1870)
Date
1870-05-18
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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— 155 — Von diesem unserm, von sehr Bielen gelheilte» Standpunkte aus berichteten wir: 1) Herr Rabiner Bamberger läßt grundsätzlich und unbedingt in seiner Lehrerbildungsanstalt einen Unterricht in irgend einem musikalischen Instrumente nicht zu und folgerichtig und selbstverständlich auch keine Uebung in einem solchen. Konnte diesem der Würzburger widersprechen? Antwort: Nein. Er hängt sich darum an Nebensächliches und sagt, daß solche l Zöglinge, welche vor dem Eintritt Unterricht im Violinspiel genossen, sich darin üben dürfen. Mag sein, daß hie und da ein Zögling, der sich für daS Schulfach auöbilken wollte, vor dem Eintritt solchen Unterricht nahm, weil er nicht wußte, daß er sich dadurch in den Augen des Vorstands mißliebig macken und daß er darin während seine« Aufenthalts in der Anstalt keinen fortbildenden Unterricht genieße; mag sein, daß Einer oder Einige i— Viele sind eS sicherlich nicht, — hinter dem Rücken, jedenfalls aber gegen die Intention des Vorstandes :ine Selbstübung in der Weife vornehmen, wie man weiland das Deutsche auf dem s. v. lernte. Was aber durch solche heimliche Selbstübung eines Anhängers, namentlich beim Violinspiel, herauskommt, das weiß jeder Sachkenner. Da haben wir ja,, und wie wird man in Würzburg über diese Floskel entzückt!sein, da haben wir ja einen noa! Ist das Violinspiel einem Lehrer unzulässig, warum laßt Ihres als Selbstübung zu und hintergehet Euren Meister? Ist es aber nützlich und einem künftigen Lehrer zustehend, warum legt Zhr'S in der Anstalt in den Bann? Die Antwort ist: Herr Bamberger ist konsequent und scheut die öffentliche Meinung nicht. Ihr aber, seine Nachtreter, wollt würzb'urgisch und weltmännisch liberal zugleich sein, das hieß einmal Einer D'*>»j;Dn ’nr by yDiD, i und den wird man doch noch als einen GeseheStreuen gelten lassen. 2) Der Distr. Rabbine^ Herr Bamberger wollte! nicht mehr als eine einzige Stunde zum Schönschreibe-! unterricht in seiner Anstalt! zulasten und gab nur | auf die Vorstellung des treffenden Lehrers, seiner. j Aufgabe sonst nicht genügen zu können, eine zweite zu. Dies erzählte vor etlichen Jahren dem Berichterstatter ein Mann, der es wissen mußte, denn er selbst war dieser Lehrer, und derselbige Ma»n ist ein zu edler Charakter, alS daß es dies jetzt läugnen wird. Es ist der von allen b. Schüllebrern so geliebte wie hochgeehrte Schönschreiblehrer — Herr B e n; in Würz, bürg. Waren wir also nicht im Recht, dies zu berichten. auch wenn vielleicht jetzit und etwa hinter dem Lücken des Dirigenten mekr Stunden verwendet werden? 5) Wir berichteten wieder auch: Fürth gibt grundsätzlich keine Beiträge zur Würzb. Lehrerbildungsanstalt. Dem entgegnet der Würzburger: Fürth hat selbst gute Schulen, dem eS seine Spenden zuwendet. Aber sind eS denn Lehrerbildungsanstalten? Da» ist eben das Traurige, daß andere Gemeinden, die auch gute, auch „fromme Schulen" laben, eben mit Hintansetzung dieser ihre Spenden andern Institutionen lieber zuwenden. Fürth ist aber klüger. Auch der in einer Anmerkung angeblich beigebrachte Beweis von einer Stiftung von 5' 00 fl. ist mißglückt, denn der Stifter dieser wohnte dazumal nicht in Fürth. Haben wir nun die Wahrheit unserer Angabe bewiesen und halten wir sie aufrecht, so wäre es noch angezeigt, über einzelne Ausdrück .dieunserePerfon betreffe», mit dem frommen Würzburger ein Hübnchen zu pflücken. Aber wir glauben, daß es unserer nicht würdig ist, Menschen, die sich so gemeiner Ausdrücke bedienen, ertgegrnzutreten, weNn es nicht um der Sache willen sein muß und — schließen. „Der Korrespondent aus Bayern". Nachbemerkung derRedaktion. Ueber den letzteren Punkt erhalten wir von einem un« seither gau, fremden Collegen „ausUnterfranken," also aus der Höhle des Löwen selbst, folgende sehr treffende Worte, bei welchen wir jedoch die allzuscharfen, wenn auch gerechten Ausdrücke der Entrüstung a»S leicht begreiflichen Gründen streichen müssen. Sie lauten: Aus Unterfranken, 5. Mai. .ia'v \jsd O'pn; ich glaube, das ist ein Wort unserer heiligen Thora, das klar für sich spricht und das jedenfalls gleiche Ansprüche auf Berücksichtigung verdient, wie jedes andere Wort der Thora. Wenn nun ein Greis, das „graue Haupt" eines verdienten, in Ehren erst rauten Lehrers mit Worten beschimpft wird, die zugleich jeden alten dienstun fähigen Lehrer treffen. ist eS da nicht die Sache des Lehrerstandes, die gerechte Entrüstung milden schärfsten Worten auSzusprechen, die das empörte sittliche Gefühl eingeben? Die jüdische Lehrerwelt ist zu sprechen verpflichtet, wo sie auch sonst gerne geschwiegen hätte. Sie spracht nicht für sich, sondern für das Recht, pflichtgemäß. Zu den verdientesten und besten Lehrern Bayerns, zu den gefeiertesten Namen im bayr. Lehrerstande zählt unstreitig Ihr Correspondent, wie allbekannt, Krämer. Krämer hat durch seine herrlichen jüdischen Erzählungen ein unbestreitbares, hohes Verdienst, ein Recht auf-die Dankbarkeit der jüdischen Schule und der Kinderwelt; er hat sich hoch verdient gemacht durch seine Wirksamkeit für Verbreitung der Ach aw a in Bayern und durch seine Thätigkeit für dieselbe. Hätten Sie die Achawa nicht gegründet, hätte Krämer nicht mit der der Sache entsprechenden Energie sie in Bayern ge- >

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