Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 17 (27.4.1870)
- Date
- 1870-04-27
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
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— 18S — Pen führten und das ringum von grünen Wnnberzen umsäumt war. DaS alles hätte man schauen können von Fmstern und Schießlöchern dieser Schloßmauern. Aber die drei Männer, die jetzt bergan stiegen, be> achteten nicht die Schönheiten der Natur und des Morgens. ES waren zwei etwajüngere Männer, die einen älteren, gebückten Greis führten, dem das Gehen und insbesondere daS Steigen die Anhöhe herauf beschwerlich zu fallen schien. Ihr AeußereS zeichnete sie als. Juden. Hier begegnete ihnen ein Jeder mit einer gewissen Achtung, die ihnen wohl zu tbun schien im Gegensatz zu den Begegnungen, die sie unten in der Stadt seit einiger Zeit gewöhnt waren. Hinter ihnen ging eine Frau mit einer geschmückten jungen Gans; eS waren die Vorsteher und der Rab-- biner ver jüdischen Gemeinde, die nach alter Sitte dem Fürsten eine absonderliche Abgabe brachten. Es ' war nicht die einzige Erfindung, die man gemacht hatte, um die Juden zu brandschatzen: die Johannisgans. Das Gesicht der drei Männer schien von einer gleichen Sorge beherrscht. Der Gruß der ihnen Begegneten erhob und beglückte sie wohl; sie erkannten daran, daß aiy Hofe des Fürsten ein anderer Geist herrschte, als unten in der Stadt, wo immer noch das dumpfe und. niederdrückendste Gespenst einer angezettelten Verschwörung gegen die Juden, umging. f Beruhigt konnten aber die Männer nicht sein; venn sie bemerkten auch kriegerisch- Rüstungen und fürchteten die Entfernung des Fürsten, der in den Krieg ziehen wollte gegen Frankreich, wo die Revolution eben auf ihrer höchsten Höhe angclanzt war, gegen die deutschen Fürsten zu kämpfen sich veranlaßt fanden. — Was soll auö uns werden, wenn der Fürst abzieht l — DaS waren die Worte, welche sie sich stets wiederholten. Sie kamen im Schlosse an und wurden alsbald vor den Fürsten geführt. Der Fürst war ein schöner Mann in mittleren Jahren, mit angenehmen GesichtSzügcn, wenn auch kriegerische Gewöhnungen seinen Bewegungen eine gewisie Herbe und Steifheit verliehen. Er begrüßte die Ankommenden freundlich und fragte alsbald: „Was führt den alten Rabbi zu mir? Ich freue mich, ihn hier zu. sehen, wo er seit dem Tode meines seligen Vaters nicht erschienen ist. „Gnädiger Herr",' antwortete der Rabbi, „erlaubt mir zuerst, daß ich über das Haupt Euerer Durchlaucht und Ihr HauS all da» Heil und Segen herabrufe, dessen Sie sich erfreuen mögen für all das Gute, was Sie und Ihre Väter an den wenigen armen Israeliten gethan, die in der Stadt dort unten, geschützt durch ihr hohes Haus, sich niedergelassen haben. Lange haben wir hier ruhig gelebt und sicherund uns gefreut des Schutzes nnd unsre Pflicht erfüllt als getreue Unterthanrn. Seit einigen Monaten aber ist in die Mauern dieser Stadt eingezozen ein böser Geist, ein Geist des Unfrieden» und der Verfolgung. Nachdem wir deutschen Israeliten seit lange nirgends mehr eine blutige Verfolgung zu erdulden chatte, nachdem der Geist des Volkes aller Orten ein duldsamerer geworden ist gegen die Kinder Israel». — Duldsamteit ist vaS höchste Glück eines Volkes und wir armen Juden woflen ja nur geduldet sein — scheint, gegen die wenigen Juden, die unter dem Schutze Eurer fürstlichen Hoheit immer so ruhig und glücklich lebten. — eine Verschwörung angezettelt zu werden; wir fürchten für unser Leben, für das Leben unserer Frauen und Kinder — und der Mann der das Volk anfrezt, der diese Bewegung hervorgerufen hat, ist. > „Rabbi, bevor Ihr mir Namen nennt, die ich vielleicht ahne und denen entgegenzuwirken offen und aüssgeradem Wege selbst mein Arm vielleicht zu schwach sein dürfte, sagt mir: Habt Ihr Beweise für Eure Behauptungen? Wißt Ihr sicher, ob Eure Feinde wirklich Thätlichkeiten gegen Euch im Schilde führen? Over, ob es blose Drohungen und Einschüchterungen sind und eS vielleicht dabei bleiben wird?" „Ja", „erwiederteder Rabbi," wir wissen'schon lange, schon seit der Qsterprocession, daß man Böse» gegen unS im Schild führt. Doch erst heute haben wir dieses Schreiben empfangen; es war an Frau Bella gerietet; wir wissen nicht, woher es rührt. Es ist in hebräischer Sprach« geschrieben und lautet: Tochter Israels, einst hat eine königlich: Frau^auS D:inem Volke, jene edle und tnuthige Esther, ihr Volk dadurch zu erretten gesucht, daß sie zum Könige ging. Thue elwaS Aehnliches; verkünde Deinem Volke, daß eS sich vorsehen mag. Sobald der Fürst in den Krieg zieht, sollen alle Juden dieser Stadt umgebracht werden. Auf Dich besonders scheint es jedoch abgesehen, denn Dich mehr als alle Andere haßt der neue Haman im frommen Ordenskleide. Also sieh Dich vorl!" Der Fürst hörte zu; ernst und ergriffen schaute, er lange in das verhängnißvolle Schriftstück, da» er selbst nicht zu lesen verstanden. : (Forts, folgt.) Bericht ver Alliance israelite universelle« ( AIIg«nt(in«» israelitisch«» Allian^) Rede des Rrälldente» zLremieur:: (Fortsetzung.) S Meche Herren, ich würde nicht mit Jbn^n von den Beriolgnngen sprechen, die sich w eben wiedcü in Rumänien erneuerten, wenn ich nicht Worte der! Hoffnung damit zu verbinden hätte. Dem grausameii Bratiana folgte der grausame Cogalnitjcheano; beide i verlangten.