Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1870-04-27 · 17 (27.4.1870) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
17 (27.4.1870)
Date
1870-04-27
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428708-5432115--2889-4899194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

i — 132 — b) „Lern« laut, sagte Samuel zu Ran Johude, damit Du da- Erlernte behaltest." (Daselbst 54.) 7) Stundenplan. „Zu deinem Studium theile den Tag in drei Theile ein. Ein Drittel desselben beschäftige Dich mit der Bibel, eia Drittel mit der Mischna und das andere Drittel mit dem Studinm de- Talmuds. Kiddufchin 30. Wochenbericht. Ober-Ingelheim Unser sehr geebrter Korrespondentau» „Berlin" hat uns den Vorwurf gemacht, daß wir «nS gegen die beabsichtigte Hochschule ausgesprochen hahen; und doch baden wir das eigentlich nicht gethan! d*x'2j "n oy jrr '2 Wollte Gott, die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden und deS Iudenthum« - wären .gegenwärtig der Art, da« wir mit ganzem Herzen in den Ruf nach einer Hochsckule mit einstimmen könnten! Aber, wie jetzt die Verhältnisse liegen, ist das Bestreben eine Täusckung. Wir wollen ' unsere Ansicht wiederholt aussprechen: Vor Allem müssen wir conftatiren, daß es eine Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums gibt, deren wisenschaftlicbe Bestrebungen alle Anerkennung verdienen. E« ist zweifellos, daß in Breslau die jüdische Wissenschaft mit.Ernst, mit Eifer und Hingebung gepflegt wird. Wir gestehe», daß uns die religiöse Richtung der Anstalt so sebr zuwider ist, wie nur irgend eine andere geistige Mißgeburt, denn nur so könnnen wir daS betriebe nennen, das schließlich auf Phrasen hinauSläuft, auf ein Schaukelsystem, das keinen Halt hat. Heute bekämpfte man den y"z> und Morgen holt man ihn; Die Halachi mit allen ihren Verzweigungen .ist. unumstößlich, ist der Nerv des Judenthums, aber die Agada kann gedeutet werden, und dir Orgelfrage ist G es ckmackSsach e; alle die Gründe 'asv und .-pn, die die ältere Orthodoxie in ihrer Consequenz aufstellte, sind also für diese ^Jünger der Halacha nicht da! Nur Geschmacksache! Und darum dieser Lärm und dieser Zwiespalt? ES gibt wohl einen gefeierten Namen in Israel, dessen Streben s.Z. eine gleiche Richtung hatte: Mendelsohn! Auch er verlangt Freiheit für das Denken und die Wissenschaft, Gebundenheit i» Thun. In seiner Zeit war diese- Streben berechtigt; sind wir darüber nicht hinausgekommen? Doch, wir wollen hier nicht gegen jenes Institut polemisiren. Wir glauben vielmehr mit Bestimmtheit,- daßder Geist der Wissenschaft welcher in Breslau gepflegt wird, die beliebte Richtung, die keine Richtung nach-einem bestimmten Ziele ist, bald besiegen wird. Wenn die jungen Mänaer von dort Weggehen, werden sie die Freiheit der Forschung nützen, welche dort' gepflegt worden. Darum fühlen «iruns»also nicht verpflichtet, ein zweites ähnliche« Institut für nothwendig zu erklären, so lange e« noch weit Nöthizeres zu beschaffen gibt. Und kann das geläugnet werden, daß das Religionsschulwesen all überall im Argen liegt, in den Städten — wie auf de» Lande? Daß es große und bedeutende Anstrengungen kosten wird, dasselbe zu heben und so zu gestalten, daß aus ihm gut vorbereitete Zöglinge für die Hochschule hervorgehen können? Soll auch im Judenthum die Derkehrheit unserer Staatsbudgets sich wiederholen: Hunderttausend« für die gelehrten Anstalten, Groschen für die Volksschule? Ist e« die Bildung im Volke, die höhere Anstalten schafft und fördert, oder sind Sie der Ansicht, daß eine Hochschule Werth und Bedeutung hat für ein ungebildete« Volk? Laßt unö als» vor Allem alle Kraft aufbieten, das Religionsschulwesen zu regeln, nicht durch Phrasen, wie eS in Leipzig beliebt wurde, sondern durch Thatsachen; dann kommt das Andere von selbst. Wir würden von all dem abfthen, wenn wir glauben könnten, eS würden sich Z ö g l i n g e finden für die projektirte Hochschule; auch daS bezweifeln wir! Der Geist in unseren Gemeinden ist ein so zwiespältiger, daß die jungen Leute fürchten müffen, als Zöglinge jener Anstalt, die trotz aller gegentheilizen Bestimmungen doch naturgemäß eine freie Richtung einschlagen wird, keine Anstellung zu finden. Die wenigen Lehrer- und Rabbinersöhn; etwa, welche nachdem theologischen Studium sich widmen werden, werden immer Breslau vorziehen, das „unbescholtener" ist. Wrr möchten also riecht gerne für die Sache sprechen, wenn es sich thun ließen Aber eS geht nicht! —_[____ Feuilleton. Der Wetter. Novelle von I. Kl. (Fortsetzung.) Es war ein herrlicher Sommermorgen. Ueberall Wärme, Leben und Bewegung. An den Bäumen, die längst des Weges zum Schlöffe des'Fürsten standen, das auf einer Bergkuppe lag, die weit hinaus ins Land schaute, gsitzerten die Thautropfen. Die Sonne verweilte nicht lange auf den kahlen grauen Mauern; sie senkte sich nieder auf die zarten Gräser, auf die herrlichen Blumen und die köstlichen Früchte, die diese erste Sommerzeit reift, auf die Johannis- und die Stachelbeerstaude und jedes Beerchen erhob sich wie dankend und freute sich und ward roth und röther vor Wonne. Weit hinaus sah man über den Fluß, auf dem Floße mit Anstrengung sich zu bewegen schienen, wo Schiffe mit blähenden Segeln auf- und abwärts fuhren und wieder über den nächsten Berg, auf dessen Höhen ein stolzes Kloster thronte, zu dem viele steiler Trep-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.