Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 17 (27.4.1870)
- Date
- 1870-04-27
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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— 181 — dieselben Regeln ausgestellt, wie sie die moderne Erziehung ausslellt und wollt« wir mit Folgendem nur die Didaktik des Talmud» anführen, da wir voraussetzen, daß die Regeln der modernen Erziehung - ron jedem Lehrer täglich praktisch angeweneet — hier nochmals anzusvhrer. überflüssig wäre. 1) Natürliche EntwickeInngSstusen drö herannahenden Alters. »Der fünfjäbrige Knabe ist reif zur Bibel, der zehnjährige zur Mischna und der fünfzehnjährige zum Talmud.- (Abot 5,21.) 2) Der Unterricht in der Tbora werde erlheilt a) praktisch. „Die Ausübung der Thora ist wichtiger, als deren Studium." (Berach. 8.) „Wer die Thora beoachtct, dessen Studium ist verdienstlich; wer dieselbe nickt beachtet, dessen Studium ist nicht verdienstlich." (Iebam. 100) b) Der Fähigkeit uito Neigung des Schülers angemessen. „Wie hat sich Gott aus dem Sinai geofsenbart? Kindern und Jünglingen, Männern und 'Greisen — jedem nach seiner Fassungskraft." (Scheinet Rabba 5.) „Siest Tu ein Geschlecht, dem die Thora lieb ist, so streue deren Samen aus; siebst Du aber ein Geschleckt, das. Belehrung verschmäht, so Halle zurücl" (Berachot 60.) „Zum Studium der Thora , gehört die Neigung des HerzenS; bei der Wahl des zu lehrenden SckriftabschnilteS habe eie Lust deS Schülers vor Augen." (Abod. Sara 19.) c) Gründlich. „Dem Schüler muß der Grund des Gelehrten gezeigt werden." Orub, 54.) „Der gründlich unterrichtende Lehrer verdient, wenn er auch minder fleißig ist, vor dem fleißigen, aber oberflächlich vertragenden Lehrer den Vorzug, denn ein Fehler, den daö Kind ringelernt hat, ist nicht herauSzubringen." (Baba Bathra 21.) „Gelehrt ist nur der, dem daS, was er weiß, geläufig ist. (Kidduschin 00.» d) erschöpfend. * Wer seinem Schüler ein Reli gionSgesrtz vorenthält, beraubt denselben seines väterlichen Erbes, denn es heißt: (5 B. M. 03,4» die Lehre, die dem MoseS für uns befohlen, ist ein Erbe der Gemeinde Jacobs." (Sanhedr. 91.) I) mehr intensiv als extensiv, „d'e Kenntnisse der Thora tperden dwch Ueberladung des Gedächtnisses vermindert, durch langlames Einsammeln dagegen vermehrt." (Ab. Sara 19.) „Lerne lieber wenig und gründlich, als viel und oberflächlich. (Rabba 111 3,) k) überzeugend. „Drehe und wende die Thora um und um, denn in ihr ist Alles.") (Abot 5.) „Dem Feigenbäume vergleicht Salomen die Thora; je mehr du den Feigenbaum rüttelst, desto reichere Gaben spendet er; je mehr Du über Gottes Wort nachdenksi desto reicheren Genuß gewährt es dir." (Erubin 54.) 3) Die Eigenschaften des Lehrers sind,'er besitze: a) Gottesfurcht. „Wehe denen, die sich mit der Thora beschäftigen und keine Gottesfurcht dabei besitzen; sie gleichen denen, die sich bemühen, eine Thüre zu einem Hause zu machen, ohne daß sie rin HauS besäßen." (Irma 72.) b) Ordentlichen Lebenswandel. „Von innen und außen sollst Du die heilige Lade mit Gold belegen; der Gottesgelrhtte soll von Anßen dieselbe« Ansichten zur Schau tragen, wie sein Innere« sie durch die Thora empsäisgt." (Jvma 72.) o) Geistesgegenwart. „Wenn Du über einen Gegenstand befragt wirst, stottere niqt, sondern antworte sofort und entschieden. d» Geduld. „Set geduldig und ausharrend wie Hillel und nicht jähzornig wie Cchamai (Sabbat 00.) ‘ - - e) Allseitige Kenntnisse. „Wer hat ein Reckt, als Lehrer angestcllt zu werdcn? Nur derjenige, der auf alle an ihn gerichteten balackischen Fragen genügende Antwort zu ertheilen im Stande ist". (Sabbat 114.) t) Uneigennützigkeill „Auf die Kinder der Armen reichte Deinen besonderen Blick, de»«)nur sie werden die meisten und besten.Ge(ehrlen." (Nedarim81.) 4) Tie Eigenschaften des Schüler« sind, er besitze; a) Eiser und Fleiß. Schamai lehrte: Das Studium des Gesetzes sti deine feste Beschäftigung/ (Abot I.) Seueifrig im Htudrum de« Gesetzes (Das. 2.) l») Temulh. Hasti Tu viel gelernt, thue Dir darauf nichts zu gut, denn dazu bist Du geschaffen." (Das. 2.) „Nur bei dem demüthigen Schüler hat die Gotteslrhre Bestand, der Hochfahrende dagegen zieht nicht lange von ihr Nutzen." (Erubin 54). c) Mäßigkeit. „Das ist der Weg zur Erlernung des Gesetzes: Brold mit Salz iß, Wasser nach Maß ..trinke, auf der bloßen Erde schlafe, ein sorgenvolles, Leben führe und; oefleißige dich des Gesetzes." (Abot 6.) . j . c» Charakter. Vielerlei Eigenheiten kennzeichnen die Scküler: Schwamm, Trichter, Seife und Schwinge. Ein Schwamm, der alles in sich einfängt; ein Trichter, der auf der einen Seite auinimmt und auf der anderen durchläßt. Eine Seihe, ■ die den Wein durchfließen läßt, und die Hefe zurückbebält; eine Schwinge, die das Staubmehl durchfallen läßt und das Krastmehl zurückbehält." (Daselbst 5.) 5) Lehrgegenstände. „Welche Gegenstände hat jeder zu lernen? Sewulin ben Dan sei dein Vorbild, dessen Großvater ihn lehrte die Thora, Mischna, Talmuv, Halacha und Agada." (Kidduschin 30.) 6) Regeln um die erlernten Gegenstände zu behalten. a) „Willst Du das Erlernte behalten? So achte genau auf die Sprache des vertragenden Gegenstand«« und mache Dir möglichst memonische Zeichen." (Erubin 50.)