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Der israelitische Lehrer · 1870-05-18 · 20 (18.5.1870) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
20 (18.5.1870)
Date
1870-05-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er IsMllliseke Aekrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums ' und insbesondere desisraelitischen Lehrer ft andes. Organ für den Vierem „Achawa." 10. Jahrgang. M 20. Den 18 Mai 1870. Wöchentlich 1 Nummer Biertcljährlicher Sbonnementsvrei» 40 kr. — 11»/* Egr. Anzeigen ,u 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der obligatorische Religionsunterricht (Fortsetzung.) Vom Standpunkte de« Rechts, der gesetzlichen Gleichheit, haben die Israeliten die Verpflichtung, für die israelitischen Zöglinge einer höheren Lehranstalt Religionsunterricht zu fordetn, so lange den christlichen Zöglingen rin solcher ertheilt wird. Aber auch vom pädagogischen und religiösen Standpunkte aus müssen wir die gleiche Forde>ung stellen. Wir setzen immer voraus, daß christlicher Religionsunterricht ertheilt wird. Ist nun ein» jede Schule eine Erziehungsanstalt, deren positive Grundlagen — Wahrheit, Sittli ch keit, gleiches Recht für Alle—beim ErziehungSweike von größtmöglichstem Einfluß sind, und wird Niemand Anstand nehmen, zuzugeben, daß auch die höhere Schule nicht bloße Unterrichtsanstalt, im vulgären Sinn« des Wortes, sein darf, sondern den Menschen, daS „Menschliche im Menschen* zu fördern hat, so würde eine Zurücksetzung, ein Eingriff in die Gleichberechtigung der Schüler einen entsittlichenden Einfluß auSüben, nicht allein auf die jüdischen, sondern auch und vielleicht noch mehr auf die christlichen Schüler. Wenn die christlichen Schüler Religionsunterricht erhalten u. die jüdischen nicht, werden die christlichen Schüler bei den ohnehin so vielfältigen Conflicten zwischen Lehre und Leben, zwischen den Ansichten der Geistlichen und der Laien, bei dem Umstande, daß die Religionslehrer u. der Religionsunterricht gerade nicht die beliebtesten Lehrer und Unterrichtszweige zu sein pflegen, sich nicht fragen: wenn für chie Juden der Religionsunterricht entbehrlich ist —i sollte er es nicht auch für uns sein? Der Staat fordert sittliche, brave, gerechte, moralische Menschen und Bürger; und er hat gewiß die Pflicht und da« Bestreben, auch die iSrael. Kinder zu solchen zu erziehen; wenn er nun nicht für ihre religiöse Erziehung Fürsorge trifft; wenn er voraussetzt, daß sie auch ohne Religionsunterricht gute Bürger und M-nschen werden könnten; warum sollte daS Gleiche nicht auch bei un« der Fall sein und unS da« Memoriren der bibl. Geschichten und Bibelsprüche und so manches Andere -rspart werden können? Alle Lehrer und Kenner der KindeSnatur werden zugeben, daß diese Scblüffe durchaus nicht außerhalb des Bereiches der Kindesnatur liegen! Für feiner angelegte Naturen wird die Zurücksetzung der jüdischen Kinder schmerzlich se>n und sie werden diese Zurücksetzung als ungerechtfertigt bedauern; es wird gewiffermaßen ein Mitleid gegen die jüdischen Kinder in den Grmüchern derselben Platz greisen; während wieder gröbere und gemeinere Naturen, die stolz sind „auf ihre christliche Geburt*, die schon in der Jugend gerne „Jemand unter sich sehen" sich wegen der Zurücksetzung der „Judcnbuben* freuen «erden; es wird schon in der Schule die Ungerechtigkeit, der Hochmuth gepflegt, die mit der Zurücksetzung Einzelner, mit dem Aufhören des einzignaturgrmäßen und sittlichen Standpunktes von der Gleichheit aller Menschen aufs Engste verbunden sind. Und die jüdischen Zöglinge dieser Anstalten? Die Eon-' flicte, die in den Grmnthern dieser Knaben hervorgerufen werden, können so vielfältiger Natur sein, daß e« uns unmöglich dünkt, sie hier sämmtlich anzudeuten. Da« Gefühl, anderen nicht gleichgestellt zu werden, ist ein so schmerzliche« bei'allen Kindern, daß wir gegen dies natürliche RechtSgefühl und RechtSbewußtsein als einer der stärksten Triebfedern im Leben der Schule ungestraft n i e sündigen dürfen. Vielleicht wird auch bei Manchen Gleichgültigkeit, ja Abneigung gegen Judenthum und jüdische Religion überhaupt — um deretwillen sie zurückgesetzt werden — Platz greifen. Vielleicht, ja sicher, werden kräftigere Naturen die Zurücksetzung schmerzlicher fühlen, als wir glauben: wie wollen Diejenigen, die diese Gefühle Hervorrufen, die sittlichen Folgen derselben abwenden und regeln? ES istheiligstePflicht derLeiter einerLehr-

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