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Der israelitische Lehrer · 1870-05-18 · 20 (18.5.1870) · p. Seite 154

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
20 (18.5.1870)
Date
1870-05-18
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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— 154 — anstatt, welchen Name» diese auch tragen möge, die sittlichen Grundlagen der Menschenbildung zu fördern; daS ist daS erste pädagogische Gesetz, dessen Nichtbeachtung die traurigsten Folgen haben muß. Eine solche sittliche Grundlage ist die Gleichberechtigung der Schüler. Ein jeder Schüler muß fühlen und wissen, daß es in der Anstalt kein angeborenes Vvrrecht gibt; daß Alle Allen gleich stehen, daß etwaige Vorzüge einzelner Schüler nicht aus einer Dorausberechtigüsig entstammen, sondern nur in gewissen Fällen gewonnen werden durch Aufbietung eines größeren Maaßes von selbsteigener sittlicher Kraft, und Hingebung an die Aufgabe der Schule. ' Wir stehen nicht an, beizufüzen, daß wir glauben, es müsse überhaupt die Schule eine religiös-sittliche Grundlage haben; einen Mittelpunkt, in welchem sich alle Unterrichtsfächer, wie in einem Brennpunkte, concentriren. PaS kann nur der Religionsunterricht sein. Da aber das Christenthum der Gegenwart noch nicht bis zu der. Höhe gekommen ist, auf welchem alle Unterschiede verschwinden; da wir die überzeugendsten Beweis« haben, daß auch der freiesten christlichen Ansicht noch ein gut Theil Dogmatismus und der Hochmuth der Unfehlbarkeit, ein Stück vom Popanz der alleinseligmachenden. Kraft eigener Heilslehren anklebt, da nur noch"Äenigbis zur Höhe des reinen Glaubens, der allgemeinen Stttenlehre vorzedrungen sind — und Lehrer, insbesondere Religionslehrer, sind doch auch solche Menschen — so fordert die Pädogogik zur^Zeil einen konfessionellen Religionsunterricht für alle Schüler. Das ist der einziae Weg für die Parität und Rechtsgleichheit,, die wir zur Zeit mit dem Begriffe „konfessionslose" Schule verbinden können. (Schluß folgt.) Entgegnung. Auf einen groben Klotz — dies Götbe-Wort fiel mir ein, Ich aber schäme mich ein grober Keil zu sein. > Bayern *) Zn der Rr. 15 und 16 des Mainzer „Zerarlit" .fällt ein Correspondenz-Artikel aus Würzburz mit solcher Wuth und solcher Le denschaftlichkeit anläßlich einiger Zeilen in meinem Berichte in Rr. 1<). d. Bl. über die W. Lehrerbildungsanstalt über Sie, Herr Redakteur, und Mich, Ihrem Bericht- > erstatte«, her, daß selbst die Redaktion des „Israelit" durch ein vorgefetzteS großgedrucktes „Eingesandt" sich von der Verantwortung loSzusagen scheint. Dem feinen „Würzburger"" fällt eS, wie er sagt, nicht *) Der Grund, wehhalb wir den Arttkel mehrere Wochen zurücklrgten, crgiebr sich aus unserer Nachbemerkung. Redaktion. ein, eine Widerlegung unsrer Angaben zu schreiben, waS ihm auch vollkommen gelungen ist, wie wir unten mittheilen weiden; er will sich nur einen gnädigen Spaß machen und dazu noch, wie er weiter vorgiebt, in der ominösen Abendstunde (rnvovn pa); in einer solchen ist ja auch pr>r«.i ,iv erschaffen worden. Und daS ist noch gut; denn wenn es dem Heiligen erst Ernst gewesen wäre, so hätte er womöglich gleich jenem Rabbi gar rp>ro P’jyo oder na jnia gewesen, wozu sich leicht eine mvi nsp gefunden; er hätte ja nur daS _ unter diesen Herren gegen ihr« Gegner so geläufige und in seinem Artikel vielseitig angewendete Schimpf» - wort .i'p als mildernden Umstand anzuführen brauchen. UnS aber will es bedünken, dieser angeblich späßige Artikel ist nichts anderes als ZorneSauSbruch I über den erhaltenen Schlag. Der geführte Hieb sitzt >' und übt seine Wirkung nach verschiedenen Richtungen. Daher die Wuth! Wir müssen es Ihnen, Herr Redakteur, überlassen, ob und was Sie bezüglich der gegen Sie gerichteten gemeinen Angriffe thun wollen. Rur unserer tiefen Entrüstung wollen wir darüber Ausdruck geben, daß - ein so frommer Mann wider beffereS Wissen und Gewissen den Achawa-Verein, der schon so viele Thränen getrocknet und dem so viele edle Männer unentgeltlich ihre Dienste widmen,*) als ein bloßes Geldgeschäft bezeichnet. Wahrlich! dies allein kennzeichnet sattsam den Mann und se n Thun und Treiben. UnS aber liegt eS in erster Linie ob, unsre Angaben zu beweisen und aufrechtzu erhalten, und soll dies geschehen in reiner Obzectivität, ohne alle gehässigen Ausfälle, ohne Hereiuziehung von Nebensächlichem und ohne allen Schein von Gelehrsamkeit, in welchen beiden der Würzburger seine Stärke sucht, um die Leser zu täuschen und von der Hauptsache abzulenken. Wir sind allerdings bei verschiedenen Gelegenheiten den Bestrebungen des Distrikts-Rabbiners Herrn Bamberger in Würzburg, namentlich auf dem Gebiete des isr. Schulwesens, entgegengetreten, weil wir sie für gemeinschädlich und dem Geiste des Judenthums, das den zeitgemäßen Fortschritt will, zuwider halten. ' Wir sind aber nie dem Privatcharakter desselben zu nahe getreten, habeil vielmehr seiner Uneigennützigkeit und seinem Eifer, der von Andern in entgegensetzter Richtung nachahmungSwerth wäre, alle Gerechtigkeit widerfahren lassen und speziell auch in dieser Frage der Lehrerbildungsanstalt. Auch eine andere Persönlichkeit hielten wir bisher für einen Charakter; mußten aber erfahren, daß die Anstalt leider einen schofeln aaa hat. *) Die Kosten für Benutzung des vorher schon bestandenen .^Israel. Lehrers" selbstverständlich ausgenommen.

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