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Der israelitische Lehrer · 1870-05-11 · 19 (11.5.1870) · p. Seite 148

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
19 (11.5.1870)
Date
1870-05-11
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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— 148 — comstö getrennt. Die Gründe sind nicht stichhaltig. Man tadelt eS an dem Präses, daß er Geldausgaben ohne sein Borwiffen nicht gutheißen will. Eine geordnete Finanzverwaltung macht dies aber nöthig, wenn in dringenden Fällen Ausnahmen auch gestattet sein müsien. ES hat sich bei dieser Ausnahme um dringliche Rettung vor dem Hungertode gehandelt, wie man sagt. Zunächst läßt sich bezweifeln, ob die Dringlichkeit eine so große war,- daß eine geordnete Be- — schlußfaffung nicht möglich gewesen, und zweitens ist die Entgegnung deS Präsidenten: „Und wenn sie gestorben wären, .so hätte daS Geld nicht ohne meine Einwilligung verausgabt werden dürfen" sicherlich nur in der Hitze der Debatte gefallen. Wir lieben sonst auch das.starre Princip picht und ein Handeln nach dem Grundsätze psreat munäus, Lut gustnin. Den Tadel über die Behandlung der Auswanderungsfrage billigen wir auch nicht. Wenn die Auswanderer kräftige Leute -sind, so mögm sie auf dem neuen freien Boden selbst ihr Fortkommen suchen, wie andere Auswanderer auch. Gefällte Taschen ohne Arbeit würden diese Leute in Amerika nicht glücklicher machen. Alte und kranke-Schwächlinge dürfen freilich ohne weitere Fürsorge nicht tranSportirt werden. Die Rücksicht auf religiöse Satzungen und Gewohnheiten, welche nicht immer in hinreichender Weise genommen worden sein soll, muß freilich nach Thunlichkeit beobachtet werden. Die ganze Sachlage ist aber derart, daß die Abweichung von der vollen Strenge des Gesetzes sich nach früheren Präcedenzfällen wohl mit den Grundsätzen der Religion vereinigen läßt. Bayern, März. Wie in der Abgeordnetenkammer drei Mitglieder unsres Glaubens sitzen, so auch eine gleiche Zahl in der KreiSvertretung als Landräthe und zwar Hr. Berolzheim von Fürth im Regierungsbezirke 'Mittelfranken, Hr. Guggenheimer in Oberbayern und Hr. Silbermann in Obcrfranken. — Zu der zum ersten Mal anberaumten öffentlichen Prüfung in München für die technischen Fächer hatten sich 50 Examinanden eingestellt, worunter 5 für daS Handelslehrfach und unter diesen charakteristisch genüg 4 Juden,- von welchen letzter» 3 die Prüfung erstanden, und von. welchen einer, wie schon in diesem Blatt gemeldet, in Neustadt in der Pfalz und ein zweiter demnächst' an dem neu errichteten HandelScurS in Ansbach angestellt werden wird. Diese Wahlen in die Volksvertretung, wie in das Handelslehrfach erfolgen durch das Volk und die christlichen Gemeindekörper. Don Anstellungen Seitens der Staatsregierung verlautet bisher immer noch uichtS, ja es ist uns sogar ein Fall bekannt, daß ein Bautrchniker, welcher an der Reihe der Anstellung als B a u b e a m ter war, -viese Uicht erhielt und sich wieder in eine andere Branche dieses Faches zurück, versetzen lasten mußte. Da derselbe sowohl in seinen Kennt, nisten, wie in seinem Betragen und seinen Leistungen die ersten Noten hat, so muß leider angenommen werden, daß seine Confesston ihm diese Zurücksetzung/ brachte. Dieses geht aber vom Handelsminister auS^ und da» befindet sich in den Händen de» vormaligen Advokaten und als sehr freisinnig geltenden Hrn. von Schlör. Wir wundern unS daher nicht, wenn die Zei-- tungen dieser Tage zum Erstaunen aller Liberalm meldeten. Minister von Schlör werde in Zukunft zu technischen Professoren a/3 Katholiken und i/3 Protestanten anstellen. Die Israeliten bleiben, wie wir dies in derlei Angelegenheiten gewöhnt sind, unerwähnt, inpv' rot» xd. Doch nein! in einem neuern allerhöchsten Erlaß, bezüglich der Zuchthäusler wird der jüdischen erwähnt: die iöraelitischm Hauptfesttage sollen gefeiert und.dieGebetmäntel und Gebetriemen sind dabei anzulegen! Man läßt sich nicht einmal herbei/ vor solchen Erlaffen einen Rabbiner re. mit seinem Gutachten zu hören. Aber auch ein neuester rrfrmlicher Erlaß des CultusministeriumS ist zu registriren. Dasselbe hat auf gestellte Anfrage, wahrscheinlich unsrer, die liebe Mosika verabscheuenden Frommen entschieden, daß bei den israelitischen Präparanden re. die Anforderung musikalischer Vorbildung aufrecht erhalten werden soll. WaS sagen die Herren Würzburger dazu und hängt diese« Vorkommnis nicht etwa mit unseren Kundgebungen zusammen? Wird für Rabbiner Luser und Consorten fürder noch eine Ausnahme gestaltet bleiben? Bei dieser Gelegenheit möchten wir diesen Musikverächtern ein Wort znrufen, das wir in einem christlichen Buch gefunden. ES lautet: i?Dnsijn ^>x tun non mox no Dnayn pxo tüu au In Nürnberg wächst die neue Synagoge immer mehr aus dem Boden und man hofft diesm Sommer sie vollendet zu sehen. Sodann wird rasch zur Rabbinerwahl geschritten werden, zu der ein Mitglied der Synode in Aussicht genommen sein soll. Auch Dr. Feuchtwanger, früher in Bayern, jetzt in Nikolsburg angestellt, hat eine Partei. Derselbe oder doch seine Freunde in seinem Namen sollen allerlei Concessionen, wie z. B. die Aufstellung einer Orgel machen. Ob derselbe in diesem Falle mehr Erfolg hat, als seiner Zeit in München, wird die Zeit lehren. Auch in dieser Gemeinde wird es bald wieder zu einer Wahl kommen, weil der jetzige Rabbiner Hr. Aub und zwar mit 2000 Fl. pensioniit werden soll. (Ist bereits geschehen. Red.) Paris. Die Bildung einer Unterstützungs- und Pensionscaffe für HülfSbedürstige, emeritirte und verstorbene Gemeinde-Beamte (Rabbiner, Lehrer, Cantoren) ist auch hier aufgetaucht. Die Idee ist zwar auch in Frankreich nicht neu. ^Das Consistorium hatte

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