Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 18 (4.5.1870)
- Date
- 1870-05-04
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
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— 140 — Realschule, Dr. JatrosinSki, in Ausübung seiner Lehrthätigkeit aufhebe." Die Versammlung, in welcher sich auch zwei polnische Mitglieder befanden, schloß sich einstimmig diesem Anträge an. —- Der ^Talmud-Thora", eine der besten Schulen Hamburgs, wurde im vergangenen Monate das Recht zum AuSstellen von Zeugnissen für den Einjährigfreiwilligen Militärdienst verliehen. Talmeffing (Bayern.) (Unlieb verspätet.) Am 8. April starb dahier der qu. israelitische Schullehrer, Herr Jesai« Prager, in. 89sten Lebensjahre. Das am 11. stattgefundene Leichenbegängniß desselben legte Zeugniß ab, wie sehr der Verblichene dahier im Ansehen stand und wie doch das Volk fortschreitet, wahres Verdienst um die Jugenderziehung anzuerkrnnen. ES hatten sich hiezu nicht nur die Mitglieder und Angehörigen der gesummten isracl. Gemeinde, die 3 hiesigen protestantischen Herren Geistlichen, die Herren Lehrer von hier und mehrere .der Umgegend, die sämmtlichen HH. Gemeindebeamten, sondern auch ein sehr großer Theil der hiesigen christl. Bürgerschaft eingefunden, um dem Entschlafenen das letzte Ehrengeleit zu geben. Am Grabe angekommcn, ergriff der Distrikts Rabbiner, Herr Dr. Löwenmeyer aus Sülzburg das Wort, um in ausgezeichneter, aus tief r Empfindung stießender Rede ein ebenso charakteristisches als treues Lebensbild deS Seligen zu entrollen, indem er der aufopfernden Liebe, der treuen Hingabe und des unermüdeten Diensteifers gedachte, womit derselbe während seiner 60jährigen Aktivität als Erzieher.und Lehrer zum Frommen der. hiesigen Gemeinde in und außer der-Schule wirkte, deffen anspruchslose Bescheidenheit und Demuth, deffen schlichtes, einfaches und von der.reinsten Moral geregeltes Leben, sowohl im Kreise seiner Familie und Eollegen, als im Verkehre mit seinen Vorgesetzten und Mitbürgern rühmte, um so schließlich denselben als einen echt n, wackeren und treuen Volksschullehrer zu bezeichnen, der für VaS Prinzip lebte und wirkte,-in jedem Menschen den Mitbruder und daS Kind des VaterS, der die ganze Menschheit mit gleicher Liebe uinfaffe, zu erkennen. Hieran reihte sich eine gleich ausgezeichnete warme Ansprache des durch seine Toleranz und edle Menschenfreundlichkeit allgemein beliebten und hochverehrten hiesigen Protest. ' Dekans und DistriktsschulinspekkorS, Herr Reichendach, worin er sich, bezüglich, der vielen Verdienste des Verblichenen dem Herrn Vorredner anschlcß und bemerkte, daß gerade die auch an dem Entschlafenen gerühmte, in der zivilisirten Welt sich mehrende Liebe und Toleranz es seien, die den gegenseitigen Haß der Confessionen abgeschwächt haben und, wie erhoffe, gänzlich beseitigen werden. Mit wahrhaft rührenden Worten sprach der Redner hierauf dem Seligen, bevor ihn die Mutter-Erde aufnahm, seinen innigen Dank für alle erwiesene Liebe und Treue aus. Mit gespannter Aufmerksamkeit und sichtlich steigender Empfindung folgte die einen großen Theil des Friedhof» ausfüllende Versammlung den Ausführungen beider Herren Redner und Thränen sah man fließen aus den Augen dankbarer Schüler, väterlicher Vorgesetzten und treuer Eollegen und Freunde. Mit einem vom Gesangverein „Frohsinn", unter Mitwirkung der Herren Lehrer, vorgetragenen Grabgesang von LambinuS schloß die erhebende Feier, die ebenso sehr daS Andenken des Verblichenen, als den guten Geist und die menschenfreundliche Gesinnung der hiesigen Bürgerschaft ehrt. Wie«. Hier starb plötzlich Prof. Dr. Wessely von Prag. In seinem großen Leichengeleite befanden sich bedeutende Notabilitäten. Dr. Jellineck hielt die Grabrede. Die Leiche wurde vorläufig beigeseht, um später nach Prag transportirt zu werden. Wir geben einstweilen diese tiefbetrübende Nachricht, um später AuSführl chereS über den Verlust dieser Zierde des deutschen Israel zu bringen. Wien. Ueber unsere Gelehrten- und Literatenwelt scheint ein Unstern zu schweben. Kaum ist Direktor Deutsch dem Mordangriff entgangen, verunglückte Dr. Letteri« durch einen Wagen, der ihn überfährt und stark beschädigt. Der Unfall erregt allgemeine Theilnahme und der Verunglückte erfreut sich deS Zuspruchs der hochangestrlltesten Personen unter Juden, wie Christen. Jerusalem Die Ernte-Aussichten haben sich durch den nunmehr eingetretenen befruchtenden Regen gehoben; die Geldsammlungen dauern indeß noch fort. Cincinali. Wie man Europa daS Beispiel einer Rabbiner-Versammlung abgesehen hat, so imitirt man auch jetzt hier die Berufung eines GemeindetagS. Wir werden über den Verfolg bericktcn. DaS Organ dieser Bewegung ist der hier erscheinende JSraelit. Paris. Der in unsrem Vorigen über die Schrift I'oooicksut st ln persecution en Roumanie erwähnte Redner sagt von den Juden Rumänien'S: „Ein großer Theil der Bevölkerung unserer Städte und insonders Jassy'S besteht aus Israeliten. Die Ursachen erklären sich leicht. Die Anhäufung der jüdischen Bevölkerung geschah nicht durch Zufall, sondern liegt in den ökonomischen Verhältnissen unserS Landes. Wenn wir diese ^rage leidenschaftslos prüfen, werden wir ihre Wahrheit erkennen. Unsere sociale und politische Erhebung schreibt sich nicht, wie man glauben könnte;, von den letzten Reformen her, also vom Jahre 1856. Es gibt ein Ereigniß, welches in unserer Geschichte bemerkenswerth ist und eine vollständige sociale Umwälzung hervorgerufen hat. Die» ist der Vertrag von Adrianopel