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Der israelitische Lehrer · 1870-05-04 · 18 (4.5.1870) · p. Seite 142

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
18 (4.5.1870)
Date
1870-05-04
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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142 — ser Klasse unsrer Bevölkerung? Kann man ihnen sagen, daß sie den Rumänen das Blut aussaugen? Die Rumänen hatten all« Freiheiten, alle Carrieren standen ihnen offen.. Das Unglück der Rumänen »rar die Unbeständigkeit -der öffentlichen Aemter und die zu große Leicktigkeit, womit sie zu diesen Aemtern zugeloffen wurden. Wer sich nur irgendwie über daS Niveau gewöhnlicher Bildung erhoben hatte, verließ die Beschäftigung seiner Täter und lief den öffentlichen Aemtern nach. Wenn wir, fragen, wo ist der Sohn dieses Künstlers oder Schneiders, warum hat er sich nicht auch dem Geschäft? seines BaterS gewidmet? Er hat eS nicht gethan, weil er leichtere Existenzmittel in den öffentlichen Aemtern gefunden. Dies erklärt uns hinreichend, warum die rumänische Bevölkerung sich nicht dem Handel gewidmet hat, obgleich wir doch Handelsschulen haben wie zu Galaez. Wenigstens figurirt diese Schul? in Budget, aber ich weiß nicht, ob sie in' nützlicher Weise geleitet wird. Da trotz dieser Aufmunterungen wir noch nicht Kaufleute werden konnten, oder Industrielle oder Künstler,^o können wir, die Hand auf das Herz, auch den Juden nicht den Vorwurf ins Gesicht schleudern, daß sie den'Rumänen das tägliche Brod rauben-" (Wir werden diese Schrift noch weiter besprechen.) Bericht ' ., der Alliance israelite universelle. (Atkge«ei«e» israetltilche« Affianj) Med« de» Atu. ASer-MaSöi«er Lsidorr (Fortsetzung. - Ju dieser allgemeinen, einstimmigen, Ansicht von unserer Alliance liegt etwas, das uns stolz machen darf; etwas besonderes, das uns anfeuern muß zur Bctnrrlichkeit in diesem lebensfähigen. dauernden llnternebmen. Las euch an die Erzählung des Propheten von jenem kleinen Strauch erinnert, der zum ungeheuren Baum ward, dessen Zweige und Blätter Alle decken, welche müde sind. Alle, welche leiden! Ter Gedanke, der bei. der Gründung der Alliance vorherrschte, ist kein, neuer Gedanke: es ist der der mem'chlichen Verbrüderung, der jüdischen tz-emeinschattlichkeit und Solidarität -— und mese Brüderlichkeit, m. H„ diese Gemeinschaft, ’ sie findet sich, eingeschrieben in der Bibel mit dem Feuer Sinai's, in unserer Geschichte mit dem Mute unserer Märtyrer, Sie war vernachlästrgt, vergeffen, sie war todt und Ihr habt sic wieder belebt, auferweckt, ins Leben zurückge rufen. Wir haben uns Alle vereinigt, höret es! Alle, Orthodore und Reformer, Strenggläubige und die es nicht sind — wir ließen bei Seite die Ansichten, welche die Menschen' trennen; wir, die Juden der Welt, vereinigten uns aut dem Gipfel der Rcligwn, der die Menschenliebe ist, und im Namen dieser Liebe, welche die Menschen einigt, gründeten wir die Alliance, «Beifall., Tie jüdische Solidarität, o! sie war cs, die in der Vergangenheit uns gerettet hat und ihr haben wir cs zu verdanken, daß wir noch bestehen. Es gab ein gehcininißvcllcs Land, das alle Israeliten einigte; der Schlag, der einen Juden traf, fand in dem Herzen Aller seinen Widerhall; das von einem den Feuertod erleidenden Märtyrer zum letzten Male ausgerufene „Schema Israel" wurde von Allen wiederholt, und wenn wir, wie das Wild verfolgt und gehetzt, von Land zu Land, von Zone zu Zone wanderten, wurden wir überall mit offenen Armen aufgenouimen und jeder Israelite theilte sein Obdach und sein Brod mit dem, der weder Brod noch Obdach hatte! — £, ur. H., wenn ich an diese vergangenen Zeiten denke, an alle diese Gräuel, begangen im Namen einer Religion der Liebe und Milde, .begangen im 'Jaunen jenes allbarmherzigen Gottes, dessen Kinder wir Alle sind;' wenn ich an die Tausende'und aber Tausende von Männern und Frauen denke, die uui ihres Glaubens willen hingeschlachtet wurden, — o dann schaudere ich und weine und regne Frankreich, segne die Eivilisatiou, segne den neuen Geist, der über die Welt heraufgezogcn! Warum, ach! warum muß das Gemälde auch noch reinen Schatten haben? An den Ufern' eines majestätische» Stromes, der, ohne Unterschied der Nationalität, alle Länder beftuchtet, die er durchstießt, erblicke ich ein in der Civilisa.tion zurückgebliebenes Land, erblicke ich ein Poll, das alle Laster des Morgenlandes und alle! Laster des Abendlandes besitzt, einen Staat, der sich nickt selbst zu regieren vermag, und der, ganz allein in Europa, > der Welt noch das Schauspiel religiöser Verfolgung zu \ bieten wagt! Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, Laß ich von Rumänien spreche! Sic wissen, m. Alles, was wir getlian, alle Kämpfe, die wir gegen dieses neue Amalek unteruommeir haben; gestern iwch laseir Sie in den öffentlichen. Blättern den schönen und warmen Brief unseres Präsidenten, der Rumänien in die Acht der menjchlicheir Gesellschaft erklärt und gegen dies tzaird an alle civilisirte Völker der Welt appcllirt. Setzen wir den Kampf fort, handeln wir. schreiben wir, drücken wir auf der Rumänen Stirn als Schandmal das schändliche Wott, mit dein einer ihrer Gesetzgeber seinen Mund zu beflecken sich nicht gescheut, und wie Gott zu Cain. der auch ein Aral an der Stirne trug, sagen wir ihnen, rufen wir ihnen unablässig zu: „Cain, du hast unsere Brüder gemordet." (Beifall.) Ia, diese jüdische Gemeimchaftlichkeil, so lebenskrastig im Unglück, hatte sich abgeschwächt, war verwischt, sie war auf den, Punkt unterzugehen im Drange der Geschäfte, der Genüffe - und Ihr habt sie wieder

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