Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 19 (11.5.1870)
- Date
- 1870-05-11
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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i — 150 — Möglich/eit untersuchen lind Euch schützen, soweit meine Kraft reicht. DieVnschwörer wird die ganze Strenge deS Gesetzes treffen. Aber, sehet Euch vor und gibt mir von allem, was Zhr in Erfahrung bringt, von Euren Vermutbungrn, von den Fortschritten der Verschwörung, wenn sie solche machen sollte, sichere- Nachricht. Zch kann nur kämpfen im Lickte des Tages, mit den Waffen der Gerechtigkeit.. Die aber, die Euch verfolgen, sind Boten der" Finsterniß, sie wühlen und verschwören sich in dunkler Nacht, sie kämpfen im Hinterhalt mit ungerechten Waffen. Es ist ihnen sckwer beizukommen, Doch, vertraut auch auf den Schutz Gottes, der Euch so oft und so lange beigestanden in trüben und verfolgnngssüchtigen Zeiten. Vertraut auch ein wenig.dem Lichte der aufsteigenden Humanität, der fortschreitenden Erkenntniß, vcy welchen Strahlen auch, schon in dieses Thal gedrungen, obwohl ich und mein Haus zu sckwach sind, anzukämpfen gegen die Rotte, die 'sich drüben auf den Bergen und drunten in der Stadt in so großer Zahl angesiedelt hat mit dem Bestreben, zu herrjcken durch die Macht der Finsterniß, auszulöschen jeden Licklfunken, zu verstopfen jede Quelle der Erkevntniß, die bis hierher dringen könnten. Zch Hab/ vielleicht meine Pflicht nicht ganz gegen meine Unterthanen erfüllt, denn ich war wenig hier und Zhr wißt es ja auch: mein Arm ist diesen gegenüber oft zu schwach, denn das Vorurtheil der Menge ist auf ihrer Seite. Aber wenn ick zurückkomme aus diesem Kampfe, der mir ein langwieriger und entscheidender für -die Gesammtentwicklung der Menschheit zu werden droht-, dann will ich hier bleiben und meine ganze Kraft der Aufklärung widmen, die den Menschen dem Menschen näher bringt, die die Scheidewände umre^ßt, die die Menschheit trennen. Za, ick sehe wohl die Zeit kommen, „— und das Auge desFürsten leuchtete bei diefenWorten in fast prophetischem Glanze —« wo dioEhristen das Zahrbundrrte lange Unrecht, das sie Euch gethan, erkennen und sich dessen schämen werden; wo man den Menschen nicht rmhr fragt: was glaubst du, was denkst du, sondern was willst du und waSthustdu; wo die Menschenliebe und die G/rechtigkeit herrsckwn und die Nationen sich brüderlich vereinen werden: den Frieden zu sichern und das Wehl der Völker zu fördern. Was dann «erden wird aus meiner Macht, der Macht der Fürsten, und wo der Glanz unserer alten Stammbäume sein wird —' ich weiß es nicht, — aber Gott weiß es doch--gehabt Euch wohl-" Beruhigter wohl gingen die drei Männer vom Fürsten, als sie gekommen waren; aber ganz beruhigt waren sie doch nickt. * Sie hatten die Worte des Fürsten, die er gesprochen batte, kaum verstanden. Nur eine Ahnung davon mochte im Geiste des Rabbinen aussteigen, denn er schaute begeistert in daS Auge deS Fürsten bei seinen Worten und sagte leise: „Llosodiaok"; aber die Männer waren ausgewachsen im Druck und in der Verfolgung; wo sie hinschautcn, sahen sie Dorurlheile und Haß um deS Glaubens Willen — sie konnten noch kein Perständniß haben für eine Zeit, wo Alles dies verschwunden, wo sie sich frei bewegen konnten überall — als freie Menschen unter Menschen. Als sie eine Weile so in ihren Gedanken vertieft bergab gestiegen waren, sahen sie bei einer Biegung deS steilen Berges einen Mann im dunklen Klostergewandte auf sich zukommen. Ein Pater im Burghof? Wie kommt daS? Sie konnten es sich nicht cnträthseln. Denn seit unvordenklicher Zeit herrschte Haß und Zwiespalt zwischen dem ^Fürstenhause und den Klöstern und nie sah man einen Klostergeisllichen im Burghöfe: Der Pater ging an ihnen vorüber und schien sie nicht bemerken zu wollen. Er schaute fort und fort in sein Brevier, wie versunken in dasselbe. Auck für ibn war die köstliche Aussicht nicht vorhanden, die der Weg zur Burg bot. Juden der alten Zeiten und Klosrergeistlichc, — die lebendigsten, stets feindlichen Gegensätze und doch in so manchem ähnlich: in der Weltvergessenheit, im Innenleben, in der Nichtbeachtung ja der Geringschätzung desien, waS außer dem gewohnt, n Kreise vorging, in dem sie sich bewegten; in der Verachtung des Schonen und Großen, was die Natur uns bietet oder der Menschrngeist in seiner Fortentwicklung hervorbrachte zur Verschönerung des Menschenlebens und wodurch derFortschritt de, Gesammtbe>t befördert und herbeigeführt wurde; die Freude und die GemüthScrhebung suchend und findend in der Abgeschstdcnbeit, in der Einsamkeit geschlossener Kreise; — sich nickt fühlend als Tbeile des großen Volksganzen, sondern als etwas Außenstehendes, AbgetrennteS. — — — Der Fürst mochte ebenso oder noch mehr staunen, als die Juden, als ihm ein Klostergeistlicher gemeldet wurde. Er ließ ihn alsbald vor sich kommen. ES war ein junger, schöner Mann. Er nannte sich Pater Dominion. Der Fürst blieb lange in geheimer Unterredung mit dem Pater. Was sie besprachen — wir könnm es jetzt nicht verrathen. Als sie von einandergingen, rief der Fürst noch unter der Thüre dem.Pater zu: „Also —-gehabt Euch wohl; in der Nacht vor Peter und Paul! „Zn derNacht vor Peter und Paul! Gott segne Euch, edler Fürst.« (Fortsetzung" folgt.) I. -