Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-05-11 · 19 (11.5.1870) · p. Seite 149

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432119--2908-4899211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 149 — sie bereit» einmal gefaßt und zu verwirklichen gedacht. Der betreffende Aufruf an die Gemeinden fand aber kein Echo in deren Herzen. Man macht in diesem Punkte überall dieselbe Erfahrung. Man denkt daher jetzt an die Selbsthülfe und die Gründung einer Caffe au» den Eintrittsgeldern und Jahresbeiträgen der Mitglieder zur gegenseitigen Unterstützung. R. i. Plefche». 15. April: Der CultuSminister hat in Folge einer Vorstellung dtr hiesigen Judenschaft genehmigt, daß unsere Schule statt de» bisherigen Namen» „evangelische Stadtschule", den Namen „deutsche Bürgerschule" führen darf, auch gleichzeitig nachgegeben, daß di« jüdischen Schulsocietät-glieder zwei Schulvorstehcr au» ihrer Mitte wählen dürfen. Durch diese Entscheidung ist ein seit längerer Zeit zwischen den jüdischen und evangelischen Schulsocietätmitgliedern geführter Streit endgültig erledigt. Galatz, 25. April. Die Aera der Judenhetze steht wieder in voller Blüthe. Der „N. fr. Pr." schreibt man von hier: „Laut heute hier eingelaufenen authentischm telegraphischen Berichten rottete sich gestern um 8 Uhr Abend» der Pöbel in Tekutsch (Hauptstadt de- Distrikt» gleichen Namen») zusammen, überfiel und mißhandelte die dortigen jüdischen Einwohner — bestehend au» circa 36 Familien — verwundete mehrere Personen, plünderte ihre' Wohnungen und DerkaufSlocale, demolirte die Synagoge und, wie c» bei den aufgeklärten Rnmänen gewöhnlich Gebrauch, raubte und zerriß die dort Vorgefundenen Thora». Dieser Unfug dauerte ohne jede Intervention Seitens der Ortsobrigkeit vir- Stunden; erst um Mitternacht, sei eS, daß diese» Häuflein wehrloser Opfer schon gänzlich auSgeplündert und genügend geschlagen und mißhandelt war, oder daß die Angreifer schon ermüdet waren, zog sich diese Horde wieder zurück. Zur näheren Beleuchtung sei hier bemerkt, daß diese kleine jüdische Gemeinde in Tekutsch größtentheilS aus armen Handwerkern besteht, ein sehr kleiner Theil befaßt sich mit dem Kleinhandel von Manufaktur- und Kurznzaaren, zwei oder drei unter ihnen auch mit dem Getreide- Handel. Dieselben hattm bi» nun in sehr gutem Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung gelebt. Die Ursache des Umschwünge» ist weder Brodneid, noch religiöser Fanitismu», sondern ganz einfach darin zu suchen, daß die Regierung indirekt zu den Judenverfolgungen die Hand bietet und jede Mistethat gegen Juden tolerirt. Warum soll sich der Pöbel zu Ausschreitungen gegen diese Unglücklichen nicht h'nreißen lasten, da ihzn die Plünderungen stets etwa» einbrinqen, wie in Galatz, Verlad und an anderen Orten? Und der Straflosigkeit sind die Excedenten immer sicher!" Ein neuer Erlaß des rumänischen Ministeriums besagt, daß „Juden und Vagabunden" der Uebertritt über die Gränze nach Rumänien ferner nicht gestattet wird. Der kaufmännische ForischrittSverein zu Czernowitz hat sich deßhalb telegraphisch an den öfter. Ministerpräsidenten Grafen Potocki gewendet, um die Intervention der österreichischen Regierung herbeizuführen. (N. fr. Pr.) Dkadrid. In der Alhambra soll ein Museum für die Sammlung der arabischen und jüdischen Alterthümer angelegt werden, welche sich bi» jötzt zerstreut und ebenso vernachlässigt wie unberührt in den verschie-^. denen Klöstern befinden. Wiederum ein Fortschritt, nicht nur für die literarischen und arttstischen, sondern auch für die politisch- und socialreligiösen Verhält- ' niste in Spanien I Wiederum der Verblendung und dem Fanatismus der spanischen Clerisei von der Aufkläruna der Zeit ein Stück Terrain abgenommen! Bukarest. In der Stadt Tekutsch kam am Sonntag, den 25. April, wieder ein höchst unwürdiger Exceß gegen die dortigen Juden vor. Der von „fremden Hetzerei" aufgestellte Pöbel drang ftt die Häuser und in die Synagoge, zerstörend und plündernd. Die Nationalgarde der Stadt war abwesend und Garnison steht nicht am Ort. Am Montag wiederholten sich die Gräuelscenen, die requirirten Truppen waren in so geringer Zahl eingetroffen, daß sie nicht» auSrichteten und nur zusehen konnten, wie die Zerstörung der Häuser und die Mißhandlung der Juden ihren Fortgang nahm AlS dann endlich Verstärkung kam, wurde die Ruhe wieder hergestellt uno die Verhaftung von 40 Rädelsführern vvrgenommen. Dieselben sollen „sämmtlich Ausländer" selin; die Untersuchung wird aber wohl auch gewiste Inländer als Mitschuldige an'» Tageslicht ziehen. In der Kammer haben sich manche Stimmen dreist genug über das hören lasten, wa» man mit den Juden in Rumänien vor hat. Feuilleton. AerHletter. — Novelle von I. Kl. (Fortsetzung.) „Und habt Ihr keine Ahnung, wer der Schreiber diese» Briefes ist? Ein Einfacher Bürger scheint e» nicht zu sein, der würde Euch mündl'che Mittheilung gemacht haben." „Wir kennen diesen Unseren Freund nicht, haben keine Ahnung, wer es sein könnte; doch glaubte Frau Bella, die Empfängerin des Briefes, den Schreiber unter den Klosterpaters vielleicht selbst suchen zu dürfen. Sie hat uns diese Bermuthung mitgetheilt, deren Grund wir jedoch nicht kennen." Der Fürst unterhielt sich noch einige Zeit mit den Abgesandten der jüdischen Gemeinde unv verabschiedete diese dann mit freundlichen Worten: „Ich werde die Sache nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.